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"Corona ist das größere Handicap"

Vier Vorarlberger, die sich von ihren physischen Handicaps nicht stoppen lassen, erzählen W&W ihre Erfolgsgeschichten.
Vier Vorarlberger, die sich von ihren physischen Handicaps nicht stoppen lassen, erzählen W&W ihre Erfolgsgeschichten. ©Paulitsch/Sams/Stiplovsek/Privat
Vier Vorarlberger, die sich von ihren physischen Handicaps nicht stoppen lassen, erzählen W&W ihre Erfolgsgeschichten.

Von Alyssa Hanßke/Wann & Wo

Am Donnerstag wurde am „Welt-Tag von Menschen mit Beeinträchtigung“ all jenen gedacht, die mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen leben. W&W sprach mit vier Vorarlbergern, die trotz körperlichem Handicap Erfolgsgeschichte schrieben. Darunter der Musiker George Nussbaumer, Rollstuhltennis-Ass Thomas Flax, Monoski-Profi Heike Eder und Politiker, Autor sowie „WANN & WO-Patenkind“ Patrick Wintschnig.

"Tag aller Menschen"

Laut Nussbaumer zeichnet den „Tag der Menschen mit Beeinträchtigungen“ heuer jedoch noch viel mehr aus: „Dieses Jahr verbindet der Tag in gewisser Weise alle Menschen. Immerhin hat in Zeiten von Corona jeder von uns mit ‚Beeinträchtigungen‘ zu kämpfen. Zeiten wie diese zeigen, wie schnell Menschen, auch unverschuldet, plötzlich in ihrem Tun und Sein eingeschränkt werden können.“

"Man lernt das Handicap nicht nur zu akzeptieren, sondern auch anzunehmen“

Foto: Paulitsch

George Nussbaumer, Musiker und Komponist, von Geburt an blind: „Wenn man mit gewissen Umständen schon sein Leben lang konfrontiert wird, nimmt man diese nicht wirklich als Beeinträchtigung wahr. Man lernt das Handicap nicht nur zu akzeptieren, sondern auch anzunehmen. Wenn man etwas will, setzt man alle Hebel in Bewegung, um es auch zu erreichen. Natürlich muss es dennoch im Rahmen der eigenen Möglichkeiten liegen. Als Pilot hätte ich beispielsweise vermutlich niemals Karriere gemacht (lacht). In Zeiten von Corona sind plötzlich alle Menschen gleichermaßen in ihrem Tun und Sein ‚beeinträchtigt‘. Der einzige Unterschied zu einem körperlichen oder geistigen Handicap liegt darin, dass sie grundsätzlich nach wie vor zu allem in der Lage wären. Eingeschränkt werden sie alleine durch die Umstände, durch die Regierungs-Maßnahmen, durch Corona. In diesem Fall kann die Situation nicht wirklich angenommen werden, höchstenfalls akzeptiert. Es gilt weiterhin durchzuhalten!“

"Eine Stimme für Beeinträchtigte"

Foto: Sams

Patrick Wintschnig, W&W-Patenkind, Politiker und Autor, spastische Tetraplegie: „Meiner Ansicht nach ist es nicht das Handicap, das einen am meisten beeinträchtigt, sondern das Umfeld, das einem sagt, man könne etwas nicht. Ohne meine Familie, die an mich glaubt, hätte ich es nie so weit geschafft. Dank WANN & WO, dem Bucher-Verlag und Casino Bregenz konnte ich mir 2013 den Traum von einem eigenen Buch verwirklichen. Außerdem bin ich in der Lustenauer Gemeindepolitik für Sozialthemen bei den Grünen zuständig. Dort kümmere ich mich um Projekte im Interesse beeinträchtigter Menschen.“

"Das war es noch nicht für mich!"

Foto: Stiplovsek

Heike Eder, Monoski-Profi und Bundesratsabgeordnete, inkomplette Querschnittslähmung: „Mit 18 erlitt ich während des Skirennlauf-Trainings einen Unfall. Anfangs hieß es, ich würde nie wieder laufen können. Jedoch hatte ich von Anfang an das Gefühl: Das war es noch nicht für mich! Meine Leidenschaft zum Ski-Sport wollte ich nicht aufgeben. Schon in der Saison nach dem Unfall begann ich Mono-Ski zu lernen, fuhr Jahre später erste Rennen. Mein größter sportlicher Erfolg war meine Bronze-Medaille bei den Paralympics 2018. Auch privat habe ich mein Glück gefunden: Mein Mann und ich durften letztes Jahr unseren Sohn begrüßen. Durch hartes Training und viel Glück verbanden sich auch einige Nerven im Laufe der Zeit wieder. So kann ich meinen Alltag mittlerweile größtenteils mit Krücken bewältigen.“

"Reha: Härtestes Trainingslager"

Foto: Handout/Flax

Thomas Flax, Rollstuhltennis-Nationalspieler, Querschnittslähmung: „Der Tennissport begleitet mich schon mein ganzes Leben. Nach einem schweren Mountainbike-Unfall im Sommer 2007 hatte ich es dem Sport zu verdanken, wieder zurück auf die richtige Spur zu finden. So kam mir meine Fitness gerade auch beim Reha-Alltag – dem härtesten Trainingslager meines Lebens – sehr zugute und ich fand auch nach dem Unfall schnell zurück in den Sport. Rollstuhltennis wurde vom Hobby zum Leistungssport. Heute bin ich fixer Bestandteil des Nationalteams.“

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