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Flut überschwemmte Teile Sachsen-Anhalts

Die verheerende Flutwelle der Elbe hat in Sachsen-Anhalt am Montag weitere Orte überschwemmt und Städte mit berühmten historischen Bauwerken bedroht.

Um den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe zu finanzieren, wird die deutsche Regierung die zweite Stufe der Steuerreform mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro verschieben.

Bei Wittenberg waren die Dämme der Elbe so durchweicht, dass sie an sieben Stellen nachgaben und sich das Wasser auf breiter Front in mehr als ein Dutzend umliegende Ortschaften ergoss. Westlich davon gefährdete das Hochwasser Teile des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, das die UNESCO zum Weltkulturerbe zählt. In Sachsen, wo die Fluten Milliardenschäden angerichtet haben, stieg die Zahl der Toten auf 15. Auf Magdeburg rollte die Flutwelle schneller als erwartet zu. Elbabwärts in Norddeutschland wurde unter Hochdruck an der Verstärkung der Dämme gearbeitet. „Das ist mancherorts wie ein Wettlauf mit der Zeit“, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Lüneburg.

Bei Wittenberg versuchten die Helfer verzweifelt, die durchnässten Dämme mit Plastikplanen zu sichern. Bei Prettin brach ein Damm auf 200 Metern Länge. „Große Wassermengen durchfließen die Stadt“, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Über den Bruchstellen würden von Hubschraubern aus Sandsäcke abgeworfen, da der Einsatz von Helfern zu gefährlich sei. Die historische Innenstadt mit der Schlosskirche war nicht vom Hochwasser betroffen. Nur vereinzelt flossen Rinnsale in Richtung Altstadt. An die Tür der Schlosskirche hatte Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen genagelt und damit die Diskussion über den Zustand der Kirche und die Reformation eingeleitet.

In mindestens die Hälfte der 38 evakuierten Gemeinden im Landkreis Wittenberg sei Wasser geströmt, hieß es im örtlichen Krisenstab. 40.000 Menschen seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu räumen.

Gefährdet ist nach Angaben des Innenministeriums in Magdeburg auch das Gartenreich Dessau-Wörlitz westlich von Wittenberg. Die Elbdämme führen an der Parklandschaft vorbei. Die UNESCO hatte die Ende des 18. Jahrhunderts gestaltete Gartenanlage mit Schlössern, Weiden, Tempeln und Gewässern im Jahr 2000 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. In die Liste nimmt die UNESCO Kultur- und Naturgüter auf, die einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen.

Das Bauhaus in Dessau sei dagegen nicht akut gefährdet, weil es nach bisherigen Schätzungen weit genug von der Hochwasser führenden Mulde entfernt liege, sagte eine Sprecherin der Stadt. Der Gebäudekomplex ist mit Sandsäcken gesichert. Auch das Bauhaus ist in der Liste des Weltkulturerbes enthalten. Insgesamt stabilisierte sich die Lage in Dessau. Die Fluten von Elbe und Mulde wichen langsam:
„Jede Stunde geht die Elbe um einen Zentimeter zurück“, sagte die Sprecherin. Der Stadtteil Waldersee, wo am Sonntag ein Damm gebrochen war, blieb überflutet. 2.800 Menschen waren evakuiert.

In Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg wird die Flutwelle nach Angaben der Behörden früher ankommen als erwartet. Der Scheitelpunkt werde die Stadt bereits am Montagabend oder in der Nacht zum Dienstag erreichen, erklärte das Wasser- und Schifffahrtsamt. Bisher war der Scheitel für Mittwoch erwartet worden. Die Behörde geht weiter von einem Pegelstand von knapp sieben Metern aus. Bei einer solchen Höhe werde das Hochwasser glimpflich verlaufen, solange die Deiche hielten, hieß es.

Im Ohre-Kreis nördlich der Landeshauptstadt wurde die Räumung mehrerer Ortschaften abgeschlossen, teilte das Innenministerium mit. Zu ihnen gehörten unter anderem Heinrichsberg, Wolmirstedt und Glindenberg. Der Fluss Ohre gefährdet nach Angaben der Behörden mehrere Gemeinden, weil sich das Wasser an der Mündung in die Elbe aufstaue. Die Ohre fließt etwa 20 Kilometer nördlich von Magdeburg in die Elbe.

In den vergangenen Tagen war die Elbe in nie da gewesener Höhe durch Dresden geflossen und hatte verheerende Schäden hinterlassen. Zwar sinken die Pegelstände in Sachsen wieder, die Lage in den Katastrophengebieten bleibe aber angespannt, hieß es im Dresdener Krisenstab. In Mühlberg, wo ein Damm nachzugeben drohte, gab es keine Probleme mehr.

Elbabwärts bereiteten sich die Helfer auf die nahende Flut vor. Sorge bereiteten den Katastrophenstäben die niedrigeren Dämme der Nebenflüsse der Elbe. In ganz Niedersachsen sei bereits eine Million Sandsäcke verbaut worden, teilte das Unweltministerium in Hannover mit. Nach derzeitigem Stand werde das Wasser der Elbe nicht über die Dämme schwappen. In der Prignitz im Norden Brandenburgs wurden mit Hilfe der Bundeswehr weiter Dämme gebaut und die Evakuierung der Region vorbereitet.

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