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Saufspiele und Speicheltausch - Wie Ischgl zur Corona-Drehscheibe wurde

Kitzloch
Kitzloch ©APA | Youtube | Telegraph
Das Tourismusland Tirol erleidet aktuell enorme Schäden. Hinzu kommen negative Schlagzeilen in den internationalen Medien. So berichtet beispielsweise der US-Sender CNN vom "Fall Ischgl".

Vor allem viele Skandinavier dürften sich bei einem Skiurlaub in Österreich angesteckt haben, ein guter Teil von ihnen wohl in Ischgl mit dem Hotspot, der Bar "Kitzloch". Für Dänemark und Norwegen ist Österreich ein Hauptquell-Land, zusammen mit Schweden gibt es schon tausende Fälle.

Dabei gab es schon früh konkrete Warnungen: Bereits am 5. März hatte Island das Skigebiet rund um Ischgl zur Risikozone erklärt. Bei einem Flug der Icelandair aus München waren demnach mehrere Covid-19-Fälle bei einer Reisegruppe aus dem Skigebiet aufgetreten.

Baarkeeper steckte Menschen an

Was den Hotspot Ischgl betrifft, wurde am Samstag, 8. März, bekannt, dass der Test eines Barkeepers im "Kitzloch" - ein 36-jähriger Deutscher mit norwegischem Namen - positiv ausfiel.

Nach Bekanntwerden erklärte die Landessanitätsdirektion Tirol freilich, eine Ansteckung von Gästen in der Bar sei "aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich". Zwei Tage später stellte sich allerdings heraus, dass der Barkeeper 15 Menschen in seinem engsten Umfeld angesteckt hatte. Zwar wurden dann schon die ersten Lokale in Ischgl geschlossen, aber erst am Freitag, 13. März, wurden der Ort und das Paznauntal zur Sperrzone erklärt. Wie viele - infizierte - Touristen bis dahin ungehindert in das restliche Europa ausreisen konnten, ist nicht bekannt.

Auch die britische Zeitschrift "The Sun" nahm Ischgl ins Visier

Erste Infektionen schon im Jänner?

Interessant sind auch die Schilderungen des Engländers Daren Bland aus East Sussex. Er könnte laut britschen Medien Patient null in Großbritannien gewesen sein. Besonders pikant ist, dass der 50-Jährige sich bereits Mitte Jänner in Ischgl angesteckt haben könnte, lange bevor die ersten Corona-Fälle in Österreich offiziell bekannt wurden. Auch Bland war Gast in der Bar „Kitzloch“ .

In Biergläser gespuckt

"Sie war gerammelt voll, die Leute sangen und tanzten auf den Tischen", berichtet der Engländer. "Die Leute waren heiß und verschwitzt vom Skifahren, und die Kellner haben zu Hunderten Shots an Tische gebracht. Es könnte kein besseres Zuhause für einen Virus geben."

Bland berichtet auch von Trinkspielen. Die Bar sei bekannt für "Beer-Pong" - ein Trinkspiel, bei dem Nachtschwärmer abwechselnd versuchen denselben Tischtennisball in ein Bierglas zu werfen. Manchmal werden die Bälle auch in den Mund genommen und gespuckt.

Die Aussagen des Briten könnten nun zeigen, dass das Coronavirus schon früher in Ischgl umgegangen ist. Bland steckte auch seine Frau und seine zwei Kinder an. Ob es sich allerdings tatsächlich um Covid-19 handelte, müsste ein Test belegen.

Ein Tourist aus Dänemark berichtet gegenüber den CNN, dass die Kitzloch-Barkeeper, darunter der 36-Jährige, der später positiv auf Coronavirus getestet wurde, mit Trillerpfeifen unterwegs waren, um die Leute dazu zu bringen, den Weg frei zu machen. Mehrere Gäste hätten zum Spaß in dieselbe Trillerpfeife geblasen. "Niemand wusste, dass er krank ist", sagte der Däne.

Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat inzwischen auch Ermittlungen zur Ausbreitung des Coronavirus im beliebten Wintersportort Ischgl aufgenommen. Wie die Behörde mitteilte, geht sie dem Verdacht nach, dass ein Gastronomiebetrieb Ende Februar einen positiven Test einer Mitarbeiterin nicht den Gesundheitsbehörden gemeldet habe. Das Land Tirol hatte der Staatsanwaltschaft eine Anfrage des ZDF mit dem entsprechenden Verdacht weitergeleitet. "Es ist unbekannt, um welchen Betrieb es sich dabei handeln soll und ob tatsächlich Meldepflichten verletzt wurden", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Daher werde nun ermittelt.

Das Land Tirol und die Tourismusbranche vor Ort waren in den vergangenen Tagen scharf kritisiert worden, weil der Skitourismus mit seinen Après-Ski-Partys die internationale Ausbreitung des Coronavirus verstärkt haben könnte. Vor allem Ischgl geriet diesbezüglich ins Visier. Dort war der Barkeeper einer Après-Ski-Bar am 7. März positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.

Chronologie der Ereignisse in Ischgl

  • 5. März 2020: Die Tiroler Behörden erfahren, dass 15 isländische Gäste in ihrer Heimat nach einem Ischgl-Aufenthalt positiv auf das Virus getestet worden sind. Das Land teilt mit, dass am 29. Februar auf dem Rückflug von München nach Reykjavik ein bereits erkrankter Fluggast nach einer Italienreise an Bord war. Die Behörden nehmen an, dass die Ansteckung im Flugzeug und nicht in Tirol passiert war. Island erklärt Ischgl zum Risiko-Gebiet und stellt alle Reisenden, die seit 29. Februar heimgekommen waren, unter Quarantäne.
  • 6. März: Die Gesundheitsbehörden kontaktieren das Hotel, in dem die Isländer nächtigten. Sie weisen an, Hotel-Personal mit Symptomen zu testen. Personen, die Apres-Ski-Lokale besucht hatten, werden zudem vom dortigen niedergelassenen Arzt getestet. Darunter ist auch der 36-jährige Barkeeper der Apres-Ski-Bar "Kitzloch". Laut Land gibt es zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Verdachtsfall in oder aus Ischgl.
  • 7. März: Das Testergebnis des Barkeepers ist positiv. Die Mitarbeiter des "Kitzloch" werden isoliert und das Lokal vorübergehend gesperrt. Die Behörde ruft Besucher der Bar auf, sich an die Gesundheitshotline 1450 zu wenden.
  • 8. März: Es wird bekannt, dass die erkrankten Isländer im "Kitzloch" waren. Ebenso, dass drei weitere in Tirol positiv getestete Personen sich in Ischgl aufgehalten hatten.
  • 9. März: Das Lokal "Kitzloch" wird behördlich gesperrt.
  • 10. März: Alle Apres-Ski-Lokale in Ischgl werden geschlossen.
  • 11. März: Es wird verkündet, dass das Skigebiet Ischgl für zwei Wochen gesperrt wird.
  • 12. März: Erst heißt es, dass Ischgl seinen Betrieb für die Saison komplett einstellt. Am Abend sagt Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), dass mit Ablauf 15. März die gesamte Skisaison in Tirol beendet wird. Alle Beherbergungsbetriebe sollen mit 16. März schließen. Dänemark rät von Reisen nach Tirol ab.
  • 13. März: Die Orte im Paznauntal Galtür, Ischgl, Kappl und See sowie St. Anton am Arlberg werden um 14.00 Uhr unter Quarantäne gestellt.
  • 15. März: Alle Skigebiete in Tirol schließen.
  • 16. März: Alle Beherbergungsbetriebe, bis auf einige Ausnahmen für medizinisches Personal sowie im Geschäfts- bzw. Wirtschaftsbereich, schließen.

(red/APA)

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