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Nestroy-Preise u.a. für Goerden, Jonasson und Meyerhoff

Andrea Jonasson war
Andrea Jonasson war "beste Schauspielerin" ©APA
Im Wiener Ronacher sind am Montag die Nestroy-Preise vergeben worden. Schillers "Die Räuber" am Residenztheater München wurde zur besten deutschsprachigen Aufführung gekürt. Beste Schauspielerin wurde Andrea Jonasson für ihre Rolle in "Die Verdammten" in der Josefstadt. Bester Schauspieler ist nach Ansicht der Jury Joachim Meyerhoff für sein Darstellung in "Die Welt im Rücken" im Akademietheater.

Den Regie-Nestroy erhielt der deutsche Regisseur Elmar Goerden für “Die Verdammten” an der Theater in der Josefstadt. Zum 18. Mal wurden die besten Leistungen der vergangenen Theatersaison in Österreich sowie die beste deutschsprachige Produktion ausgezeichnet. Moderiert wurde die Gala überraschenderweise nicht von Regina Fritsch, Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm, sondern von Michael Niavarani und Peter Fässlacher (ORFIII).

Die Autorin Julya Rabinowich habe statt das bestellte Textbuch zu einer Bühnenshow zum Thema “Wie gefährlich ist die Kunst?” ein veritables kleines Theaterstück abgeliefert, das in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu realisieren gewesen sei, sagte Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann eingangs. “Künstler haben immer Recht – und letztendlich verantwortlich ist der Theaterdirektor.” Der heutige Abend werde daher eine Improvisation, sie habe sich aber Unterstützung von Profis geholt. Als ihr Assistent trat daher sogleich Michael Niavarani auf und holte sich die ersten Lach-Salven des Abends.

Die erste Auszeichnung des Abends, den ORF III-Publikumspreis, bekam Maximilian Simonischek überreicht. Er stürzte beim Betreten der Bühne, ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, telefonierte vor dem Mikrofon mit seiner Mutter und animierte das Publikum zu einem “Hallo, Charlotte!”-Chor.

Die Nachwuchs-Preise moderierte Niavarani im Duo mit Otto Schenk. Der 1992 geborene Steirer Felix Hafner erhielt den Preis für den besten männlichen Nachwuchs. Seine fulminante Regie von Molières “Der Menschenfeind” am Volkstheater Wien hatte die Jury begeistert – vier weitere Nominierungen in Schauspieler-Kategorien zeugen davon. Der bisher jüngste Regisseur, der auf der Hauptbühne des Volkstheaters inszenieren durfte, bedankte sich mit einer kurzen Rede und einem abschließenden “Danke, Bussi!”

Bester weiblicher Nachwuchs wurde die 26-jährige Maresi Riegner für ihre Rollen der Helen Keller in “The Miracle Worker” im Theater der Jugend und als Hedvig in “Die Wildente” im Theater in der Josefstadt. Riegner, die auch im Film überzeugen konnte (in Dieter Berners “Egon Schiele – Tod und Mädchen” spielt sie Schieles Schwester Gerti, in Barbara Alberts jüngst angelaufenem “Licht” eine Kammerzofe), kam direkt von einer (vorverlegten) “Wildente”-Vorstellung ins Ronacher und bekannte, sehr aufgeregt zu sein: “Deshalb sage ich nur: Danke!”

Maria Happel übernahm die Übergabe der Nebenrollen-Auszeichnung. Volkstheater-Ensemblemitglied Birgit Stöger (42) erhielt für ihre Arsinoe in “Der Menschenfeind” und dem Merkl Franz seine Erna in “Kasimir und Karoline” den Nestroy. Die bereits vor drei Jahren als Beste Schauspielerin nominierte Grazerin bedankte sich und erinnerte an den nach Österreich geflüchteten Schauspieler, der die im Vorjahr ausgezeichnete “Lost and Found”-Produktion des Volkstheaters inspiriert habe und seither zu einem guten Freund geworden sei. Heute morgen habe dieser einem negativen Asyl-Bescheid erhalten. “Wenn der österreichische Staat ihn abschiebt, kommt dies einem Todesurteil gleich.” Das Publikum reagierte mit langen Standing Ovations.

Die Choreographin Doris Uhlich und der sich in der Aufführung kurzfristig vom Rollstuhl lösende Tänzer Michael Turinsky wurden “für Inklusion auf Augenhöhe” in der Performance “Ravemachine” mit einem Spezialpreis bedacht. Die Koproduktion von brut und WUK mit dem Theaterverein insert habe “eine soghafte Dynamik” erzeugt, “die beide Künstler völlig befreit von jeglichen Körperklischees zeigt”, befand die Jury. “Das ist berührend, betörend, intensiv und schlicht hinreißend.” Turinsky warnte davor, “dass es in diesem Land wieder salonfähiger geworden ist, der Ausgrenzung das Wort zu reden”. Auch er erhielt für seine Rede langen Applaus und Standing Ovations.

Der weltweit erfolgreiche US-Autor und Schauspieler Ayad Akhtar (47) wurde für sein in der vergangenen Saison am Burgtheater und am Schauspielhaus Graz aufgeführtes Drama “Geächtet” mit dem Autorenpreis ausgezeichnet.

