Dowas verzeichnet Rekordzahlen in der Armutsberatung

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Bregenz - Der Verein dowas (Der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) merkt nichts von einer Entspannung der Armutssituation in Vorarlberg. Vielmehr steigt die Zahl der Klienten an, vor allem unter den Frauen.
Michael Diettrich blickt auf 2013

Insgesamt 971 Personen wurden 2013 vom Verein dowas betreut. Dies bedeutet einen Anstieg von ganzen 19 Prozent zum Vorjahr. Davon beziehen 800 Personen Leistungen im Rahmen der Mindestsicherung, 11 Prozent mehr als 2012 – und 78 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Am stärksten ist der Zuwachs jedoch bei den Frauen. Bei Beziehern von Mindestsicherung war der Anstieg mit 16 Prozent doppelt so hoch als jener der Männer, insgesamt sind 41 Prozent der Klienten weiblich.

Immer mehr Frauen in der Beratung

Für Geschäftsführer Michael Diettrich schlägt sich hier der Vorarlberger Armutsbericht nieder. Schließlich sind Alleinerziehende und Mehrkinderfamilien besonders armutsgefährdet. Unter diesen Eindrücken sieht er das “Gejammer über steigende Sozialausgaben” als scheinheilig.

“Wir im Sozialbereich räumen den Müll weg”

“Wer eine Wirtschaftspolitik betreibt, die ausschließlich die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Gewinnmaximierung im Blick hat”, dürfe sich nicht über die sozialen Folgen dieser Politik beklagen. “Wir im Sozialbereich räumen ja immer nur den – sagen wir es einmal hart – Müll weg”, fasst er das Ergebnis dieser Politik zusammen.

Mindestsicherung keine “Komfortzone”

Die Mindestsicherung mache insgesamt nur ein Prozent der Sozialausgaben aus. Natürlich gebe es auch Betrug, doch gehöre die Mindestsicherung zu den am stärksten kontrollierten Sozialausgaben Österreichs. Von einer Komfortzone oder Luxusangebot Mindestsicherung könne hierbei auch nicht die Rede sein. “Versuchen Sie einmal, von 612 Euro ohne Miete zu leben, dass ist keine Komfortzone”, betont Diettrich. Statt einer Arbeitspflicht brauche es eine Qualifikationsverpflichtung, es gäbe einfach die Arbeitstellen für die Suchenden nicht.

Notschlafstelle:  Hälfte ohne Aufenthaltsrecht

Hinzu kommt die Betreuung der anerkannten Flüchtlinge und in der Notschlafstelle. Nach Österreichern stellen Tschetschenen (8,4 Prozent), Türken (6,1 Prozent) und Deutsche (6,0 Prozent) die größten Beratungsgruppen. Unter den straffällig gewordenen Ausländern stellen die Deutschen inzwischen die größte Gruppe. In der Notschlafstelle waren 2013 61 Prozent der 222 Klienten keine österreichische Staatsbürger, 49 Prozent hätten nicht einmal ein Aufenthaltsrecht. Diese haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen und können daher nur für vier Tage in der Notschlafstelle bleiben. “Danach müssen wir sie wieder auf die Straße setzen, was im Winter für uns moralisch oft ein Problem ist”, erklärt Diettrich.

Scheinheilige Diskussion

Scheinheilig wäre daher auch die Diskussion um die Armutswanderung. Man habe in Österreich stark von der EU und der Osterweiterung profitiert. Rumänische Fachkräfte seien nicht zuletzt im Pflegebereich willkommen. Dass ihnen auch eine kleine Gruppe von Armen in die Wohlstandsländer folge, sei nachvollziehbar. Österreich selbst verdiene an der Zuwanderung mehr als dass sie koste, dies sei beweisbar. Vorarlberg habe 2013 nicht viel mehr als 40.000 Euro für Menschen ohne Daueraufenthaltsrecht aufgewendet. “Das sollten wir uns leisten können.”

Bettlerbanden dank restriktiver Politik

Eine Lösung sieht er aber auf kurze Zeit nicht. Diese müsse in den Herkunftsländern der Zuwanderer gefunden werden. Die EU müsse sich auf verbindliche Sozialstandards in den Mitgliedsländern einigen. Von einer strengen und restriktiven Sozialpolitik hält er wenig. Je mehr man sie ihrem Schicksal überlässt, desto eher werden sie sich selbst helfen müssen – und so die organisierten Bettlerbanden schaffen, die man bereits jetzt überall vermute.

 

 

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