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Niedrigere Dunkelziffer als "Zeichen der Entspannung"

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Höchstens 11.000 Covid-19-Infizierte zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern hat es Ende April in Österreich gegeben.

So das Ergebnis der zweiten Stichprobenuntersuchung, die am Montag vorgestellt wurde. Bei der ersten Studie für Anfang April gab es einen Maximalwert von rund 60.000 Infizierten. Indes haben die Österreicher mehr Angst vor Finanzproblemen wegen Corona als vor einer Infektion.

Warnung vor zweiter Welle

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sah in den neuen Daten ein Zeichen der Entspannung und einen "deutlichen Rückgang" gegenüber der vorherigen Studie. Faßmann warnte aber auch vor der Gefahr einer zweiten Erkrankungswelle. Ob sich die nun gelockerten Maßnahmen zur sozialen Distanzierung wieder in steigenden Fallzahlen niederschlagen, lasse sich vermutlich erst in rund drei Wochen genauer sagen.

Aktuelle Entwicklungen, wie etwa leicht steigende Infizierten-Zahlen in Wien, müsse man genau beobachten, so die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der Medizinischen Universität (MedUni) Wien.

Was die angesprochenen Zahlen für Wien betrifft, so ergaben die Testungen im "Haus Erdberg", einer Betreuungsunterkunft für Asylwerber in Wien-Landstraße, bei insgesamt 26 Personen - vier davon Betreuer - einen Nachweis des Coronavirus. Das Quartier kann in zwei Wochen wieder bezogen werden, bis dahin müssen die Bewohner in Quarantäne bleiben.

Nur noch 1.700 aktiv Erkrankte in Österreich

Mit 1.705 (Stand: 9.30 Uhr) aktiv am Coronavirus erkrankten Personen ging die positive Entwicklung in Österreich aber auch am Montag weiter: Am vergangenen Wochenbeginn waren es noch 2.363 Menschen, die an Covid-19 gelitten haben.

Laut den Zahlen aus dem Innenministerium waren am heutigen Montag 420 der Erkrankten hospitalisiert, 111 davon mussten auf einer Intensivstation behandelt werden. Österreichweit waren es am Montag 600 Personen, die mit einer Erkrankung an Covid-19 verstorben sind.

Die Angst an Covid-19 zu erkranken ist bei den Österreichern nicht sehr stark ausgeprägt: Nur sieben Prozent befürchten, sich zu infizieren, und sechs Prozent, jemanden in der Familie aufgrund einer Covid-19-Erkrankung zu verlieren. Das ergab eine zusätzliche Befragung im Rahmen der Stichprobenuntersuchung, bei der die Teilnehmer auch über ihr Befinden, ihre Ängste und Einstellungen befragt wurden. Dabei zeigte sich, dass zehn Prozent Angst vor finanziellen Problemen haben.

Kontroverse um Fitnessclubs

Wegen derartiger Sorgen kam es auch zu einer Kontroverse bezüglich eines Fitnessclubs in Amstetten in Niederösterreich, wobei dessen Besitzer am Montag entgegen anderslautender Ankündigung die Tore zu seiner Einrichtung in der Bezirksstadt dann doch nicht wie angekündigt geöffnet hat.

Wann Fitnessstudios aufsperren können sei letztlich eine gesundheitspolitische Frage, sagte Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne). Ursprünglich habe man gedacht, dass das erst im Sommer oder Herbst möglich sein werde, aber "wir denken jetzt daran, dass das in dieser Welle am 29. Mai schon geschehen kann". Klar sei, dass mindestens zwei Meter Abstand eingehalten werden müsse.

Pharmakonzern lässt aufhorchen

International ließ der Schweizer Pharmakonzern Roche aufhorchen, der seinen Test zum Nachweis von Coronavirus-Antikörpern noch in diesem Monat an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausliefern will. In Österreich steht ein Einsatz derartiger Tests indes noch nicht fest. "Es kommen in den nächsten Wochen mehrere qualitativ hochwertige ELISAs (=labormaschinenbasierte Antikörpertests) auf den Markt. Wie diese einzusetzen sind, wird derzeit geprüft", hieß es seitens des Gesundheitsministeriums zur APA - Austria Presse Agentur.

Spendenaufruf für Impfstoff

Neues gab es Montag bezüglich eines Impfstoffs gegen das Virus: Die EU-Kommission startete am Montag ihren weltweiten Spendenaufruf: 7,5 Milliarden Euro sollen bei der heutigen Online-Geberkonferenz zusammenkommen. Das sei aber erst der Anfang, denn man werde noch wesentlich mehr finanzielle Mittel brauchen, wenn es nach der Forschung dann um die weltweite Produktion und die Versorgung mit dem Impfstoff gehe, sagte der EU-Kommissionsvertreter in Österreich, Martin Selmayr. Es gehe nicht darum, wo dieser zuerst entwickelt wird, sondern dass er sobald wie möglich verfügbar sei.

3,5 Millionen Infiziert weltweit

Weltweit sind nach Reuters-Berechnungen mehr als 3,5 Millionen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. An Covid-19 sind demnach fast eine Viertelmillion Menschen gestorben. Der Anstieg der Todesfälle und der Neuinfektionen hat sich nach den Höchstständen im April verlangsamt, wie aus den Daten hervorgeht. Die meisten Fälle treten in Nordamerika und Europa auf. In Lateinamerika, Afrika und Russland steigen die Zahlen. Weltweit gab es binnen 24 Stunden 84.004 neue Fälle. Die Berechnung basiert auf Regierungsdaten.

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Höhepunkt in England noch nicht erreich

Großbritannien steht nach Einschätzung der zuständigen EU-Behörde in der Pandemie das Schlimmste noch bevor. Das Land gehöre zu fünf EU-Staaten, in denen der Höhepunkt noch nicht erreicht wurde, sagt Andrea Ammon, Chefin des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Am Montag stieg die Zahl der bekannten Coronavirus-Fälle auf fast 190.000, fast 28.500 Menschen starben. Nur in Italien forderte die Pandemie mehr Todesopfer.

Italien lockert Ausgangssperre

In Italien hat am Montag die "Phase 2" mit einer Lockerung der seit zwei Monaten geltenden strengen Ausgangssperre begonnen. Damit unternimmt Italien einen wichtigen Schritt zurück in die Normalität. Im Land kommt es zu ein wenig mehr Bewegungsfreiheit, doch die Ausgangsregeln sind teilweise unklar und sorgen für Verwirrung. Befürchtete chaotische Zustände vor allem im Nahverkehr blieben aus.

Spaniens Ausstieg aus dem "Lockdowen"

In Spanien hat die erste von insgesamt vier Phasen zum Ausstieg aus dem strikten "Lockdown" begonnen. Zunächst durften kleine Läden wie Friseurgeschäfte wieder öffnen, allerdings nur auf Terminbasis. Sport im Freien und Spaziergänge dürfen die knapp 47 Mio. Spanier seit dem Wochenende zu bestimmten Uhrzeiten wieder machen. Größere Lockerungen gab es indes auf den kaum von dem Virus betroffenen Kanaren-Inseln El Hierro, La Graciosa und La Gomera sowie auf der Baleareninsel Formentera.

(APA)

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