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Ein kontroverser Stoff: Turiner Grabtuch erstmals seit 2010 öffentlich ausgestellt

Turiner Grabtuch wird ausgestellt: Drei Millionen Pilger erwartet
Turiner Grabtuch wird ausgestellt: Drei Millionen Pilger erwartet ©EPA
Erstmals nach fünf Jahren wird das Turiner Grabtuch wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Ab 19. April wird "La sacra Sindone", wie die Ikone auf Italienisch genannt wird, für etwas mehr als zwei Monate im Dom von Turin gezeigt. Zuletzt öffentlich ausgestellt worden war es 2010, Ostern 2013 hatten Gläubige es per Fernsehen und Live-Stream im Internet sehen können.
Das Turiner Grabtuch

Der Stoff wird von vielen Gläubigen als Grabtuch Jesu verehrt und ist selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Bisher wurde es erst elf Mal ausgestellt. Zu der bis dato letzten Ausstellung 2010 waren Millionen Menschen nach Turin geströmt, darunter auch Papst Benedikt XVI..

Papst Franziskus und drei Millionen Pilger erwartet

Anlässlich der aktuellen Ausstellung vom 19. April bis zum 24. Juni im Turiner Dom werden drei Millionen Pilger erwartet. 900.000 Personen haben sich bereits für den Besuch angemeldet, berichtete der Erzbischof der norditalienischen Stadt, Cesare Nosiglia.
Auch Papst Franziskus will das berühmte Stück Stoff persönlich sehen. Der Argentinier wird am 21. Juni in der norditalienischen Stadt erwartet. Anlass der Ausstellung in diesem Jahr ist der 200. Geburtstag des Jugendseelsorgers und Ordensgründers Don Bosco (1815-1888).

Turiner Grabtuch: Kontroverser Stoff bewegt die Gemüter

Es bewegt die Gemüter seit mehr als einem Jahrhundert: das Turiner Grabtuch. Am 24. September jährt sich zum 80. Mal seine erste größere Ausstellung – im Heiligen Jahr 1933, gezählte 1900 Jahre nach dem Tod von Jesus Christus.

Sindonologie versucht Geheimnis zu lüften

Das Grabtuch befindet sich seit dem 15. Jahrhundert in Turin. Es ist 4,30 Meter lang und 1,10 Meter breit, sepiafarben und zeigt den Vorder- und Hinterabdruck eines Mannes, der gefoltert wurde und einen grausamen Tod am Kreuz starb.

turin
turin ©AP

Während viele Gläubige fest überzeugt sind, dass es sich um das Grabtuch Jesu handelt, gehen Skeptiker davon aus, dass es im Mittelalter hergestellt wurde. Eine ganze Wissenschaft, die sogenannte Sindonologie, versucht, mit allen Mitteln, dem Geheimnis des Tuchs auf die Spur zu kommen.

Das Tuch als Negativ und eine erstaunliche Entdeckung

Als es 1898 zum ersten Mal fotografiert wurde, machte man eine erstaunliche Entdeckung: Auf dem Negativ des Fotos war statt des verzerrten und verblichenen Abdrucks plötzlich ein wohlproportioniertes, harmonisches Gesicht zu erkennen – fast, als sei das Tuch selbst ein Negativ. Der Gesichtsabdruck eignet sich sogar für die Erstellung von 3D-Simulationen. Für Gläubige ist das ein Beweis, dass das Tuch wundersame Eigenschaften besitzt.

Das Turiner Grabtuch ist wieder zu bewundern
Das Turiner Grabtuch ist wieder zu bewundern

Wissenschafter befinden Blutflecken für echt

Wer von der Echtheit des Tuchs überzeugt ist, der führt auch an, die Wunden, die auf dem Abdruck zu erahnen sind, stimmten mit biblischen Schilderungen der Passion Christi überein. Auch die angeblichen Blutflecken haben manche Wissenschafter für echt befunden. Ein Wissenschafter fand Pollen auf dem Stoff, die beweisen sollen, dass das Tuch aus dem Nahen Osten stammt – oder zumindest eine Zeit lang dort aufbewahrt wurde.

Was gegen die Authentizität des Turiner Grabtuches spricht

Gegen die Authentizität des Turiner Grabtuches spricht, dass es zum ersten Mal 1357 in Frankreich auftauchte. Von seiner Existenz vor dieser Zeit ist nichts bekannt. 1988 schließlich schien die Radiokarbon-Datierung einer Stoffprobe den Mythos zu versenken: Das Tuch, verkündeten Wissenschaftler aus drei verschiedenen Laboren, stamme aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 nach Christus. Auch die Gültigkeit dieser Untersuchungen wird jedoch aus verschiedenen Gründen angezweifelt. Bis heute sorgen angeblich neue Erkenntnisse regelmäßig für Schlagzeilen.

Eine Ikone, keine Reliquie

Die katholische Kirche selbst hält sich mit Spekulationen bedeckt. Das Tuch gilt vielen nicht als Reliquie, sondern als Ikone. Papst Franziskus sagte im März 2013 in einer Videobotschaft: “Der Mann auf dem Grabtuch lädt uns ein, Jesus von Nazareth zu gedenken. Dieses entstellte Gesicht ähnelt vielen Gesichtern, von Männern und Frauen, gezeichnet von einem Leben, das ihre Würde nicht respektiert.” Die Frage nach der Echtheit ist dann vielleicht gar nicht so wichtig. (dpa/red)

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