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Stephan Schulmeister zu aktuellen Krisen

Götzis - Sind die von den USA ausgegangene Hypothekarkreditkrise, die Vervielfachung des Ölpreises innert weniger Jahre und die Verdreifachung bestimmter Lebensmittelpreise in noch viel kürzerer Zeit völlig eigenständig stattfindende Phänomene?

Oder basieren sie doch auf gemeinsamen Ursachen? „Eindeutig Letzteres“, konstatierte am Freitag Abend anlässlich der „Werkstattgespräche“ im Vorarlberger Wirtschaftspark in Götzis Dr. Stephan Schulmeister, seines Zeichens Finanzmarktexperte im WIFO in Wien.

Schulmeister, auch Proponent des Sozialstaat-Volksbegehrens, im vorab geführten Gespräch dazu: „Die gemeinsame Ursache ist die immer flächendeckender gelebte Haltung, möglichst schnell möglichst viel Kasse zu machen, indem man sein Geld arbeiten lässt. In nie da gewesener Dimension wird rund um den Globus veranlagt und spekuliert, und zwar längst nicht mehr nur in Aktien oder anderen Finanzprodukten, sondern immer öfter auch z.B in Öl-, Getreide- oder Kaffeeterminmärkten – also immer näher an der Realwirtschaft. Dabei kann es sich aber nur um Nullsummenspiele handeln“, verwies Schulmeister auf Veranlagungsprofis, bei denen sich in der Regel die Gewinne, und auf die Spekulationsamateure, bei denen sich meist die Verluste türmen.

Galoppierende Preise machen freilich auch die zu Verlierern, die realwirtschaftlich bedingt z. B. Positionen absichern (hedgen), erst recht die, die realwirtschaftlich „auf der falschen Seite“ stehen. Schulmeister: „Wer mit Reis spekuliert, scheffelte damit zuletzt ein Vermögen; wer Reis essen muss, um zu überleben, verzweifelt, weil er ihn sich nicht leisten kann.“ Problem der Europäer sei, dass unsere Wirtschaftspolitik auf die Eskalation der Finanzmarktkrise ganz anders reagiert(e) als die US-Ökonomen. Während die Bush-Administration mit Zinsen und Steuern hinunterfuhr, um Nachfrage und Wirtschaftswachstum anzukurbeln, setzte Europa bisher keine Gegenimpulse – im Gegenteil, die EZB dachte/denkt sogar über Zinserhöhungen nach. Schulmeister: „2001 droht sich zu wiederholen – indem die USA die Rezession zügig durchtauchen und die Europäer die Suppe jahrelang auslöffeln.“

Ein wirksames Gegenrezept zu den Finanzmarktturbulenzen, so Schulmeister, fände Europa vor allem dann, wenn wir eine Antwort auf die Frage formulieren könnten, wie sich denn das „Wunder der ersten Hälfte der Nachkriegszeit“ hat ereignen können. „Über Jahrzehnte gab’s damals Vollbeschäftigung, zugleich erlebte der Sozialstaat seine Blüte und wurden sogar die Staatsschulden auf historischen Tiefstand geführt – wer benennen kann, wie uns das gelang, der hat wohl auch den Schlüssel zur Lösung der aktuellen Krise“, gab sich der prominente Finanzwissenschafter überzeugt. Und nannte spontan zwei Schienen, auf denen sich Erfolg einstellen könnte: Die Unterstützung und Stärkung unternehmerischen Handelns (z. B. über Zinssenkungen und steuerliche Anreize) einerseits, sowie die Besteuerung (EU-einheitlich) von Finanztransaktionen andererseits. „0,01 Prozent z. B. würden Durchschnittsanleger gar nicht spüren, sondern nur die ,Meister des schnellen Geldes’. Unterm Strich könnten daraus aber Einnahmen von 0,5 BIP-Prozent resultieren“, rechnete Schulmeister abschließend vor.

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