"Die Rolle bei 'Biohackers 2' von Netflix war eine Ehre"

Sebastian Jakob Doppelbauer aus Nofels.
Sebastian Jakob Doppelbauer aus Nofels. ©Katrin Ribbe
Seine Schauspielkarriere zog den Nofler Sebastian Jakob Doppelbauer nach Deutschland. Dort spielte er auch in der Netflix-Serie "Biohackers" – und plant jetzt eigene Filme.

Von: Anja Förtsch (WANN & WO)

WANN & WO: Die Netflix-Serie Biohackers hat vergangenes Jahr eine zweite Staffel bekommen – eine Ehre, die bei der aktuellen Serien-Flut längst nicht jeder Produktion zuteil wird. War für dich gleich klar, dass du wieder dabei sein würdest?

Sebastian Jakob Doppelbauer:  Das stimmt und freut mich daher. Ich hatte ja das Glück, mit meiner Rolle als WG-Mitbewohner Ole im Stamm-Cast zu sein, insofern konnte ich mir eh relativ sicher sein. Aber ich war auch nett zu den KollegInnen und habe so meine Chancen erhöht. (lacht)

WANN & WO: Du stehst seit frühester Jugend auf der Bühne, hast eine klassische Schauspielaus-bildung gemacht und bist Mitglied des Ensembles am renommierten Schauspiel Hannover. Wie war nun dieser Ausflug in die Serien-Welt, könntest du dir vorstellen, dort zu bleiben?

Sebastian Jakob Doppelbauer: Auf jeden Fall – ich wurde nur noch nicht gefragt bisher. (lacht) Ich sehe meine Arbeit aber ohnehin nicht als „Entweder-Oder“, am liebsten würde ich vielen verschiedenen Dinge ausprobieren.

WANN & WO: Welche Dinge könnten das sein?

Sebastian Jakob Doppelbauer:  Gerade beschäftige ich mich viel mit dem Medium Film. Mit einem befreundeten Regisseur habe ich zuletzt einen Film geschrieben und gedreht. Und ich schreibe gerade ein Drehbuch mit meinem Freund und Regisseur Lukas Nathrath: eine Horror-Komödie mit dem Titel „Bourgeoise Paranoia“. Es geht um ein WG-Casting, das aus dem Ruder läuft und sich in Richtung „Tribute von Panem“ entwickelt.

WANN & WO: In Corona-Zeiten sind Filme wohl auch eine sicherere Bank als Theatersäle. Was haben Corona und die Maßnahmen mit dir als Theaterschauspieler gemacht?

Sebastian Jakob Doppelbauer: Am Anfang war ich wie alle verunsichert, später ehrlich gesagt auch wütend. Ich habe mich gefragt: Warum darf die Bundesliga vor Publikum spielen aber das Theater-ensemble nicht? Momentan ist es so, dass es Aufführungen vor Publikum gibt, aber die Zuschauerzahlen eher gering sind – verständlich, man will ja aktuell nicht unbedingt in einem Saal mit Hunderten Menschen sitzen, während die Infektionszahlen explodieren. Aber es ist, wie es ist, und da müssen wir alle durch. Ich habe das Privileg, in einem Ensemble zu sein und mein monatliches Gehalt zu bekommen, egal wie viele Vorstellungen ich spiele. Da geht es vielen KollegInnen schlechter.

WANN & WO: Viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder wohl einen bodenständigen, sicheren Job – gerade eben in der Corona-Zeit. Wie haben deine Eltern reagiert, als du gesagt hast, dass du zur Schauspielschule nach Hamburg gehst?

Sebastian Jakob Doppelbauer: Meine Schwester ist bei der VKW, einer meiner Brüder ist Polymertechniker. Mein jüngster Bruder ist Musiker, ich bin Schauspieler – es ist also sowohl das Bodenständige als auch das Kreative abgedeckt. (lacht) Meine Familie ist eh sehr kunstinteressiert, mein Großvater war Komponist. Kreative Berufe sind uns also nichts Fremdes. Was meine Eltern wohl mehr geschmerzt hat, war eher die große Distanz von Feldkirch nach Hamburg.

WANN & WO: Dorthin bist du mit 19 Jahren ganz allein gezogen, ohne jemals vorher in der Stadt gewesen zu sein – sicher kein einfacher Start?

Sebastian Jakob Doppelbauer: An der Kunstuni waren wir im Schauspielkurs acht Leute, die waren anfangs meine einzigen Kontakte. Da gab es auch mal Heimweh. Insgesamt war es aber eine tolle Zeit – auch wenn ich damals total verwahrlost in einer Studenten-WG gewohnt habe, nur mit einer Matratze auf dem Boden geschlafen und mit dem Flaschenpfand am Ende des Monats Fertigpizza finanziert habe. (lacht)

WANN & WO: Bist du inzwischen – auch abgesehen von deiner Wohnsituation – in Deutschland angekommen?

Sebastian Jakob Doppelbauer: Ja, ich war für Biohackers etwa viel in München und Umgebung. Einer meiner Brüder lebt in Deutschland, ich habe ein Theaterkollektiv in Leipzig, ich habe viele Freunde in Berlin, mein bester Freund ist am Theater in Stuttgart, ich hatte eine Lesung in Dresden, ein Gastspiel am Theater in Nürnberg ... ich bin schon ganz gut rumgekommen. Einmal haben wir auch in St. Petersburg ein Stück gespielt, die Zuschauer hatten dort Kopfhörer für die Simultanübersetzung. Und auch in Italien, in einem großen Theater – nur war das zur Zeit der Fußball-EM, es war so gut wie kein Zuschauer da und dieser riesige Theatersaal praktisch leer. (lacht)

KURZ GEFRAGT

Welches Stück war deine liebstes bisher?

„Im Herzen der Gewalt“ von Édouard Louis am Thalia Theater in Hamburg. Eine tolle Rolle, toller Stoff und mein erstes Engagement nach der Schauspielschule.

In welchem Stück möchtest du unbedingt mal noch spielen?

Macbeth! Ganz klar.

Was gefällt dir an deiner Wahlheimat Hannover?

Wie grün es hier ist. Ich wohne direkt an der Ellenriede, dem größten Stadtwald Europas und fünfmal so groß wie der Central Park in New York.

Was vermisst du an Vorarlberg?

Die Berge. Und – ich muss es einfach sagen, auch wenn es sehr klischeehaft ist – Käsknöpfle.

STECKBRIEF

Sebastian Jakob Doppelbauer

Geburtstag, Alter, Wohnort: 5. April 1995, 26 Jahre, Hannover, ursprünglich aus Nofels

Werdegang: Jugendclub Theater am Saumarkt FK., Jugendclub Landestheater B., Theaterakademie der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, Ensemble des Schauspiel Hannover

Auszeichnungen: Förderpreis der Hansa-Maritim Stiftung, Ensemblepreis Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender

(WANN & WO)

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