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40. Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Vorarlberg:

Der Vorstand der Lebenshilfe Vorarlberg: Dr. Heinz Werner Blum, George Nussbaumer, Sabine Karg, Paul Margreitter, Reinhard Fleisch, Dr. Peter Kircher (v.l.n.r.).
Der Vorstand der Lebenshilfe Vorarlberg: Dr. Heinz Werner Blum, George Nussbaumer, Sabine Karg, Paul Margreitter, Reinhard Fleisch, Dr. Peter Kircher (v.l.n.r.). ©Lebenshilfe

Lebenshilfe erweitert Interessensvertretung

Dornbirn. Am Abend des 1. Juni 2011 hielt die Lebenshilfe Vorarlberg in der HTL Dornbirn ihre 40. Jahreshauptversammlung ab. Neben den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres wurden dabei auch inhaltliche Neuerungen präsentiert, wie die Bestellung von zwei zusätzlichen Fachbeiräten, die verstärkt die Anliegen von Menschen mit Behinderungen und betroffenen Angehörigen vertreten. Außerdem hielt Toni Innauer – selbst mit einer Schwester mit Down-Syndrom aufgewachsen – einen berührenden Impulsvortrag zum Thema “Lebenserfolg”.

Mit der Bestellung von George Nussbaumer als Vorsitzender des Beirats “Selbstvertretung” und Sabine Karg als Beiratsvorsitzende “Angehörige” wurden gleich zwei inhaltliche Schlüsselpositionen im Beirat der Lebenshilfe Vorarlberg neu besetzt. Der Musiker und Kabarettist George Nussbaumer weiß aus eigener Erfahrung, mit wie vielen Barrieren – vor allem in den Köpfen der Mitmenschen – sich Menschen mit Behinderungen tagtäglich herumschlagen müssen. Gemeinsam mit den Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern möchte sich Nussbaumer in dieser Funktion für mehr Mitspracherecht für Menschen mit Behinderungen einsetzen.

Um Mitsprache geht es auch Sabine Karg, die sich in ihrer Beiratsfunktion für die Angehörigen von Menschen mit Behinderungen engagieren wird. Sie ist die Mutter von Emil Karg, der bereits als ungeborenes Kind die Republik Österreich auf Verletzung seiner Menschenrechte geklagt hat. Emil kam mit einem offenen Rücken zur Welt, führt aber heute ein Leben, welches sich kaum von gleichaltrigen Kindern unterscheidet. Ihre Erfahrungen als Mutter möchte Sabine Karg in die Arbeit für den Lebenshilfe-Beirat einfließen lassen und anderen Eltern Mut machen und Unterstützung sein.

Auszeichnung mit der Trophäe “Menschen”
Das Hauptanliegen der Lebenshilfe ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen in Vorarlberg zu verbessern. In diesem Vorhaben wird die Lebenshilfe von vielen haupt- und ehrenamtlichen Seiten unterstützt. Diese Unterstützung, ohne die vieles nicht möglich wäre, möchte die Lebenshilfe sichtbar machen und zeichnete in diesem Sinne bei der 40. Jahreshauptversammlung erstmalig drei Menschen für ihren außerordentlichen Einsatz für mehr Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen aus. Die Kunstfiguren wurden im Ausbildungszentrum Vorarlberg – einer Tochtergesellschaft der Lebenshilfe Vorarlberg – gefertigt und tragen in Anlehnung an den Lebenshilfe-Leitspruch “Menschen brauchen Menschen” den Namen “Menschen”.

Ausgezeichnet wurde mit Uschi Dunzinger-Präg die langjährige Obfrau der Region Dornbirn. Ihr ist es unter anderem zu verdanken, dass sich der alljährliche Stundenlauf und die Christbaumversteigerung in Dornbirn zu Musterbeispielen gelebter Inklusion entwickelt haben. Für ihre Verdienste um Menschen für die Lebenshilfe Vorarlberg wurde Uschi Dunzinger-Präg zudem zum “Ehrenmitglied” ernannt. Edith Hörburger erhielt ebenfalls eine Trophäe für ihr 15-jähriges Engagement in der Lebenshilfe Leiblachtal. Außerdem organisiert sie seit vielen Jahren die Landessammlung in der Region und hilft dabei auch selber mit. Der Verdienst des dritten Preisträgers, Burkhard Fink – seines Zeichens betreuter Mitarbeiter in der Werkstätte Langenegg – ist es, mit seinen einzigartigen Holzfiguren eine kreative Brücke zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen gebaut zu haben. Die “Burki-Männle” sind nicht nur ein Beweis für die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen, sondern haben darüber hinaus als Symbol für Lebensfreude und -qualität inzwischen wahren Kultstatus erreicht. Nicht umsonst war die Kreation von Burkhard Fink auch Modell für das neue Lebenshilfe-Maskottchen “Burki”.

Gastvortrag eines Olympiasiegers
Ein weiteres Highlight des Abends stellte der Gastvortrag von Toni Innauer dar. Der Olympiasieger und Weltmeister im Skispringen referierte über das Thema “Lebenserfolg” und kam dabei auch auf seine persönliche Beziehung zum Thema Behinderung zu sprechen. Innauers Schwester Anna ist mit Trisomie 21 (“Down-Syndrom”) zur Welt gekommen und hat das Familienleben der Innauers und damit auch Toni mitgeprägt. “Menschen mit Behinderungen tragen zur Entschleunigung unseres Lebens bei und zeigen uns durch ihre Lebensfreude immer wieder das ‚typisch Menschliche’. Sie haben die Fähigkeit, sich spontan äußern zu können beibehalten und von der Begegnung mit diesen Menschen können wir alle viel lernen”, erzählte Innauer in seinem “Plädoyer fürs Anderssein”. Bei einer abschließenden Gesprächsrunde diskutierte Innauer mit dem Lebenshilfe-Vorstand das Beziehungs- und Spannungsfeld “Lebenserfolg und Lebensqualität”.

Wechsel in der Geschäftsleitung
Die 40. Jahreshauptversammlung war die letzte unter Geschäftsführer Dr. Heinz Werner Blum, der Ende 2011 – nach über 20 Jahren an der Spitze der Lebenshilfe Vorarlberg – den Ruhestand antreten wird. Bevor er aber die Agenden der Geschäftsführung an seine Nachfolgerin, Mag. Michaela Wagner, abgibt, rückte er in der HTL Dornbirn noch einmal jenen zentralen Themen in den Vordergrund, um die sich auch in Zukunft die Arbeit der Lebenshilfe drehen wird: “Selbstbestimmung und Selbstvertretung der Menschen mit Behinderungen – auch wenn hoher Unterstützungsbedarf gegeben hat – zu fördern, Wahlmöglichkeiten zu bieten und wenn noch nicht vorhanden sie zu schaffen, für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in ihrem Lebensraum zu sorgen und ihnen dabei personenorientierte Begleitung bzw. Betreuung angedeihen zu lassen, das ist der Auftrag, den wir zukünftig zu erfüllen haben. Dann haben wir die Idee der Inklusion verstanden. Dann ist individuelle Lebensqualität in unserem gemeinsamen Lebensraum Vorarlberg keine Utopie mehr.”

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