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UNO: EU-Zusammenarbeit mit Libyen ist "unmenschlich"

UNO-Menschenrrechtskommissar Zeid Ra'ad al Hussein rügt EU
UNO-Menschenrrechtskommissar Zeid Ra'ad al Hussein rügt EU ©APA (AFP)
Die Europäische Union hat sich für ihre Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache beim Aufgreifen von Flüchtlingen im Mittelmeer eine scharfe Rüge der Vereinten Nationen eingehandelt. UNO-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad al-Hussein kritisierte das Vorgehen der EU am Dienstag als "unmenschlich".

Die EU trage dazu bei, dass immer mehr Flüchtlinge zurück nach Libyen gebracht würden, wo sie unter “grausamen” Umständen leben müssten. Viele werden nach eigenen Angaben von den Wachen geschlagen. Auch von Schleppern seien viele gefoltert, vergewaltigt, entführt und ausgehungert worden. Ein Mann berichtete, es gebe keine Duschen, viele Menschen seien krank, viele lägen schon bewusstlos am Boden.

“Das Leiden von Flüchtlingen, die in Libyen festgehalten werden, ist ein Verbrechen am menschlichen Gewissen”, erklärte der Menschenrechtskommissar. Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht länger die Augen verschließen vor dem “unvorstellbaren Grauen, das Flüchtlinge in Libyen ertragen”.

Dem Kommissar zufolge waren UNO-Mitarbeiter kürzlich beim Besuch von Auffanglagern in Libyen “schockiert”: Sie hätten “ausgemergelte und traumatisierte Männer und Frauen” gesehen, die “übereinandergestapelt” und eingesperrt gewesen seien. “Das Haftsystem für Flüchtlinge in Libyen ist irreparabel zerstört”, sagte Zeid. Trotz zugesagter EU-Hilfen verschlimmere sich die Situation und sei inzwischen “katastrophal”.

Libyen ist eines der Haupttransitländer für Flüchtlinge aus Afrika auf ihrem Weg nach Europa. Das Land wird in weiten Teilen von bewaffneten Milizen kontrolliert. Die EU und Italien unterstützen die libysche Küstenwache dabei, Flüchtlinge abzufangen, ehe sie internationale Gewässer erreichen.

Nach Angaben der libyschen Regierung waren Anfang November 19.900 Menschen in Auffanglagern. September. Im September waren es erst 7.000. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen fast 150.000 Menschen zwischen Jänner und Oktober über das Mittelmeer nach Europa; mehr als 2.800 starben auf der Überfahrt oder sind vermisst.

(APA/dpa/ag.)

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