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Filmfestspiele Cannes: Michael Haneke beschäftigt sich mit der Liebe

Widmet sich der Liebe: Regisseur Michael Haneke
Widmet sich der Liebe: Regisseur Michael Haneke ©AP
Wer an Michael Haneke denkt, dem wird üblicherweise nicht gerade warm ums Herz. Der österreichische Filmemacher ist bekannt für seinen gnadenlosen Blick, seine kompromisslosen Analysen und seine verstörenden Filme, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten weltberühmt gemacht haben.
Bilder von Michael Haneke

Nach der “Trilogie der emotionalen Vereisung” zu Beginn seiner Kinokarriere Ende der 1980er wurde es nicht versöhnlicher, gesellschaftliche Ängste und die Mechanismen der Gewalt bestimmen das Werk des 70-jährigen Regisseurs. Wenn sich Haneke nun in seinem neuen Film “Amour” der Liebe im Alter widmet, wird sich ebenfalls niemand ein Feel-Good-Movie erwarten. Am 20. Mai feiert der Film seine Uraufführung in Cannes.

“Amour” handelt von zwei pensionierten Musiklehrern, Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva), die mit ihrer Tochter (Isabelle Huppert), einer Musikerin, im Ausland leben. Als Anne eines Tages einen Schlaganfall erleidet und eine Seite ihres Körpers gelähmt bleibt, wird die Beziehung zwischen Georges, Anne und ihrer Tochter auf die Prüfung gestellt. Dass der Film im Mai in Cannes seine Premiere feiert, ist keine große Überraschung. Haneke ist Stammgast an der Croisette, gleich sein Kinoerstling “Der siebente Kontinent” war 1989 in einer Nebenschiene gelaufen. Der Gewaltschocker “Funny Games” war schließlich 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag in Cannes.

Großer Preis der Jury für Haneke für “Die Klaviespielerin”

Für die Jelinek-Verfilmung “Die Klavierspielerin” mit Isabelle Huppert gab es an der Cote d’Azur 2001 den Großen Preis der Jury, für “Caché” 2005 den Regiepreis. Auch die ebenfalls in Frankreich entstandenen Filme “Code Inconnu” (2000) und “Wolfzeit” (2003) wurden bei dem Festival kontrovers besprochen. Als Haneke schließlich von Frankreich für seine filmische “Suche nach der Wahrheit” zum “Commandeur dans l’ordre des Arts et des Lettres” ernannt wurde, sprach Haneke von seiner “großen Bewunderung für die französische Kultur”. Er habe eine “lange Liebesbeziehung zu Frankreich”, erklärte er – zu der Zeit schon mit der Goldenen Palme für die schwarz-weiße Faschismusparabel “Das weiße Band” (2009) in der Tasche.

Noch kein Oscar für Haneke

Stil und Erzählhaltung des Regisseurs wurden damals mit Ingmar Bergman oder Carl Theodor Dreyer verglichen, die unverwechselbare Filmsprache galt als perfektioniert. Der Film startete einen beeindruckenden Siegeszug, vom Europäischen Filmpreis bis zum Golden Globe. Nur der Oscar blieb Haneke vorerst verwehrt – doch nachdem der humorvolle und weltoffene Filmemacher keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet, mag da noch die eine oder andere Chance kommen. Sein Ausflug nach Hollywood mit dem One-to-One-Remake von “Funny Games” mit Naomi Watts war indes gefloppt – was nicht verwundern mag, versteht er seine Filme doch als “polemische Statements gegen die amerikanische Entmündigung des Zusehers”.

Haneke, der am 23. März 1942 in München geboren wurde, wuchs in Wiener Neustadt als Sohn der österreichischen Schauspielerin Beatrix von Degenschild und des Düsseldorfer Regisseurs und Schauspielers Fritz Haneke auf. Er versuchte sich neben dem Studium der Philosophie und Psychologie in Wien zunächst als Autor sowie Film- und Literaturkritiker, 1967 bis 1971 arbeitete er Redakteur und Fernsehspieldramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden. In dieser Zeit entstand sein erstes Drehbuch “Wochenende”. 1973 entstand sein erster Fernsehfilm, “…und was kommt danach? (After Liverpool)” nach einem Text von James Saunders. Es folgten TV-Filme nach Vorlagen von Ingeborg Bachmann, Peter Rosei und Franz Kafka.

Anfang der 70er Jahre debütierte Haneke als Bühnenregisseur am Stadttheater Baden-Baden mit “Ganze Tage in den Bäumen” von Marguerite Duras. Es folgten Theater-Inszenierungen in Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg, München und Wien. 2006 gab er exakt an Mozarts 250. Geburtstag an der Pariser Oper sein Debüt als Opernregisseur: Mit seiner modernen Inszenierung von “Don Giovanni” spaltete er das Publikum. Eine Inszenierung von Mozarts “Cosi fan tutte” war ursprünglich für New York geplant, soll nun jedoch heuer bei Gerard Mortier in Madrid stattfinden. Die Produzenten sehen diese Ausflüge in die Opernwelt nicht sehr gerne, bereitet sich Haneke doch stets über viele Monate minuziös vor.

Privat ist der Regisseur seit 1983 mit seiner Frau Susanne verbunden, er ist Vater eines Sohnes (geb. 1965). An der Wiener Filmakademie lehrt Haneke seit 2002 als Professor für Regie. Dass er nun im Mai an seine Triumphstätte zurückkehren kann, hat er nicht nur seinen langjährigen Mitarbeitern – wie etwa Produzent Veit Heiduschka – zu verdanken, sondern auch einer seiner Lieblingsschauspielerinnen. Isabelle Huppert, die bei “Amour” in die Rolle der Tochter geschlüpft ist, war im Jahr des “weißen Bands” die Vorsitzende der Jury – und hatte keine Sekunde an der überragenden Qualität des Films gezweifelt. Mit “Flashmob” steckt im Übrigen schon wieder ein neues Projekt in den Startlöchern – selbst mit 70 scheint bei Haneke keine Müdigkeit einzukehren. (APA)

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