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Chance oder unterschätzte Gefahr

Dornbirn - Experten diskutierten im WIFI über die Vor- und Nachteile der Sozialen Medien.
Treffpunkt Wirtschaft in Dornbirn

Das Internet macht es möglich: Über digitale Kanäle können jederzeit Kontakte mit Menschen geknüpft oder Informationen ausgetauscht werden. Die Nutzung der Sozialen Medien, auch Social Media genannt, ist unkompliziert, da die Eintrittsbarrieren niedrig sind. Millionen Menschen rund um den Globus nutzen deshalb Facebook oder andere Netzwerke. Was den Nutzen anbelangt, spalten sich die Geister. Das wurde am Mittwochabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Wirtschaft“ deutlich, als am Podium und im Publikum über Chancenoder Gefahren der Sozialen Medien diskutiert wurde. Der durchschnittliche Nutzer von Facebook etwa hat 300 bis 400 „Freunde“ – andere sagen Kontaktpersonen –, es können aber auch 1000 und mehr sein. Und nicht wenige sehen die elektronischen Plattformen als den richtigen Ort, möglichst vielen Menschen über ihre Ängste, Hobbys oder Probleme zu berichten. Manche scheuen sich nicht, auch sehr Privates auszubreiten. Solche öffentlichen Meinungsäußerungen können eines Tages zum Eigentor werden. Thomas Pfeiffer, Diplom-Pä­dagoge aus Deutschland, sieht die sozialen Medien eher als Chance denn als Gefahr. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Nutzer wissen, worauf sie sich einlassen. „Was ich poste, dürfen alle wissen“, warnt er davor, Dinge öffentlich zu machen, die dem User schaden könnten. Derselben Meinung war auch sein Kontrahent am Podium, Mag. Andreas Prenn von der Supro. Schlimm ist es aber, wenn die zu intensive Nutzung der sozialen Medien zur Sucht wird. In Deutschland soll über eine halbe Million Menschen „internetabhängig“ sein. Sie wissen selbst, dass sie die Kontrolle verloren haben und leiden deshalb auch unter Schuldgefühlen. „Dann braucht es professionelle Beratung“, weiß Prenn.

„Große Chancen“

Wichtig ist für Pfeiffer, dass man über die Netzwerke mit Menschen in Kontakt treten kann, die früher unerreichbar gewesen wären. „Auch die Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs über verschiedenste Themen ist eine riesige Chance, die sich eröffnet hat.“ Der DiplomPädagoge, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, ist überzeugt, dass der soziale Austausch über digitale Kanäle auch für Firmen immer unverzichtbarer wird. „Wer keine Kundschaft will, kann darauf verzichten“, rät Pfeiffer Unternehmern, dem neuen Medium nicht zu sehr zu misstrauen. Dass das Internet auch für Mobbing genutzt werden kann, ist kein Geheimnis. „Das kann die jungen User bis ins Kinderzimmer verfolgen“, warnt Supro-Mann Prenn davor, die Mobbing-Gefahr zu unterschätzen. Im schlimmsten Fall müssen sogar Identitäten gewechselt werden, um Menschen vor digitaler Verfolgung zu schützen. In Deutschland soll es pro Jahr 2000 derartige Fälle geben. Für Pfeiffer, Befürworter der offenen Kommunikation im Netz, eine traurige Tatsache, aber kein Grund, das Internet zu verteufeln. Längst haben auch kritische Geister die sozialen Medien als Bühne entdeckt. Prenn erinnert etwa an den Aufruf einer Gruppe verärgerter Stammgäste der Dornbirner Messe, die kostenpflichtigen Abendveranstaltungen zu boykottieren. Dass mit dem Appell in Facebook nicht viel bewirkt wurde, wundert Pfeiffer nicht: „Wenn sich Gruppierungen im Netz zusammenscharen, ist dies oft nur ein Sturm im Wasserglas.“ Eine Begleitung junger Menschen bei der Nutzung Sozialer Medien durch Eltern oder Lehrer ist wünschenswert, aber schwierig. Denn viele Jugendliche lassen sich aus gutem Grund nicht gerne über die Schulter schauen, außerdem sind sie den Erwachsenen bei der Nutzung der neuen digitalen Technik oft meilenweit voraus. „95 Prozent der jungen User können mit dem Internet gut umgehen“, weiß Prenn. Er meint damit auch den verantwortungsvollen Umgang.

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