“I due Foscari” als umjubelte Domingo-Gala in Salzburg

Domingo wird immer und überall verehrt
Domingo wird immer und überall verehrt - © APA (Archiv)
Großen Applaus im Großen Festspielhaus zu bekommen, ohne dafür einen Ton gesungen zu haben: Das hat Publikumsliebling Placido Domingo am Freitagabend bei der konzertanten Aufführung von “I due Foscari” erlebt. Schon als der spanische Opernsänger die Bühne betrat, klatschten die Besucher frenetisch. Die Salzburger Festspiele erlebten einen Abend lang Starkult in Reinform.

Nachdem Verdi mit “Nabucco” und “I Lombardi alla prima crociata” große Erfolge gefeiert hatte, stand er Mitte der 1840er Jahre leicht unter Zugzwang. Ein weiterer Erfolg musste her: “I due Foscari”, eine Oper nach einer Vorlage von Lord Byron. Eine ähnliche Last lag dieses Jahr auf Placido Domingos Schultern, der an seine Erfolge bei den Salzburger Festspielen der vergangenen Jahre ebenfalls anknüpfen musste. Mit der Auswahl des Werkes ist hier allerdings niemandem ein Gefallen getan worden.

Der alte Doge Foscari, gesungen von Domingo, muss seinen Sohn Jacopo Foscari (Joseph Calleja) verbannen, weil es sein Amt von ihm verlangt. Der Sohn ist eigentlich unschuldig, doch der Doge will vor dem Rat der Zehn nicht einknicken und um Gnade bitten. Viel mehr gibt die Handlung nicht her und die konzertante Aufführung des Werkes machte diese Tatsache nicht einfacher.

Was szenisch nicht dargestellt wurde, versuchten die Sänger gestisch und mimisch auszugleichen. Leider meistens zu sehr gewollt. Jacopo sang zwischen dem Gesang der Gondoliere einmal: “Dort lacht man, hier stirbt man”, dies sollte der Leitsatz des Abends werden. Während das Publikum aus Szenenapplaus und Bravorufen gar nicht mehr herauskam, versuchten die Sänger auch währenddessen gequälte Mine zu bewahren. 

Placido Domingo braucht niemandem mehr etwas zu beweisen. Mit der Bariton-Rolle des Dogen versuchte er aber genau das. In den hohen Passagen strahlte der frühere Tenor hervor, alles andere überspielte er mit großen Gesten. Joseph Calleja, bekannt für seinen klaren präsenten Tenor, hatte an diesem Abend etwas leicht Angeschlagenes in der Stimme. Guanqun Yu gab seine temperamentvolle Frau, die neben dem Kampf gegen die Verurteilung ihres Mannes auch gegen ihre oberen Register kämpfte. Schade, da sie besonders in den Mittellagen mit großer Präzision punktete. 

Glänzen konnten an diesem Abend die Musiker des Mozarteumorchesters Salzburg. Unter der Leitung von Michele Mariotti schufen sie eine farbenfrohe, italienische Atmosphäre, aus der sie die schwungvollen Verdi-Melodien erhoben. Der Spaß war jedem einzelnen von ihnen dabei anzusehen. Und auch der Philharmonia Chor Wien verdient Lob für seine saubere Arbeit.

Ist Domingo alleine eine Hit-Garantie? Man möchte es glauben, zumindest wenn man den langen Szenenapplaus, inklusive Bravo-Rufe, bedenkt. Salzburg hat seine Lieblinge und Domingo gehört definitiv dazu. Egal welches Werk, die stehenden Ovationen sind ihm sicher. Und so beruhigte sich das Große Festspielhaus auch am Freitag erst nach unzähligen Verbeugungen.

(APA)

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