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Vaterkarenzen immer noch gering

Feldkirch – Das Thema der Vater­ka­renzen in Vorarlberg ist immer noch ein Thema der Frauen. Im Österreichvergleich ist unser Ländle Schlusslicht, was sich hoffentlich bald durch neue Strukturen im Kinderbetreuungsgeld positiv verändern wird. Auf der Suche nach Vätern die bereits in Elternteilzeit gegangen sind, hat VOL Live mit Ifs Jurist Dr. Herbert Spiess und dessen Sohn gesprochen.
Vaterkarenzen in Vorarlberg
Interview mit Dr. Herbert Spiess
Kinder profitieren davon

Es gibt sie leider immer noch viel zu selten: Väter die die Vaterkarenz beanspruchen. Einer der Pioniere in Vorarlberg war der Ifs Jurist Dr. Herbert Spiess, der sich die Elternteilzeit mit seiner Frau schon vor 19 Jahren aufgeteilt hat. „Zu Beginn war es einfach nur chaotisch. Jedoch habe ich dann selbst erfahren, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man sich der neuen Situation angepasst hat“, schildert der Jurist heute. „Ich finde es wichtig, dass Väter diese Möglichkeit haben und auch nutzen. Ich bereue es nicht, die Entwicklungen meines Sohnes so nahe erlebt zu haben“, sagt Spiess. Der nun 19-jährige Sohn konnte einige positive Einflüsse durch den engeren Kontakt zu seinem Vater mitnehmen. „Trotzdem ist für mich meine Mutter immer noch die engere Beziehungsperson“, meint Theo im Interview mit VOL Live. „Jedoch kann ich schon seit früher Kindheit kochen“, leitet er sein Talent her. In wie weit sich Kinder durch die Vaterkarenzen anders entwickeln, ist noch nicht klar. Dass es sich jedoch positiv auswirkt, wenn beide Eltern den Bezug zu ihren Kindern bereits in den ersten Lebensmonaten aufbauen, scheint noch zu wenig Anlass für viele Männer zu sein, um die Karenz zu beanspruchen.

Neue Strukturen im Kinderbetreuungsgeld

Es gibt seit 2010 nun zusätzlich die Möglichkeit das Kinderbetreuungsgeld als Pauschalvariante oder als Einkommensabhängige Variante zu beanspruchen. Die fünf unterschiedlichen Möglichkeiten bieten genug Anreiz sich für ein Kind zu entscheiden. Im besonderen können nun auch gut verdienende Frauen und Männer von weniger Verdienstentfall profitieren. In Zahlen heißt das, bis Anfang August haben 201 Personen, davon 193 Frauen und 8 Männer, das Einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld bezogen. Besonders für Männer ist dies das schlagende Argument. Auch können sie damit wieder schneller in ihren Beruf zurück. Dass es im Österreichvergleich nun lediglich 1,5 % der Männer sind, die in Vorarlberg in Karenz gehen beziehungsweise Kinderbetreuungsgeld in einem aufrechten Dienstverhältnis beanspruchen (bmwfj, Statistik Juli 2010), liegt auch an der Tatsache, dass es dieses Modell erst seit 2010 gibt. Die wirklich interessanten Veränderungen können sich erst nach dem Ablauf des aktuellen Kalenderjahres ergeben. Immerhin hat Vorarlberg im Vergleich zum Jahr 2007 um 0,1 % zugelegt. Es gilt abzuwarten, in wie weit sich das neue Kinderbetreuungsgeld auch bei den Vätern durchsetzt.

Manche Problematiken bleiben

Zum Thema der Rollenverteilung scheint es jedoch immer noch Hemmschwellen zu geben. Die Gründe dafür scheinen vielfältig zu sein. Jedoch muss auch gesagt werden, wenn Männern nach mehreren Jahrhunderten der “Ernährer-Rolle” nun die des Kindererziehers zufällt, bedarf es natürlich auch einiger „Umstellungen“ gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Natur. Auch die bessere Ausarbeitung von Kinderbetreuungsstätten für Paare, die wieder in den Beruf einsteigen wollen, ist immer noch ein Thema, das es auf politischer Ebene zu lösen gilt. Laut dem Frauensituationsbericht 2010 fordern lediglich ein Viertel der befragten Eltern mehr Betreuungsgeld, wo hingegen mehr als die Hälfte ihr Kind während der Arbeit auch in guten Händen wissen möchte. Und in diesem Punkt sind sich Männer und Frauen völlig einig.

Vaterkarenz: Interview mit Dr. Herbert Spiess

 

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