Verein Neustart: So läuft die Arbeit mit Extremisten in Vorarlberg

Wie läuft die Deradikalisierung entlassener Islamisten genau ab? Was ist in Wien schiefgelaufen? In Vorarlberg arbeitet der Verein Neustart mit verurteilten Extremisten.
Talk mit Winfried Ender

Nach dem schrecklichen Anschlag am Montagabend in Wien, war schnell klar, dass der Täter für die Behörden kein Unbekannter ist. Bereits 2018 wurde er beim Versuch aus der Türkei nach Syrien zu reisen verhaftet und anschließend zu 22 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung aus der Haft im September 2019, musste der spätere Attentäter an einem Programm zur Deradikalisierung teilnehmen. Dieses Programm, unter der Leitung des Vereins Neustart in Kooperation mit dem auf Islamismus spezialisierten Verein Derad umgesetzt wird, gibt es in ganz Österreich.

Kein Hinweis auf akute Bedrohung

In den regelmäßigen Treffen machte der 20-Jährige offenbar stets einen guten Eindruck, sodass keinem der beteiligten Betreuer eine unmittelbare Gefährdung aufgefallen ist. Allerdings wurde ebenfalls regelmäßig vermerkt, dass eine glaubhafte Abkehr vom Islamismus nicht bestätigt werden kann.

Gefährder in Vorarlberg

Auch beim Verein Neustart in Vorarlberg ist man mit extremistischen Straftätern in Kontakt, wie dessen Leiter Winfried Ender im Gespräch mit VOL.AT erklärt: "Extremismus ist kein neues Phänomen, damit müssen wir uns seit Jahren beschäftigen." War es in der Vergangenheit meist der politische Extremismus, etwa der Umgang mit Rechtsradikalen oder noch früher der linksextremen RAF, ist die religiös-politische Komponente relativ neu. Aus diesem Grund arbeitet man auch mit dem Verein Derad zusammen, der als NGO im Auftrag des Bundesjustizministeriums auch für die Betreuung von Inhaftierten im Bereich der Extremismus-Prävention zuständig ist.

Zusammenarbeit mit den Behörden funktioniert

Dass es ein Defizit im Zusammenspiel zwischen dem Verein, Justiz und Exekutive gibt, wie nach dem Anschlag am Montag von einigen behauptet wird, will Ender so nicht stehen lassen: "Wir haben grundsätzlich mit der Exekutive eine sehr gute Verbindung." Erst seit Beginn des Jahres gibt es zusätzlich die sogenannte sicherheitspolizeiliche Fallkonferenz. Dabei sitzen Polizei, Gericht, Strafvollzug und die Betreuungsorganisationen zusammen und besprechen den einzelnen Fall. Damit erhalten die involvierten Stellen ein viel breiteres Bild eines Falles, was Ender in der Zukunft noch weiter ausbauen will.

Winfried Ender im Podcast

Wie die tägliche Arbeit mit Straftätern abläuft, wie die Mitarbeiter mit der Verantwortung umgehen und was man noch machen kann um künftig noch besser mit allen involvierten Stellen zusammenzuarbeiten, erklärt Winfried Ender im ausführlichen VOL.AT TV-Talk.

(VOL.AT)

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