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Wie gut ist der russische Impfstoff "Sputnik V"?

Der "Sputnik V"-Impfstoff hat keine EMA-Zulassung, Österreich verhandelt aber über eine Lieferung von einer Million Dosen des russischen Präparates.
Der "Sputnik V"-Impfstoff hat keine EMA-Zulassung, Österreich verhandelt aber über eine Lieferung von einer Million Dosen des russischen Präparates. ©Reuters, AP
Österreich verhandelt mit Russland über die Lieferung einer Million Dosen "Sputnik V"-Impfstoff. Das Präparat hat allerdings keine EMA-Zulassung und stand in den letzten Monaten durchaus in der Kritik.
Eine Million Dosen "Sputnik V" für Österreich

Sputnik V ist nach dpa-Angaben bereits in 56 Ländern zugelassen und wird von der EU-Arzneimittelbehörde geprüft. 

Bekannte Nebenwirkung

"Sputnik V" ist ein Vektorimpfstoff, entwickelt russischen staatlichen Gamalea-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau. Die Impfung erfolgt in zwei Dosen, mit einem Abstand von 21 Tagen. Ähnlich wie der AtsraZeneca-Impfstoff benutzt "SputnikV" abgeschwächte harmlose Viren um Abwehrreaktionen gegen das Coronavirus hervorzurufen.

Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen sowie grippeähnliche Symptome werden als typische Reaktionen auf die Impfung angegeben.

Kritisiert wird "Sputnik V" vor allem deshalb, weil es noch keine Ergebnisse aus einer Phase-III-Studie zu dem Präparat gibt. In einer Zwischenanalyse sprechen russische Forscher aber von einer Wirksamkeit von 91,6 Prozent. In Ungarn und der Slowakei sei "Sputnik V" bereits im Einsatz. Die WHO lobt Russland für eine "ausgezeichnete Tradition" in der Herstellung und Anwendung von Impfstoffen.

Noch keine Zulassung

In der Europäischen Union ist Sputnik V derzeit noch nicht zugelassen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat aber ein sogenanntes rollierendes Verfahren zur Zulassung gestartet. Dabei können während eines Gesundheitsnotstands die notwendigen Daten bei Verfügbarkeit sukzessive eingereicht und geprüft werden. Das Verfahren kann so beschleunigt werden.

"Klar ist: jeder in Österreich eingesetzte Impfstoffe muss wirksam und sicher sein", so Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Dienstag. 

Kritik von NEOS und FPÖ

"Ohne positiv abgeschlossenes Zulassungsverfahren darf Sputnik V in Österreich nicht verimpft werden. Das würde das Vertrauen der Bevölkerung in die Impfung aushöhlen und den Impffortschritt in Österreich nachhaltig gefährden", forderte NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker.

Das Beispiel rund um Sputnik V zeige, dass es die österreichische Regierung wieder einmal verschlafen habe, die richtige Schritte zu setzen. "In mittlerweile 57 Ländern kommt Sputnik V bereits zum Einsatz. Österreich könnte schon eines dieser Länder sein, würde der Gesundheitsminister nicht Anschober heißen", so der FPÖ-Chef.

Die EU-Kommission äußerte sich zu den Verhandlungen zwischen Wien und Moskau zu Sputnik V zurückhaltend. Der Impfstoff gehöre nicht zu dem von der EU-Kommission ausverhandelten Portfolio, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Brüssel. "Bisher ist aber nach Angaben der EMA kein Antrag des Sputnik-V-Herstellers auf Marktzulassung in der EU eingegangen", so die Sprecherin.

"Für die EU ist es entscheidend, dass die Impfstoffe auf ihre Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit geprüft werden", betonte die Sprecherin mit Blick auf das Zulassungsverfahren durch die EMA weiter. Sie verwies außerdem, dass im Falle einer Notfallzulassung "Konsequenzen" zu tragen seien. So würde die Haftung nicht mehr bei den Herstellern, sondern bei den Mitgliedstaaten liegen. Die EU-Kommission verhandle nicht zu Sputnik V, hieß es letztlich. Man sei "zuversichtlich" mit der derzeitigen Impfstrategie, das Ziel, 70 Prozent der Erwachsenen in der EU bis Sommer geimpft zu haben, zu erreichen.

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(VOL.AT/APA)

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