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"Hacker sind wie Jäger"

Immer mehr Vorarlberger werden zum Opfer der Hackerangriffe.
Immer mehr Vorarlberger werden zum Opfer der Hackerangriffe. ©W&W/Förtsch
Die Polizei warnt derzeit vor Hacking-Angriffen in sozialen Netzwerken. Auch Kilian aus Gaschurn wurde Opfer eines solchen. WANN & WO hat nachgefragt, wie er sich fühlte und was man als Betroffener machen kann.

Von Saskia Heel/Wann&Wo

„Hi gib mir deine Nummer bitte“ – diese Nachricht wird derzeit von zig Facebook- oder Instagram-Konten verschickt. Dahinter stecken aber meist nicht die vermeintlichen Freunde selbst, sondern Kriminelle, die sich damit Daten erschleichen wollen. „Die Hacker benutzen ergaunerte Telefonnummern, um Codes zu senden, mit denen sie Bezahlvorgänge bestätigen. Damit werden dann Verträge, zum Beispiel im Glücksspielbereich abgeschlossen, die über die Handyrechnungen der Opfer abgerechnet werden“, erklärt Cyberkriminal-Experte Harald Longhi. „Dabei kann es sich um Hochkriminelle, Spielsüchtige oder Betreiber von Glücksspielplattformen handeln. Die Hacker sind irgendwo. Sie sind wie Jäger. Erwischen sie die Beute, zerlegen sie sie in kleine Stücke. Sie haben eigene Netzwerke, Daten werden abgefangen und bis ins kleinste Detail auseinandergenommen.“ Große Glücksspielanbieter würden allerdings nicht auf solche Methoden zurückgreifen, so der Experte. „Meist sind es eher kleinere aus anderen Länder. Dort sind die Gesetze lockerer und sie haben es deshalb leichter.“ Dass es sich bei den derzeit kursierenden Hacking-Angriffen vermutlich um Personen aus dem Ausland handelt, bestätigt auch Kilian aus Gaschurn. Auch er wurde vor Kurzem Opfer eines solchen Angriffs und bemerkte, dass sein Facebook-Konto nicht mehr wie gewohnt in deutscher, sondern in türkischer Sprache eingestellt war. „Als mir bewusst wurde, dass ich gerade gehackt wurde und unter meinem Namen Nachrichten verschickt werden, war ich sehr genervt“, erinnert sich der 24-Jährige zurück. Auf seine missliche Lage aufmerksam gemacht haben ihn Freunde und Verwandte, die eine Nachricht erhalten haben, misstrauisch wurden und ihn per Anruf kontaktierten. „Aber es sind auch tatsächlich Leute, die mich eigentlich besser kennen, auf die Betrüger hineingefallen“, erzählt Kilian gegenüber WANN & WO. Dabei hätten sich die Konversationen ganz unterschiedlich entwickelt. „Manche haben eine SMS und den Hinweis auf den Kauf eines Online Credits bekommen, bei anderen ist gar nichts passiert.“

Langwieriger Prozess

Für Kilian selbst fing mit den in seinem Namen verschickten Nachrichten ein langwieriger Prozess an. „Bei Instagram war es einfach, wieder an mein Konto zu kommen“, erklärt er. Etwas komplizierter war es da schon bei Facebook. „Ich musste eine neue E-Mail-Adresse hinzufügen und meine Identität mit einem Lichtbildausweis bestätigen. Facebook hat diesen dann geprüft und mir einen Code an die neue E-Mail-Adresse geschickt. Damit konnte ich mein Passwort dann zurücksetzen.“ Dass es ein langwieriger Prozess sein kann, wieder an seine Online-Konten zu kommen, weiß auch Harald Longhi: „Die meisten Konzerne haben ihren Sitz in Amerika, da gibt es dann einige Hürden, angefangen bei der Sprache. Das kann ein sehr langwieriger Prozess sein.“

AGBs durchlesen

Rund 24 Stunden dauerte es in Kilians Fall bis er seine Konten auf Instagram und Facebook zurück hatte. Auf die Frage, ob er künftig anders mit seinen Passwörtern und Online-Daten umgeht, meint der 24-Jährige: „Meiner Meinung nach, sollten auch Seitenbetreiber mehr Wert auf die Sicherheit ihrer User legen. Aber vielleicht sollte man sich auch einmal die AGBs durchlesen“, fügt er mit einem Zwinkern hinzu.

"Bis dato ist zum Glück noch nichts passiert"

Bianca Schallert, 25, Nenzing: „Ich habe die Nachricht von einer Freundin erhalten, die sich kürzlich ein neues Smartphone gekauft hat und mir deshalb keine Gedanken gemacht und ihr ohne zu zögern meine Telefonnummer geschickt. Als sich herausstelle, dass es sich um einen Fake handelt, habe ich den Chat gelöscht und das Profil gemeldet, sämtliche Kontrollen durchgeführt, Passwortänderungen vorgenommen und mein Smartphone laufend auf Viren überprüft. Bis dato ist zum Glück nichts passiert, sicher fühle ich mich aber trotzdem nicht.“

Tipps der Polizei

  • Freund kontaktieren: Bei dubiosen Anfragen den betreffenden Freund kontaktieren und nachfragen, ob die Anfrage wirklich vom ihm oder ihr stammt.
  • Freischalten per SMS: Beim Anmeldevorgang für Soziale Netzwerke die zweistufige Authentifizierung aktivieren (ein neues Gerät muss über eine SMS freigeschaltet werden).
  • Codes nicht weitergeben: Keinesfalls auf ein Mobiltelefon gesendete Codes weitergeben – ganz egal, welche Begründung dafür angegeben wird.
  • Bezahldienste deaktivieren: Allfällige Bezahldienste per Mobiltelefon (wenn kein Bedarf besteht) beim Mobilfunkbetreiber deaktivieren lassen.
  • Rechnung kontrollieren: Die Mobiltelefonrechnungen ständig auf unerklärliche Positionen überprüfen und gegebenenfalls beim Betreiber reklamieren.
  • Aktueller Virenschutz: Auch für Mobile-Devices sollte ein aktueller Viren

(Text: Saskia Heel/Wann&Wo)

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