„Die Faehre“ begleitet seit 25 Jahren

Konrad Steurer in seinem Büro in der Faehre.
Konrad Steurer in seinem Büro in der Faehre. ©Edith Rhomberg
Konrad Steurer ist der Kapitän. Er entwickelte die Beratungsstelle zu einem Unternehmen mit 13 hochqualifizierten Mitarbeitern. 
Konrad Steurer

Dornbirn. Sein Büro befindet sich in der Frühlingstraße 11. Es gleicht einem kleinen Wohnzimmer mit Büchern und Pflanzen. In der „Faehre“, die in ansprechend gestalteten Räumlichkeiten auf zwei Etagen Hilfe und Beratung für Suchtgiftgefährdete und deren Angehörige bietet, erzählt Konrad Steurer (51) am runden Tisch aus seinem bewegten Leben zwischen Bürsch, (seinem Heimatort Bürs), Wien und Dornbirn. In Dornbirn arbeitet er nicht nur als psychosozialer Berater in der Beratungs- & Betreuungsstelle. Er hat die „Faehre“ gegründet, aufgebaut und sie auf eine gute Basis mit aktuell 13 Mitarbeitern gestellt. Steurer ist ihr Geschäftsführer. Mit flacher Hierarchie, wie er betont. „Zu uns kommen Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und ändern wollen“, so Steurer. Hier bekommen sie die professionelle Unterstützung. Jährlich werden von dem hoch qualifizierten Team 300 bis 350 Menschen beraten, die das ambulante Therapieangebot für sich in Anspruch nehmen. Die „Faehre“ nimmt genauso Kinder mit ins Boot. Sie sollen ihre Erlebnisse einordnen können und, auch spielerisch in der Gruppe, verarbeiten.

 

25 Jahre „Die Faehre“ in Dornbirn

 

„Der Ursprung der ,Faehre’ war ein Trägerverein mit fünf Leuten. Ich war Mitglied und Geschäftsführer in Personalunion“, erinnert sich Konrad Steurer schmunzelnd. 25 Jahre ist das schon her. Darauf ist er sichtbar stolz. Der gelernte Sozialarbeiter gibt aber zu, dass der Anfang schwer war. Die finanzielle Belastung und das enorme Risiko für die Beteiligten waren fünf Jahre später der Anlass, per 1. Jänner 1998 eine GmbH zu gründen. Deren Mitgesellschafter (ab 2005), Thomas Boss, musste am 1. Juli 2017 aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Tatjana Tschabrun und Michael Kögler sind seit dem als Gesellschafter eingestiegen.

 

Der Lebenslauf des überaus vielseitigen Konrad Steurer ist vier Seiten lang. Die Ausbildung, Fort- und Weiterbildungen, der berufliche Werdegang, Publikationen und mehr gehen daraus hervor. „Das Aufwachsen im politischen Elternhaus war prägend, bei uns wurde Politik gelebt“, sagt er. „Ich habe mitbekommen, wie wichtig es ist, sich politisch einzubringen“. Steurer bezeichnet sich als „homo politicus“, als politisch denkender und handelnder Mensch und ist gewohnt, sich für gesellschaftliche Ziele einzusetzen. Das gute Leben für alle verliert er bei seinem Engagement für Chancengleichheit nie aus den Augen. Und früher war das so: Wie seine Großväter und sein Vater Elmar (1924- 2012, ehemaliger Politiker) davor, ging auch der Bub zur ÖBB. Drei Jahre waren aber genug. „Etwas mit Menschen“ wollte er machen und der Bürser ging nach Wien. Die dreijährige Ausbildung an der Bundesakademie für Sozialarbeit ist das Fundament, auf dem später „Die Faehre“ in Dornbirn errichtet wurde.

 

Das harte politische Geschäft

 

In der Politik schaut Konrad Steurer genau hin. Er erzählt, wie das so läuft bei den Menschen, die sich engagieren: „Sie setzen sich für die Allgemeinheit ein, oft ehrenamtlich. Das frisst Freizeit und kostet viel Kraft. Geringschätzung und Kritik sind an der Tagesordnung. Beleidigungen und Anfeindungen sind keine Seltenheit. Das führt zu Enttäuschung, Wut und Frust. Politik heißt kämpfen – um Macht, um Ansehen, um Einfluss und letztlich auch um Geld. Das kann einen Menschen aufreiben“. Mehr noch als das, bedauert er. Als Beispiel nennt er Iris Mayer, die in ihrem Buch „Der Bürgermeister – Eine Spurensuche“ (1995) über ihren Vater Fritz Mayer schreibt: „die Geschichte über den Bürgermeister von Bregenz, der, nach 18 Jahren im Amt, in seinem 55. Lebensjahr Suizid beging“. „Die Angriffe aus den Reihen seiner eigenen Partei zermürbten meinen Vater mehr als alle Probleme in der Gemeindepolitik“. (Iris Mayer)

 

Dem allem setzt Konrad Steurer die Supervision gegenüber. Räume für Reflexion müssen seiner Meinung nach her. Genau genommen sind sie schon da, aber das Problem dabei: Politisch Tätige müssen das wollen. Und dürfen, ohne dass ihnen gleich eine Schwäche vorgeworfen wird. Denn die wird auch auf kommunaler Ebene im harten und medial durchleuchteten politischen Geschäft nun mal nicht geduldet. In seinem neuen Buch „Räume der Reflexion im kommunal- und regionalpolitischen Handeln“ untersucht er Beratungsangebote für Lokalpolitiker und beleuchtet Erfahrungen von Kollegen. „Es ist schon vorgekommen“, so Steurer, „dass ein Klient eine halbe Stunde als Puffer gefordert hat, damit er beim Verlassen der Praxis ja niemandem begegnet. Das muss sich ändern.“ Steurer will das Angebot der Supervision, diese Räume der Reflexion für politisch Arbeitende, aus dem Schattendasein holen und die selbstbewusste Inanspruchnahme fördern. „Wenn das gelingt“, sagt Konrad Steurer hoffnungsvoll, „dann hat sich auch die umfassende Forschungsarbeit für meine Masterthesis gelohnt“.

 

Konrad Steurer, geb. 1966 in Bludenz

 

Verheiratet, eine eigene Tochter, zwei Kinder in der Lebensgemeinschaft.

 

Sport/Hobbys: Taekwondo, 2. Dan, Laufen, Wandern, Lesen, Geselligkeit.

 

Diverse Vereinsfunktionen, Netzwerke und politisches Engagement, Mitglied im Bundesvorstand „Der Wandel“.

 

DIE FAEHRE gemeinnützige Sucht- und Drogenhilfe GmbH, Dornbirn, Frühlingstraße 11

 

Ausbildung (Ausschnitt):

 

1,5 Jahre Lehrgang „Gemeinwesenorientiertes Sozialmanagement und Sozialmarketing” an der Bundesakademie für Sozialarbeit in St. Pölten mit Zusatzdiplomabschluss

 

2,5 Jahre Grundausbildung zur Psychotherapie „Psychotherapeutisches Propädeutikum“ mit Abschlusszertifikat


 

4,5 Ausbildung zum Supervisor und Coach an der IBH Internationalen Bodenseehochschule und FH Vorarlberg mit Verleihung des akademischen Grades MSc Master of Sience

 

1,5 Jahre Universitätslehrgang Politische Bildung, Universität Salzburg mit Abschlusszertifikat „Akademischer politischer Bildner“

 

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