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So verleiten uns Supermärkte zum Kauf

"Umherschauen ist das erste Einfallstor zu ungeplanten Kaufentscheidungen", erklärt der Studienautor
"Umherschauen ist das erste Einfallstor zu ungeplanten Kaufentscheidungen", erklärt der Studienautor ©Symbolbild / PIxabay
Die Aufmerksamkeit von Konsumenten ist laut einer Studie "leicht beeinflussbar". Durch Interventionen lässt sich der Aufmerksamkeits-Fokus bei Einkäufern erweitern - die dann ungeplant ihre Einkäufe verdoppeln.

Wer den Blick gerne schweifen lässt, läuft Gefahr, im Supermarkt viel mehr zu kaufen, als er eigentlich vorhatte – das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Dass nämlich die individuelle Aufmerksamkeit beim Einkauf eine bedeutende Rolle spielt, weist der Innsbrucker Konsumforscher Mathias Streicher gemeinsam mit Kollegen nun erstmals eindeutig nach.

Aufmerksamkeit von Konsumenten leicht beeinflussbar

Die Aufmerksamkeit von Konsumenten ist leicht zu beeinflussen. Das zeigen die Experimente von Forschern der Universität Innsbruck, deren Ergebnisse im "Journal of Consumer Research" veröffentlicht wurden. Durch einfache Interventionen konnte der Fokus der Aufmerksamkeit von Einkäufern erweitert und damit ungeplante Einkäufe verdoppelt werden. "Umherschauen ist das erste Einfallstor zu ungeplanten Kaufentscheidungen", erklärte Mathias Streicher vom Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck gegenüber der APA. Im Video erläutert er seine Erkenntnisse.

Erster Schritt zum Kauf ist die Wahrnehmung des Produkts

Der erste Schritt zu einer Kaufentscheidung ist die Wahrnehmung eines Produkts. Daher versuchen Händler ihre Kunden so zu lenken, dass diese möglichst viele ihrer Produkte sehen. "Die Einzelhändler haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Verkaufsstrategien entwickelt, die auf die visuelle Aufmerksamkeit der Kundinnen und Kunden abzielen", so Studienautor Streicher in einer Aussendung.

"Entdeckungsreise" wird mit Rabatten verlängert

Als Beispiel nennt er etwa den Umstand, dass das Milchregal tendenziell im hinteren Bereich eines Supermarkts zu finden ist. Dadurch müssen die Kunden für Produkte des täglichen Bedarfs tief in das Ladeninnere vordringen und sehen auf dem Weg dorthin auch andere Produkte. Auch mit Rabattaktionen lassen sich Kunden gezielt in üblicherweise schwach frequentierte Geschäftszonen locken. "Auf diese Weise verlängert sich die Entdeckungsreise durch den Laden und die Wahrscheinlichkeit wird größer, sich in Anbetracht des Angebots an ein vergessenes Bedürfnis zu erinnern oder ein neues Produkt zu entdecken", so Streicher.

Aufmerksamkeit lässt sich unbewusst erweitern und einengen

Wie viel vom Warensortiment ein Konsument wahrnimmt, hänge stark von seiner Aufmerksamkeit einer Person ab, betonte der Wissenschafter, der dies mit Kollegen aus Großbritannien und Deutschland in Labor- und Feldstudien in Supermärkten untersucht hat. Sie konnten dabei zeigen, dass sich Aufmerksamkeitsmuster durch einfache Maßnahmen im Geschäft unbewusst erweitern oder auch einengen lassen. Eingesetzt wurden dabei Bildschirme, wie sie mittlerweile als Werbeträger in Geschäften vielfach Verwendung finden.

Fokus mit Bildschirmen erweitert: Versuchspersonen kauften mehr Süßigkeiten

So konnten die Forscher bei Kunden eines Markts am Innsbrucker Unicampus zunächst die Breite der Aufmerksamkeit mithilfe der Bildschirme manipulieren. Dabei wurden für einen breiten Fokus verschiedene neutrale Bilder, also etwa ein Haus, ein Baum, etc., zufällig und nacheinander am linken oder rechten Bildschirmrand gezeigt, während für einen engen Fokus die gleichen Bilder immer nur in der Mitte auftauchten. Danach wurden die Versuchspersonen mit Eyetrackern ausgestattet, mit denen sich die Blickrichtung erfassen lässt. Vor einem Süßwarenregal sollten sie dann Produkte auswählen. Jene Personen, denen zuvor Bilder am Rand des Monitors präsentiert wurden, sahen sich im Geschäft deutlich mehr Bereiche des Süßwarenregal an als die Vergleichsgruppe, der die gleichen Bilder immer in der Bildschirmmitte präsentiert wurden.

2. Studie mit Schrittzählern: Mehr Wegstrecke nach Produktbildern

In einer zweiten Studie in einem Tiroler Supermarkt statteten die Forscher die Kunden mit Schrittzählern aus. Auch hier wurde ihnen vor dem Einkauf Bilder in gleicher Weise wie beim anderen Versuch am Display gezeigt, diesmal handelte es sich aber um Produkte. Während jene Kunden, deren Aufmerksamkeit eng fokussiert war, durchschnittlich rund 240 Meter im Geschäft zurücklegten, dort zehn Minuten verweilten und 15 Euro ausgaben, kamen Kunden mit breiter Aufmerksamkeit auf durchschnittlich über 300 Meter Wegstrecke, 16 Minuten Verweildauer und Ausgaben von 27 Euro. Bei der Gruppe mit breiten Fokus verdoppelte sich der Anteil der ungeplanten Einkäufe im Einkaufswagen gegenüber ihren Einkaufsplänen, die vor Betreten des Supermarkts abgefragt wurden.

So können Sie ungeplante Einkäufe reduzieren

Für Streicher lassen sich aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für Menschen ableiten, die ihr Einkaufsverhalten besser kontrollieren möchten. "Unsere Forschung zeigt, dass ungeplante Einkäufe schon auf der Ebene der visuellen Aufmerksamkeit beginnen. Um ungeplante Einkäufe zu reduzieren, sollten daher umherschweifende Blicke in Einkaufssituationen besser vermieden werden - am besten mit Unterstützung einer Einkaufsliste."

(APA)

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