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Die "Mohren" verschwinden

Immer mehr "Mohren" verschwinden aus dem Alltag.
Immer mehr "Mohren" verschwinden aus dem Alltag. ©AFP
Die Wiener Mohren-Apotheke hat bereits angekündigt, ihren Namen zu ändern, in der Schweiz wurden Mohrenköpfe verbannt. In Berlin wird die U-Bahn-Station Mohrenstraße umbenannt. Nun wird auch an der Wiener Mohrengasse Kritik geübt.
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Im Alltag begegnet man immer wieder belasteten Begriffen aus der Kolonialzeit - nicht selten zum Beispiel Apotheken mit dem Wort "Mohr" im Namen. In Frankfurt am Main entfernte eine Apotheke bereits 2018 ihr Logo, das eine schwarze Frau mit Turban und großen Ohrringen zeigte. Genauso jüngst in Wien: Eine Pharmazeutin verdeckte das diskriminierende Bild eines Schwarzen im Schaufenster ihrer "Mohren-Apotheke", eine Änderung des Namens soll folgen.

Berlin benennt U-Bahn-Station um

In Berlin wird nach Rassismus-Vorwürfen nun der U-Bahnhof Mohrenstraße umbenannt. "Als weltoffenes Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt lehnt die BVG jegliche Form von Rassismus oder sonstiger Diskriminierung ab", so eine Mitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe. Künftig soll die U-Bahn-Station Glinkastraße heißen, abgeleitet von der nahegelegenen Glinkastraße, die nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) benannt ist.

Diskussionen auch in Wien

Wie bereits berichtet, wird sich die Wiener Mohren-Apotheke umbenennen. Die Mohren-Apotheke in Graz behält ihren Namen, der Besitzer verweist auf mauretanische Heilkunst und spricht von einer nicht fundierten Diskussion. Nächster Kritikpunkt: Die Wiener Mohrengasse. Gefordert werde eine Umbenennung zweier Gassen in Wien-Leopoldstadt, die Große und Kleine Mohrengasse. Der Bezirk will zunächst eine Info-Zusatztafel anbringen, die Stadt Wien wolle sich mit Historikern beraten.

Schweiz verbannt Mohrenköpfe

Bereits Anfang Juni nahm die Schweizer Warenhauskette Manor im Zuge der Rassismusdebatte die "Mohrenköpfe" aus dem Sortiment. Dabei handelt es um eine Süßigkeit aus Schaumzucker mit Waffel und Schokoladenüberzug, oft auch "Schokokuss" genannt. Dazu habe man sich wegen der aktuellen Diskussion entschlossen. Der Begriff "Mohr" sei verfänglich und negativ konnotiert, so das Unternehmen. Migros hatte die "Mohrenköpfe" eines anderen Herstellers bereits aus den Regalen genommen.

Diskussion geht auch in Vorarlberg weiter

Mit Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen hat auch immer wieder die Vorarlberger Mohrenbrauerei. Das Unternehmen wehrte sich immer vehement gegen jeden Rassismus-Vorwurf: "Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab", heißt es etwa in einem Posting auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Der Name Mohren gehe auf Josef Mohr zurück, der 1784 das Gasthaus "Zum Mohren" samt Brauerei gründete, ebenso das Logo, das über das Mohr-Familienwappen auf Darstellungen des heiligen Mauritius basiere. Rassismus habe dabei nie eine Rolle gespielt.

Mohrenbrauerei prüft Weiterentwicklung des Logos

In den kommenden Monaten wird die Brauerei eine mögliche Weiterentwicklung ihres Markenauftritts prüfen. Der Entscheidung war eine hitzige öffentliche Diskussion über das Logo der Brauerei vorangegangen, das Kritiker als rassistisch sehen. "Die Art der Diskussion hat uns sehr betroffen gemacht", teilte die Brauerei in einem offenen Brief mit. Sowohl Kritiker als auch Befürworter des Logos hätten Äußerungen gemacht, "die unseren Werten zutiefst widersprechen": "Weder lassen wir uns Rassismus unterstellen, noch lassen wir uns von Menschen mit ausländerfeindlicher Haltung vereinnahmen", so das Unternehmen.

Nachdem das Unternehmen bisher erklärt hatte, die Marke in ihrer bisherigen Darstellung beibehalten zu wollen, habe sich die Brauerei nun entschieden, "die Situation neu zu bewerten". Man wolle in den kommenden Monaten gemeinsam mit unabhängigen Experten aus verschiedenen Bereichen "in Ruhe prüfen, ob und wie wir unseren Markenauftritt im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterentwickeln". Das Ergebnis des Prozesses sei offen.

(APA/VOL.AT)

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