VN-Interview mit Prof.Dr. Gebhard Köb Obmann der Vorarlberger Amateur Astronomen

Die Beobachtung astronomischer Ereignisse lässt dem Beobachtenden die Freiheit der Phantasie.
Die Beobachtung astronomischer Ereignisse lässt dem Beobachtenden die Freiheit der Phantasie. ©Bernhard Tost

Reise in die Unendlichkeit

Dornbirn. Kann es wohl etwas Schöneres, etwas Erhabeneres und Poetischeres geben, als jenen fernen Welten, die in den Tiefen der Unendlichkeit schweben, nachzuspüren, den Blick auf die stille starre Gebirgswelt des Mondes zu richten, mit ihren ragenden Felszinnen, ihren tiefen Schluchten, über die die Sonnenstrahlen hinwegzittern? Die Planeten, umkreist von ihren Monden im Teleskop schweben zu sehen und von der Erde mit den Gedanken hinauszuschweifen in die Sternräume, wo sich die Sonnen wie Diamantsplitter zu Tausenden zusammendrängen zu einer nebelhaften Wolke von Weltsystemen, in Entfernungen, die der Strahl des Lichts in Jahrtausenden kaum durchmessen mag. Für den Obmann der Vorarlberger Amateur Astronomen Prof. Dr. Gebhard Köb gibt es nichts beeindruckenderes als ein “Spaziergang” am Sternenhimmel, wie er im VN-Heimat-Interview schildert.

Was macht für Sie die Faszination der Astronomie aus?

Prof. Dr. Köb: Es ist die Zuverlässigkeit mit der die Bewegungen der Gestirne ablaufen. Zu wissen, dass Sonne, Mond, Planeten und Sterne nahezu unverändert immer wiederkehren ist ein beruhigendes Gefühl. Die Harmonie, die vom gestirnten Himmel auszugehen scheint und geradezu wohltuend wirkt. Sicher ist es auch der Reiz des Unbekannten. Sind doch die am schwarzen Firmament funkelnden Sterne unermesslich weit entfernte Sonnen, von denen viele sicher, wie unsere Sonne, von Planeten umkreist werden. Es mag auch Abenteuerlust sein, mit dem Teleskop ferne unbekannte Welten zu erforschen und die vom Menschen unberührte Schönheit des Weltraums zu betrachten. Die Welt der Sterne weckt nicht nur die Neugier, sie lädt auch ein zum Träumen.

Was sind die reizvollsten Konstellationen am Sternhimmel im Jahr 2011?

Prof. Dr. Köb: Die beiden Planeten Jupiter und Merkur geben im März ein kleines aber tolles Gastspiel am westlichen Horizont. Jupiter, der in den letzten Monaten den Abendhimmel als hell leuchtender Planet dominiert hat, gibt dabei seine Abschiedsvorstellung. Zu Beginn des März geht der Jupiter kurz vor 20:30 Uhr unter, am 20. März bereits um 19:30 Uhr. Ab dem 21. März wird man vergeblich nach dem Jupiter am Nachthimmel suchen. Ab Mitte März wird der sonnennächste Planet, der Merkur, sehr gut am Sternenhimmel zu sehen sein. Merkur zeigt sich alljährlich nur wenige Tage am nächtlichen Himmel. Entweder in der Morgendämmerung knapp über dem Osthorizont oder in der Abenddämmerung tief am Westhimmel stehend. Während mit der Venus unserer innerer Nachbarplanet im Sonnensystem immer unauffälliger sichtbar wird, ist die schmale Sichel des abnehmenden Mondes am 31. März bestens zu beobachten. Der Saturn kann über die gesamten Nachtstunden hindurch deutlich gesichtet werden.

Welche Sternbilder zeigen sich derzeit am Nachthimmel?

Prof. Dr. Köb: Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Diese Tatsache spiegelt sich auch am nächtlichen Firmament wieder. Gegen 22:00 Uhr haben sich alle Wintersternbilder weit in Richtung Westhorizont verschoben und bereiten sich auf ihren Untergang vor. Allein das Sternbild Orion sowie der bläulich – weisse Stern Sirius ziehen in dieser Region noch die Blicke des Beobachters auf sich. Hoch im Südosten zeigt sich das Sternbild Löwe mit dem Hauptstern Regulus. Immer früher steigt der Bärenhüter mit dem hellen Stern Arktus empor, und bald danach folgt die Jungfrau mit dem Hauptstern Spica und dem Planetengast Saturn. Damit rückt eine weitere große geometrische Jahreszeitenfigur an den Himmel: Regulus, Arktus und Spica bilden das Frühlingsdreieck. Dieses beherrscht praktisch die ganze Nacht über den Himmel, erst kurz vor Tagesanbruch erreicht zuerst der Löwe im Westen den Horizont.

Welche Himmelsobjekte sind für einen Hobby-Astronomen am interessantesten zu beobachten?

Prof. Dr. Köb: Jupiter zählt zu den interessantesten Planeten für Amateurastronomen. Gewöhnlich ist er nach Venus der hellste Planet und so groß, dass man ihn schon durch das Fernglas als abgerundete Scheibe sieht. Ein kleines Teleskop zeigt die auffälligsten Wolkenbänder, das dunkle nördliche und das südliche Äquatorialband, die zu beiden Seiten der hellen Äquatorialzone liegen. Mit dem bloßen Auge wirkt Saturn wie ein heller, gelblicher Stern. Im Fernglas sieht man gerade eben ein kleines Scheibchen, das durch die Ringe etwas länglich erscheint. Mit einem kleinen Teleskop sind die Ringe, die mehr als zweimal so groß sind wie der Planet selbst, klar erkennbar. Auch das Geschehen auf der Sonne bietet jede Menge interessante Facetten der Beobachtung: Sonnenflecken, Protuberanzen oder Helligkeitsausbrüche sogenannte Flares.

Was waren bislang besonders tolle Momente, die Ihnen die Astronomie beschert hat und welche Ziele haben Sie und der Verein der Vorarlberger Amateur Astronomen?

Prof. Dr. Köb: Für mich ist die Beschäftigung mit der Astronomie eines der schönsten Hobbys. Nichts ist schöner als das Staunen zu erleben, wenn jemand das erste Mal in seinem Leben durchs Teleskop einen Blick auf den Mond und die Planeten wirft und so “das Universum live erlebt”. Mein Ziel und das des Vereins der Vorarlberger Amateur Astronomen ist es, möglichst vielen Menschen dieses fantastische Weltall näher zu bringen und damit einen Beitrag zu leisten, insbesondere Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften allgemein und Astronomie im Speziellen zu interessieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt zum Obmann der VAA Prof. Dr. Gebhard Köb
Kreuzgasse 8
6850 Dornbirn
Tel.: 0699 / 10637086

 

 

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