"Hormonelle Verhütungsmittel sind aus gynäkologischer Sicht gesünder"

Dr. Bemetz über die Vorteile der hormonellen Verhütung.
Dr. Bemetz über die Vorteile der hormonellen Verhütung. ©VOL.AT/Unsplash
Noch immer halten sich manche schon längst widerlegte Mythen hartnäckig in den Köpfen vieler Frauen. Dr. Bemetz, Fachobmann der Gynäkologie Vorarlberg, über die Vor- und Nachteile der hormonfreien, sowie hormonellen Verhütung mit Fokus auf die Spirale.
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Weiters klärt der Experte über den Placebo-Effekt im Hinblick auf die Verträglichkeit auf und erläutert, warum die aktuelle Tendenz der hormonfreien Verhütung aus gynäkologischer Sicht nicht empfehlenswert ist.

Mythen über Mythen

Hohes Thrombose-Risiko, sexuelle Lustlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme… die hormonelle Verhütung hat keinen guten Ruf. "Zu Unrecht!", behauptet Dr. Bemetz, Sprachrohr der Vorarlberger Gynäkologen. Die hormonelle Verhütung wäre viel gesünder als die meisten Frauen denken. Die klischeehaften Symptome und Auswirkungen wären nur in sehr wenigen Fällen auf die Art der Verhütung zurückzuführen, versichert der Experte.

Trotz dieser belegten Erkenntnisse, nimmt der Gynäkologe tagtäglich eine klare Tendenz zur hormonfreien Verhütung unter seinen Patientinnen wahr. "Die Regelschmerzen und starken Blutungen werden im Glauben sich seinem Körper ohne Hormone etwas Gutes zu tun, in Kauf genommen", so Bemetz aus Erfahrung. Dass jene Beschwerden jedoch fatale Folgen haben können, wäre den meisten Frauen nicht bekannt.

Regelschmerzen und ihre Folgen

„Im Hinblick auf den weiblichen Zyklus ist es nicht normal, dass eine Frau über Jahre hinweg monatlich blutet", erklärt Bemetz. Ohne Verhütung würde eine Frau zwölf bis 15 Mal in ihrem Leben schwanger werden.

Der hormonelle Zyklus versuche jeden Monat mit maximaler Intensität eine Schwangerschaft vorzubereiten. Regelschmerzen und starke Blutungen sind keine Seltenheit. "Dies kann langfristig zu Problemen führen, genauer gesagt zu einer Endometriose, worunter man eine Verklebung und Verwachsung der Gebärmutter versteht. Sie ist die häufigste Ursache der weiblichen Unfruchtbarkeit. Vor Jahrzehnten musste aufgrund dessen vielen Frauen die Gebärmutter entfernt werden", erklärt der Gynäkologe weiter.

Hormonelle Verhütung als Prävention

30 Prozent der behandlungsbedürftigen Blutungs- und Gebärmutterprobleme seien auf eine hormonfreie Verhütung zurückzuführen. 83 Prozent der daraus resultierenden Operationen wären durch eine hormonelle Verhütung vermeidbar. "Regelschmerzen und Blutungen werden weniger, Akne kann sehr gut behandelt werden und die weibliche Fruchtbarkeit wird geschützt und geschont", zählt Bemetz die Vorteile der hormonellen Verhütung mittels Hormonspirale oder Pille auf.

Außerdem sei die Hormonspirale im Vergleich zur Kupfer- oder Goldspirale sicherer, führt Bemetz einen weiteren Vorteil aus. "Bei den hormonfreien Spiralen werden laut Statistik fünf von 1000 Frauen jährlich schwanger, bei der Hormonspirale ist es nur eine unter 1000 Frauen.

Trügerisches Placebo

„40 Prozent aller Wirkungen und Nebenwirkungen werden durch die Grundeinstellung beeinflusst", erklärt der Gynäkologe die Bedeutung des Placebos. Vielen Frauen ist der Gedanke einer hormonfreien Verhütung behaglicher. Das wäre auch der Grund dafür, weshalb so viele Frauen glauben, dass die unangenehmen und negativen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Libidoprobleme oder Stimmungsschwankungen auf die Hormone zurückzuführen seien.

"Umso enttäuschter sind sie dann, wenn sie die Pille oder die Hormonspirale absetzen und keine Linderung der Beschwerden feststellen", so der Experte über den trügerischen Effekt des Placebos. Ganz deutlich zeige sich dieser Trugschluss bei Gewichtsproblemen. Nach Absetzen der hormonellen Verhütung, würden die Frauen aufgrund ihres Irrglaubens weniger Acht auf Bewegung und Ernährung legen und folglich erst recht einige Kilos zunehmen, so der Experte aus seiner 25-jährigen Praxiserfahrung. Fakt ist, dass in nur ein bis zwei Prozent der Fälle die Hormone an der Gewichtszunahme schuld sind, untermauert er die Fehlinterpretation.

Thrombose-Risiko überbewertet

Eine vielfach und übertrieben dramatisierte Darstellung sei die Thrombose-Gefahr im Zusammenhang mit Zigarettenkonsum. "Bei Raucherinnen liegt die Thrombose-Gefahr bei 1 zu 300 Fällen. Bei Nicht-Raucherinnen ist sie deutlich geringer mit 1 zu 1000 Fällen", bestätigt Bemetz. Die oft so verheerend dargestellte Wechselwirkung des Glimmstengels mit Hormonen, würde laut Bemetz stark überbewertet.

Viel Schlimmer wäre es im Gegensatz dazu die Pille aus Angst vor einer Thrombose abzusetzen. Wenn die Frau dann ungewollt schwanger würde, wäre die Gefahr eines Blutgerinnsels in der Schwangerschaft um ein Vielfaches höher, als zuvor durch die Einnahme der Pille oder der Hormonspirale. "Man hat dann einen doppelten Nachteil", bringt es der erfahrene Gynäkologe, der schon 5000 Schwangerschaften begleitet hat, auf den Punkt.

(VOL.AT)

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