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Schimmelhorror: Jungfamilie flüchtet aus Miethaus

Rebecca und Ramona Tangl kämpfen für ihr Recht. Schimmelbefall zerstörte ihren Wohntraum.
Rebecca und Ramona Tangl kämpfen für ihr Recht. Schimmelbefall zerstörte ihren Wohntraum.
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Rebecca und Ramona Tangl sowie die Söhne Nevio (8) und Leon (13) standen von heute auf morgen auf der Straße. Besonders pikant: Das betroffene Haus sorgte schon in der Vergangenheit für Schlagzeilen.
Das steht im Gutachten

Der lang ersehnte Wohntraum für Familie Tangl, die inzwischen in Lustenau lebt, platzte und entwickelte sich zum Albtraum.

Tausende Euro investiert

Im Oktober 2021 zogen Rebecca und Ramona Tangl sowie die Kinder Nevio und Leon in die Nibelungenstadt. Zunächst konnten sie ihr Glück kaum fassen, endlich hatten sie eine leistbare Bleibe gefunden und waren auch mit einem unbefristeten Mietverhältnis glücklich.

In Eigenregie nahmen sich auch mehrere Tausend Euro in die Hand, investierten in den Neubau einer Terrasse und Erdarbeiten im Garten. Zunächst schien alles in Ordnung und die Familie fühlte sich wohl, auch wenn sich bei den jungen Frauen schon erste gesundheitliche Probleme wie Kopfschmerzen und gelegentliches Nasenbluten bemerkbar machten.

Hiobsbotschaft und schreckliche Entdeckung im Wohnzimmer

Als sich die Jungfamilie im März 2021 dazu entschied, einen neuen Flachbild-Fernseher anzuschaffen, nahm das Drama seinen Lauf. Zunächst bemerkte Rebecca auf der Rückseite des Geräts weiße Flecken. Und auch nach intensiver Reinigung erschienen die Unheilsboten erneut auf der Plastikverkleidung. Langsam, aber sicher keimte bei den Frauen der Verdacht auf, dass es sich um Schimmel handeln könnte. Ein im Baumarkt gekaufter Schnelltest bestätigte dann den Verdacht. Als sich Familie Tangl auf die Suche nach weiterem Pilz- und Schimmelbefall in dem Miethaus machte, wurden sie schnell fündig. Und auch das Gutachten eines hinzugezogenen Kammerjägers bestätigte die Hiobsbotschaft. Als sie dann im Zuge weiterer Recherchen entdeckten, dass ihr Wohntraum schon 2019 aufgrund massiver Mängel und Schimmelbefall in den Schlagzeilen erschien, zog es den beiden Frauen den Boden unter den Füßen weg.

An der Rückseite des TV-Geräts entdeckte Familie Tangl zum ersten Mal Spuren der gefährlichen Keime und Sporen.

"Mit Sack und Pack":
Flucht ins Hotel

Fieberhaft suchte man im ganzen Haus nach weiteren Spuren der gefährlichen Keime und Sporen. Und wurde schnell fündig. Als sich der Verdacht auch an Leisten im Kinderzimmer bestätigte, zog die junge Familie die Konsequenzen. Mit dem, was sie am Leib trugen, flüchteten sie aus dem befallenen Haus und kamen in einem Hotel unter, wie Mama Rebecca im VOL.AT-Interview schildert.

Schimmelbefall an den Möbeln und am Inventar.

Eigentümer zeigen keine Einsicht, Gutachten bestätigt Schimmelbefall

Als die betroffene Familie den Kontakt mit den Eigentümern suchte und die Vermieter mit den Vorwürfen konfrontierte, folgte der nächste Schock. "Die Eigentümer zeigten keine Einsicht und konterten mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen", sagt Rebecca Tangl im VOL.AT-Gespräch und führt weiter aus. "Auch habe man das Haus nach dem Erstbefall gründlich renoviert und es könne nicht sein, dass es sich hier um neuerlichen Schimmel handle. Im Gegenteil, wenn, dann wäre dieser durch unsere unsachgemäße Benutzung hervorgerufen worden", informiert die erzürnte Mutter gegenüber VOL.AT. Kritisieren würde sie auch das Verhalten der verantwortlichen Behörden. Das zuständige Bauamt oder die Bezirkshauptmannschaft habe ihrer Meinung nach zu wenig konsequent kontrolliert, ob dieses Haus bewohnbar wäre. Ein von der Familie dann selbst in Auftrag gestelltes Gutachten, das VOL.AT vorliegt, bestätigt den massiven Schimmelbefall:

Unter den Leisten wurde das junge Paar ebenfalls fündig.

"Zur Frage, ob eine Schimmelsporenbelastung in der Luft der Wohnräume besteht, kann dieses mit Ja beantwortet werden. ... auch zur gesundheitlichen Belastung führen können.

Bei besonders empfindlichen Personen kann es zu Reaktionen kommen, die sich folgenderweise zeigen: Reizhusten, Atembeschwerden. Pilzerkrankungen mit unerklärten Hintergründen sowie allergischen Reaktionen.

Ebenfalls wurden 6 Proben mittels Abklatschproben an Wänden sowie Möbelstücken zur Ermittlung von Schimmelsporen und Keimbelastung entnommen.

Die Probennahme Kinderzimmer, Gang und Badezimmer zeigen eine niedrige Belastung mit Pilzsporen nach. "

Deutliche Spuren des Schimmelbefalls auf einem Sporometer.

Eigentümer machen Druck und weisen jede Schuld von sich

Auf VOL.AT-Anfrage bei der Eigentümerfamilie, erhielten wir zunächst eine Einladung ins Haus, man habe nichts zu verbergen. Vor Ort gab man sich dann überrascht, eine Besichtigung war nicht mehr möglich. Und auf die konkreten Vorwürfe und Fragen, die im Raum stehen, würde man via Anwalt reagieren.

Als Antwort auf die darauf folgende Fragestellung erhielt VOL.AT ein umfassendes E-Mail, in dem der Redaktion vonseiten des Juristen nahegelegt wurde, von einer Berichterstattung abzusehen. Seiner Ansicht nach bestünde kein öffentliches Interesse. Und generell sei festzuhalten, dass sämtliche (neuerlichen) Vorwürfe falsch seien.

Außerdem wurde VOL.AT gebeten, von einer weiteren Kontaktaufnahme mit den Eigentümern Abstand zu nehmen.

Familie Tangl möchte verhindern, dass sich dieser "Schimmelhorror"
noch einmal wiederholt.

Familie Tangl: "Wollen einfach verhindern, dass noch jemand
denselben Fehler macht"

"Ich finde es total verantwortungslos, dass man als Eigentümer den offensichtlichen Schimmelbefall so herunterspielt. Hier werden gesundheitliche Risiken offensichtlich in Kauf genommen. Und wir wollen einfach verhindern, dass noch jemand denselben Fehler macht", sagt Rebecca Tangl abschließend.

(VOL.AT)

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