Offener Brief: Mohren will sich mit Logo auseinandersetzen

Mohrenbrauerei-Eigentümer Heinz Huber
Mohrenbrauerei-Eigentümer Heinz Huber ©VOL.AT/Rauch
Die Mohrenbrauerei wird in den kommenden Monaten eine mögliche Weiterentwicklung ihres Markenauftritts prüfen.

Das kündigte das Dornbirner Traditionsunternehmen am Mittwoch in einem offenen Brief an. Der Entscheidung war in den vergangenen Tagen eine hitzige öffentliche Diskussion über das Logo der Brauerei vorangegangen, das Kritiker als rassistisch sehen.

Im Zuge der Rassismus-Debatte war jüngst auch die - nicht zum ersten Mal geführte - Diskussion um das Mohrenbräu-Logo erneut aufgeflammt. "Die Art der Diskussion hat uns sehr betroffen gemacht", teilte die Brauerei in dem offenen Brief mit. Sowohl Kritiker als auch Befürworter des Logos hätten Äußerungen gemacht, "die unseren Werten zutiefst widersprechen": "Weder lassen wir uns Rassismus unterstellen, noch lassen wir uns von Menschen mit ausländerfeindlicher Haltung vereinnahmen", so das Unternehmen.

Nachdem das Unternehmen bisher erklärt hatte, die Marke in ihrer bisherigen Darstellung beibehalten zu wollen, habe sich die Brauerei nun entschieden, "die Situation neu zu bewerten". Man wolle in den kommenden Monaten gemeinsam mit unabhängigen Experten aus verschiedenen Bereichen "in Ruhe prüfen, ob und wie wir unseren Markenauftritt im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterentwickeln". Das Ergebnis des Prozesses sei offen.

Kritik am Mohren-Logo

Die Brauerei wehrte sich immer vehement gegen jeden Rassismus-Vorwurf: "Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab", heißt es etwa in einem aktuellen Posting auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Der Name Mohren gehe auf Josef Mohr zurück, der 1784 das Gasthaus "Zum Mohren" samt Brauerei gründete, ebenso das Logo, das über das Mohr-Familienwappen auf Darstellungen des heiligen Mauritius basiere. Rassismus habe dabei nie eine Rolle gespielt.

Der offene Brief im Wortlaut:

"Liebe Freundinnen und Freunde, Kundinnen und Kunden, liebe Kritikerinnen und Kritiker unseres Markenauftritts,

in den vergangenen Tagen ist die Debatte um unseren Markenauftritt mit großer Heftigkeit neu ausgebrochen. Die Art der Diskussion hat uns und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr betroffen gemacht.

Sowohl von manchen Kritikern unseres Logos als auch von einigen Befürwortern sind Äußerungen getätigt worden, die unseren Werten zutiefst widersprechen. Weder lassen wir uns Rassismus unterstellen, noch lassen wir uns von Menschen mit ausländerfeindlicher Haltung vereinnahmen.

Wir stehen für Toleranz. Wir brauen unser Bier für Menschen aller Kulturen, die in Vorarlberg leben. Wenn sich Menschen auf ein Bier zusammensetzen, entsteht Verständnis füreinander und Respekt. Das gesellige Miteinander verbindet. Das war in der Diskussion der vergangenen Tage nicht der Fall.

Wir haben uns deshalb entschieden, die Situation neu zu bewerten. Gemeinsam mit unabhängigen Expertinnen und Experten aus ganz verschiedenen Bereichen werden wir in den nächsten Monaten in Ruhe prüfen, ob und wie wir unseren Markenauftritt im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterentwickeln. Das Ergebnis dieses Prozesses ist offen.

Als älteste Brauerei Vorarlbergs sind wir stolz auf unsere fast 200-jährige Geschichte. Tradition und Innovation sind die Basis unserer Unternehmenskultur. Aus diesem Bewusstsein heraus gestalten wir diesen Prozess, der uns in eine gute Zukunft führen wird. Wir handeln aus Verantwortung für das Unternehmen, unsere 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien, für unsere Lieferanten und Kunden.

Wenn sich die Menschen bei einem Mohren zusammensetzen, sollen Geselligkeit, Freude und Verständnis füreinander entstehen. Dann haben wir als Bierbrauer unser Ziel erreicht.

Wir sind Mohren. Wir bleiben uns und unseren Werten treu, versprochen!

Familie Huber und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mohrenbrauerei"

(APa/red)

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