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Per Akquisition ins Pentagon

©VN/ Hans Zellhofer
Lustenau - S.I.E. kaufte US-Spezialisten für den Militärbereich – Die Kurzarbeit lief per September aus.

Mit einer Umsatzausweitung um mehr als 30 Prozent rechnet für heuer – trotz auch in seiner Branche spürbarer Krise – Udo Filzmaier, Vorstand der im Lustenauer Millenniumpark situierten System Industrie Electronic (S.I.E.) Holding AG. Hauptursache dafür ist die Akquisition der Carlo Gavazzi Computing Solutions Inc. in Brockton (Massachussetts, USA), eines früheren Mitbewerbers von S.I.E., dank der der Lustenauer Industriecomputerhersteller den Markteintritt in den USA, zumal jenen bei wichtigen US-Behörden, endgültig vollziehen will.

Filzmaiers Unternehmen deckt vor allem zwei Geschäftsfelder ab – die Medizintechnik und die Sicherheitstechnik. Bei letzterer geht es fast ausschließlich um Behördengeschäfte, meistens um langfristige Kontrakte, da S.I.E. hier mit oft beträchtlichem Forschungs- und Entwicklungsaufwand in Vorleistung gehen muss. Filzmaier: „So gesehen war die Übernahme von Gavazzi Computing ein strategischer Zug. In Europa brauchten wir fünf Jahre, um wichtige Behörden im In- und Ausland als Kunden zu gewinnen – in Amerika müsste man wohl mindestens sieben Jahre veranschlagen, es würde lange und teure Aufbauarbeit erfordern. Gavazzi ist z. B. bei den dortigen Verteidigungs- und Militärstrukturen ein eingeführter Player, wobei unsere eigentlichen Abnehmer dortige namhafte Zulieferer wie Lockheed Martin, Northrop, Sikorsky oder Boeing sind.“ 2010, im ersten vollen Geschäftsjahr mit US-Tochter Gavazzi, erwartet Filzmaier einen Umsatzzuwachs aus diesem Markt von 15 bis 20 Mill. Euro.

Eine ähnliche Geschäftspolitik wie in den USA praktizierte S.I.E. übrigens auch mit dem Kauf der deutschen Firma GBS Tempest vor erst einem Monat. Auch hier geht es um Krypto-Technologie, Datenverschlüsselungs- und Hochsicherheitsfragen. GBS Tempest arbeitet z. B. für NATO- und Dienststellen des Bsi (Bundesministerium für Sicherheit). Im Falle der GBS Tempest kann S.I.E. vor allem aus deren einschlägigem Zulassungs- und Prüf-Knowhow Nutzen ziehen.

Mit September ausgelaufen ist bei der S.I.E. übrigens die im Frühjahr in Teilen der Produktion verfügte Kurzarbeit. Das Ziel, damit Kündigungen zu vermeiden, wurde Filzmaier zufolge „klar erreicht, freilich über den Preis eines extremen Rechen- und Verwaltungsaufwandes“. Zwar hätten befasste Stellen wie AMS etc. volle Kooperationsbereitschaft bewiesen, dennoch sei die Kurzarbeit „derart kompliziert zu handhaben, dass wir im abermaligen Bedarfsfall lieber auf Zeitausgleichs- oder andere Modelle zurückgreifen würden“, sagt der Firmenchef. Und hofft, dass dieser abermalige Bedarfsfall möglichst ausbliebt. Immerhin sei die Produktion wieder sehr gut ausgelastet, was in seinem konkreten Fall gut gefüllte Auftragsbücher auf drei bis sechs Monate hinaus bedeutet. Im ersten Halbjahr 2009 hatte vor allem der Medizintechnikbereich durch kräftige Auftragsrückgänge entsprechendes betriebliches Reagieren notwendig gemacht.

S.I.E.-Facts

Umsatz 2008: 23 Mill. Euro, für 2009 absehbar: 31 Mill. Euro

Mitarbeiter: Einschließlich der Auslandsstandorte 200, davon ca. 85 am Standort Lustenau.

Kernkompetenz: Entwicklung und Fertigung anwendungsspezifischer Industrie-PCs, auch Handel mit elektronischen Bauteilen.

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