Als beste Off-Produktion wurde “HOLODRIO. Lass mich Dein Drecksstück sein!” nach André Heller in einer Inszenierung von Theater Rabenhof-Chef Thomas Gratzer ausgezeichnet. Überreicht wurde der Preis von dem aus den USA angereisten Autorenpreisträger Ayad Akhtar, der sichtlich Freude wie Mühe mit der Aussprache des Titels hatte.

In der Folge übernahm die Krisen-geeichte Karin Bergmann die Moderation. Die “Beste Bundesländer-Aufführung” lieferte nach Ansicht der Jury das Schauspielhaus Graz: Für “Der Auftrag: Dantons Tod” verwendete Regisseur Jan-Christoph Gockel Texte von Heiner Müller und Georg Büchner. Ihm sei es “bravourös gelungen, zwei politische Dramen in sinnliche Unterhaltung zu verpacken”, hieß es. Den Preis überreichten Marie Rötzer, Intendantin des Landestheaters Niederösterreich, die an den Regisseur Arpad Schilling erinnerte, der in seiner Heimat Ungarn als “Staatsfeind” gelte und derzeit in St. Pölten inszeniere, und der scheidende Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), der ankündigte, sich als “eine meiner vielleicht letzten Amtshandlungen” den von Birgit Stöger angesprochenen negativen Asylbescheid noch einmal genau ansehen zu wollen.

Die Preisträgerin in der Kategorie “Beste Ausstattung” war mit Katrin Brack bereits festgestanden. Schon 2007 hatte sie einen Nestroy-Preis erhalten, heuer wurde sie zudem auf der Theater-Biennale Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk gewürdigt. Ausgezeichnet wurde sie nun für ihre Ausstattungen zu René Polleschs “Carol Reed” und “der herzerlfresser” von Ferdinand Schmalz im Akademietheater.

Vor dem Regiepreis hielt der Autor David Schalko eine viel beklatschte Rede über die Gefährlichkeit der österreichischen Künstler und ihre Sehnsucht nach einem Kulturministerium, von dem man sich seine Gefährlichkeit bewilligen lassen könne. “Keine Spezies ist gefährlicher als der Österreicher, dem man die Kunst wegnimmt”, warnte er ironisch. Den Regie-Nestroy erhielt der deutsche Regisseur Elmar Goerden für “Die Verdammten” nach dem Film von Luchino Visconti, ein großes Ensemblestück im Theater in der Josefstadt.

Iris Lauffenberg und Florian Scholz, die Intendanten aus Graz und Klagenfurt, assistierten Bergmann (“Ich habe den Eindruck, wir sind zwar lang heute, aber auch dicht.”) bei der Überreichung der Darstellerpreise. Bester Schauspieler wurde wenig überraschend Joachim Meyerhoff für sein beeindruckende Darstellung einer bipolaren Störung in “Die Welt im Rücken” nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Melle im Akademietheater, für das er bereits in der Kritikerumfrage von “Theater heute” zum Schauspieler des Jahres gekürt worden war. “Dass es so ein überraschend schöner Abend wird, hätte ich nicht gedacht, und ich war ja schon öfter hier”, sagte Meyerhoff, und zeigte sich froh, “dass die Puppen doch nicht hier sind, denn mit denen hab’ ich es nicht so”.

Beste Schauspielerin wurde Andrea Jonasson für ihre Rolle als Freifrau Sophie von Essenbeck in der Josefstadt-Produktion “Die Verdammten”. “Mama mia, ich habe alles erwartet, nur das nicht”, sagte sie und freute sich besonders für Elmar Goerden, der den Regiepreis erhalten hatte. Wenn sie sich was wünschen dürfte, wäre das, einmal ein Stück zu spielen, in dem sie alle ihre Wut rauslassen könne, “nicht immer die Dame”!

Nach einer hinreißenden Doppelconference von Niavarani und Maria Happel über E- und U-Theater wurden Schillers “Die Räuber” in der Regie von Ulrich Rasche am Residenztheater München zur besten deutschsprachigen Aufführung gekürt. “Eine wunderbare Auszeichnung”, fand Rasche, “eine Anerkennung für mein politisches Engagement”.

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) bedankte sich bei Bergmann, “für eine der spontansten, lustigsten, politischsten und empathischsten Nestroy-Verleihungen, die ich erlebt habe”. Er habe bereits hinter der Bühne zu ihr gemeint: “So machen wir das jetzt immer!” Er erzählte von einem FPÖ-Antrag auf Subventionsentzug des Theaters in der Josefstadt, dessen satirische Werbesujets (in denen u.a. eine einjährige Bildungskarenz von H.C. Strache vermeldet wurde) die Rathaus-Freiheitlichen aufgebracht hatten.

Zum Abschluss des Abends nahm die 74-jährige Burgschauspielerin Kirsten Dene, seit einem Festwochen-Gastspiel von Kleists “Hermannsschlacht” vom Wiener Publikum heiß geliebt und bereits 2010 mit einem Nestroy-Preis als beste Schauspielerin ausgezeichnet, den Lebenswerk-Preis entgegen.

 

(APA)

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