Eine ganz besondere Aufgabe

Hildegard König, Marietta Endrich, Ulrike Metzler und Sonja Rusch (von links) begleiten mit viel Gespür und noch mehr Herz trauernde und sterbende Menschen in Dornbirn.
Hildegard König, Marietta Endrich, Ulrike Metzler und Sonja Rusch (von links) begleiten mit viel Gespür und noch mehr Herz trauernde und sterbende Menschen in Dornbirn. ©Caritas Vorarlberg
Vier engagierte Frauen, die eines verbindet – das Bedürfnis, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und ihnen beizustehen. Ulrike Metzler, Hildegard König, Sonja Rusch und Marietta Endrich leiten zusammen das Trauercafé in Dornbirn und haben allesamt viel Erfahrung im Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen. Das Leben ist für sie aber auch sehr freud- und humorvoll, wie sie beim Gespräch bei Kaffee und Kuchen beweisen.

Es ist eine lustige und herzliche Runde. Vier Frauen, drei von ihnen Pensionistinnen, erzählen über das Leben und das Sterben, über ihr eigenes Schicksal und was sie dazu bewegt hat, ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen zu werden. Trotz des schwierigen Themas haben die Frauen das Lachen nicht verlernt, im Gegenteil: „Seit ich mir diese ganz besondere Aufgabe ausgesucht habe, schätze ich das, was ich habe, umso mehr“, erzählt Ulrike Metzler, und die anderen Frauen nicken zustimmend.

Einig sind sich die Frauen auch darin, dass sie eine gewisse Zeit gebraucht haben, bis sie den Schritt zur Hospizbegleiterin gewagt haben.

„Ich habe zuerst meine Mutter fünf Jahre lang gepflegt, dann meine Schwiegermutter und schließlich meinen dementen Vater. Es waren für mich ganz besondere Erfahrungen, die mich dann dazu bewogen haben, die Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu machen“, so die 75-jährige Hildegard König.

Auch Sonja Rusch hat das Sterben einiger Familienmitglieder begleitet: „Mein Opa ist gestorben, als ich 16 war. Damals hatte ich ein sehr schwieriges Verhältnis zum Thema Tod. Auch meine Mutter ist relativ früh verstorben, sie hat schließlich in meinen Armen ihre letzten Atemzüge gemacht. Das hat mich tief bewegt.“  

Ähnliches erzählt auch die 59-jährige Marietta Endrich: „Als die Oma von meinem Mann vor einigen Jahren im Sterben lag, waren mein Mann und ich beide dabei. Ich spürte, dass sie mir etwas sagen wollte, als sie mich ganz nahe an sich gedrückt hat. Das hat mich damals tief berührt und mir gezeigt, dass ich diese Art der Begleitung weitermachen möchte.“

Einzigartige Momente

Private Erfahrungen waren der Auslöser bei allen vier Frauen, schließlich mit der Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu beginnen. Und obwohl diese Ausbildung, die laut ihrer Aussagen allen sehr viel auch für ihr eigenes Leben gebracht hat, schon viele Jahre zurückliegt, erinnern sich alle noch an ihre allererste Begleitung.

Bei Sonja Rusch zum Beispiel war die erste Begleitung gleich eine Sterbebegleitung: „Ich wurde zu einer Frau ohne Angehörigen ins Krankenhaus gerufen. Sie war bereits komatös und ich saß eineinhalb Stunden bei ihr und hielt ihre Hand. Immer wieder las ich dazwischen etwas in einem mitgebrachten Buch. Plötzlich überkam mich ein kalter Schauer, ich sah von meinem Buch auf und war bei ihr, als sie ihre letzten Atemzüge machte. Es war, als würde der Herrgott sagen, es ist soweit, kümmere dich nochmals um diese Frau.“

Völlig andere Erfahrungen machte Ulrike Metzler bei ihrer ersten Begleitung: „Ich wurde einem Mann in einem Pflegeheim zugeiteilt, der sehr schwierig war. Einmal wollte er meine Besuche, einmal wieder nicht, das schwankte oft mehrmals innerhalb eines Besuches. Ich setzte mich dann vor die Türe und wartete, bis er nach einer Pflegerin läutete, dann bin ich wieder hineingegangen. So ging das eine ganze Weile lang, zwei Mal in der Woche. Irgendwann hat er sich dann über meinen Besuch gefreut:“

Es zeigt sich, dass die Hospizbegleiterinnen nie wissen, was sie bei einem neuen Patienten erwartet, sie müssen sich immer wieder völlig neu auf die zu betreuenden Menschen einstellen, einfühlsam, geduldig und empathisch sein. Auch wenn es Begleitungen gibt, die auch die erfahrenen Hospizbegleiterinnen an ihre Grenzen bringen. Zum Beispiel, wenn es um Kinder geht, wie es Marietta in ihrer eigenen Familie erleben musste. Hilfreich ist für alle vier Frauen der Glaube an Gott und daran, dass es nach dem Tod irgendetwas gibt.

Infoabenden für interessierte Freiwillige zum Hospizlehrgang

  • Bregenz: Donnerstag, 18.11. um 18 Uhr, Hospiz am See, Mehrerauerstraße 72
  • Götzis-St. Arbogast: Dienstag, 30.11. um 19 Uhr Bildungshaus St. Arbogast

Nähere Information:Barbara Geiger, T 05522-200 1100, E hospiz@caritas.at oder www.hospiz-vorarlberg.at

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