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Mutmaßlicher Serienattentäter hält Frankreich weiter in Atem

Detonationen nahe des umstellten Hauses in Toulouse.
Detonationen nahe des umstellten Hauses in Toulouse. ©AP
Die Situation im südfranzösischen Toulouse bleibt angespannt. Der in einem Haus verschanzte mutmaßliche Serienattentäter hat bisher nicht aufgegeben.
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Eigentlich wollte sich der 24-jährige Mohamed Merah in der Nacht auf Donnerstag ergeben, wie Frankreichs Innenminister Claude Gueant am Mittwochabend angekündigt hatte. Am späten Abend versuchten die Einsatzkräfte mit drei heftigen Detonationen den Druck auf ihn zu erhöhen. Berichte über die Erstürmung von Merahs Haus, dementierte Gueant. Eine Operation zur Festsetzung des Mannes ist offenbar noch im Gang.

Explosionen als Einschüchterung

Die ersten drei Explosionen ereigneten sich gegen 23.34 Uhr. Zu sehen war auch ein Aufblitzen an der Fassade des Hauses. Die Detonation sollte der Einschüchterung des mutmaßlichen Attentäters dienen. Ein Ermittler erklärte zuvor: “Er (der mutmaßliche Serienattentäter Mohammed M.) hat gesagt, dass er sich stellen will, er hat seine Meinung geändert, wir erhöhen den Druck, damit er aufgibt.” Bei den Explosionen sollen Tür und Fenster der Wohnung aufgesprengt worden sein, wie der Fernsehsender BFMTV berichtete. Offizielle Bestätigungen gab es dafür aber nicht. Der Sender Europe 1 erklärte, dass die Spezialeinheit der Polizei bei ihrem Vorstoß einen Riss in eine Wand geschlagen haben, um die Wohnung des 24-Jährigen besser beobachten zu können.

Wenige Stunden später, gegen 02.00 Uhr, kam es erneut zu Explosionen, der möglicherweise mehrere abgefeuerte Schüsse vorausgingen, wie AFP-Reporter berichteten. Der Verdächtige soll schwer bewaffnet sein. Am Abend hatte Gueant gesagt, der Mann wolle sich bald ergeben. Er hoffe, dass eine Erstürmung des Hauses verhindert werden könne. Dieser solle nach Möglichkeit “lebendig” gefasst werden, damit er “verurteilt werden” könne, so Gueant. “Wir wollen ihn lebend gefangen nehmen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Wir wollen seine Beweggründe erfahren und hoffentlich herausbekommen, wer seine Komplizen sind, falls es welche gibt”, sagte auch Verteidigungsminister Gerard Longuet dem TV-Sender TF1.

Zuvor hatte der Staatsanwalt von Paris, Francois Molins, gesagt, Merah selbst habe angegeben, “dass er keine Märtyrer-Seele hat, er zieht es vor zu töten und selbst am Leben zu bleiben”. Der 23-Jährige bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei jüdische Kinder.

Der Verdächtige hält sich nun seit mehr als 24 Stunden in der Wohnung verschanzt. Mehrere Versuche, die Wohnung in der Nacht auf Mittwoch zu stürmen, scheiterten: Der schwer bewaffnete Mann schoss durch die Tür auf die Polizisten und verletzte zwei von ihnen leicht.

“Frankreich in die Knie gezwungen”

Nach eigenen Aussagen ist Merah Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida. Der mutmaßliche Serien-Attentäter zeige “keinerlei Reue”, vielmehr bedauere er, dass er nicht noch mehr Menschen habe töten können, erklärte die Staatsanwaltschaft. Seine Attentate glorifiziere er mit den Worten, er habe “Frankreich in die Knie gezwungen”. Der 23-Jährige plante demnach, einen weiteren Soldaten sowie zwei Polizisten zu töten.

Serientäter Mohammed M.

Der mutmaßliche Serienattentäter hatte am 11. März zum ersten Mal zugeschlagen: Er erschoss in Toulouse auf offener Straße einen Fallschirmjäger in Zivil. Wenige Tage später tötete er im nahegelegenen Montauban zwei weitere Fallschirmjäger. Wieder in Toulouse tötete er am Montag bei einem Angriff auf eine jüdische Schule drei Kinder und einen Lehrer. Innenminister Gueant sagte dem Fernsehsender LCI am Mittwochabend, der Mann habe die jüdische Schule nach eigenen Angaben nur angegriffen, weil er keinen weiteren Soldaten zum Töten “gefunden” habe.

Staatsanwalt Molins bestätigte, dass M. zweimal in Afghanistan und in Pakistan war, dass er aber “ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung” aufweise. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Der Mann habe auch behauptet, von Al-Kaida in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden zu sein.

Wegen seiner Reisen nach Afghanistan und Pakistan war M. im November 2011 in Toulouse vom französischen Inlandsgeheimdienst befragt worden, wie Innenminister Guéant dem Sender TF1 sagte. Er habe aber von einer touristischen Reise gesprochen und dies mit Fotos untermauert.

Live-Video aus Toulouse

Die schwedische Webseite Aftonbladet.se hat einen Livestream aus Toulouse eingerichtet. Die Kamera ist an der Polizeiabsperrung aufgebaut, nur einige hundert Meter vom belagerten Haus des Attentäters entfernt.

APA, VOL.AT

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