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2. Hohenemser Literaturpreis verliehen

NR-Präs. Barbara Prammer und Vize-Bgm. Günter Linder mit Eleonora Hummel und Sandra Gugić.
NR-Präs. Barbara Prammer und Vize-Bgm. Günter Linder mit Eleonora Hummel und Sandra Gugić. ©TF
Weitere Bilder von der Verleihung des 2. Hohenemser Literaturpreises

Hohenems. Am vergangenen Samstag wurde im Salomon-Sulzer-Saal der 2. “Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache” verliehen.

Gemeinsam mit der österreichischen Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer überreichte Vize-Bgm. und Kulturstadtrat Günter Linder den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis an Autorin Eleonora Hummel und den Förderpreis in Höhe von 3000 Euro an Sandra Gugić. Die Auswahl der Siegertexte aus 182 Einsendungen hatte eine hochkarätige Jury, bestehend aus den Autoren Anna Mitgutsch, Doron Rabinovici und Zafer Senocak getroffen.

“Dieser Preis hat sich in der kurzen Zeit, in der er existiert, sowohl was die Einsendungen als auch die prämierten Texte angeht, zu einem im wahrsten Sinne europäischen Literaturpreis entwickelt”, meinte Zafer Senocak in seiner Rede zur Preisverleihung, die unter dem Motto “Über den Rand” stand. Aber letztlich gehe es auch hier nur darum, gute Literatur auszuzeichnen, war sich der in Berlin lebende Autor mit türkischen Wurzeln mit Kulturstadtrat Günter Linder einig.

Dieser erinnerte an Leben und Wirken der Hohenemser Grafen sowie an die Emser jüdische Gemeinde als “Migrationsgeschichten und europäische Geschichten”, welche die Stadt prägten – ebenso wie die Arbeitsmigration der letzten Jahrzehnte, die Menschen aus 60 Ländern hierher brachte: “Hohenems ist und war eine plurale Gesellschaft – eine Stadt der Zuwanderung und Abwanderung, eine Stadt im Wandel.”
Das Thema Integration stand auch im Mittelpunkt der Rede von Mag. Barbara Prammer. Integration könne nicht verordnet sondern müsse gelernt und praktiziert werden, meinte die Nationalratspräsidentin, für die der “ziemlich einzigartige” Hohenemser Literaturpreis “weit über Österreich hinausstrahlen wird”. Und für Landtagspräsidentin Barbara Mennel zeichnet der Preis nicht nur die Preisträgerinnen sondern auch die Stadt Hohenems selbst aus. Die musikalische Umrahmung des Festabends, der von Eva Häfele moderiert wurde, besorgte die Pianistin Irene Kilga mit drei Stücken von armenischen Komponisten.

“Genaue Beobachtung und sorgfältige Einfühlung”
Die 1970 in Zelinograd (Kasachstan) geborene und 1982 mit ihrer Familie nach Dresden übersiedelte Eleonora Hummel erhielt den Hauptpreis für ihren Text “Eine Handvoll Laub”. Sie erzählt darin von einer Kindheit in einem sowjetischen Erziehungsheim. Mit unbestechlicher Schärfe beobachtet das Kind seine Umwelt, stoisch erfährt es seine Machtlosigkeit, und macht sich seinen kindlichen Reim auf seine Beobachtungen. Was den Text in besonderem Maß auszeichnet, ist diese Verschränkung eines Einzelschicksals in seiner geschlossenen Welt des Kinderheims mit der politischen Realität der Sowjetunion. In diesem Einzelschicksal werden die Mechanismen eines totalitären Systems sichtbar und nachvollziehbar.

Der Text lebe von der genauen Beobachtung und sorgfältigen Einfühlung in die Figuren, so die Jurorin Anna Mitgutsch, und weiter: “In einem gelungenen literarischen Werk wird das Einzelschicksal auf der Bühne der Weltgeschichte abgehandelt: Das Leben eines Einzelnen wird von den politischen Ereignissen gekreuzt, es wird von ihnen bestimmt, es entfaltet sich durch sie oder wird von ihnen zerstört. Der Roman, der aus dem Textauszug ‘Eine Handvoll Staub’ entstehen soll, lässt große Erwartungen zu.”
Eleonora Hummels erste beiden Romane “Die Fische von Berlin” (2005) und “Die Venus im Fenster” (2009) erschienen im renommierten Steidl Verlag. 2002 wurde sie mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis (Förderpreis) des Landes Baden-Württemberg für Literatur ausgezeichnet, 2006 erhielt sie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis.

“Virtuoses Tempo und musikalische Dynamik
Der diesjährige Förderpreis ging an die in Wien lebende Sandra Gugić, die in “Astronauten” einen Blick auf eine migrantische Großstadtjugend zwischen Langeweile und Rastlosigkeit, Resignation und Zukunftsplänen wirft. “Das virtuose Tempo, die musikalische Dynamik und die lakonische Leichtigkeit der Sprache passen zum Thema, und vom ersten Satz an harmonieren Inhalt und Form”, begründete Doron Rabinovici die Auswahl des Textes für den Förderpreis. “Manche Geschichten machen uns hellhörig und lassen uns aufhorchen, und wenn sie einem dann, wie beim Hohenemser Preis, zunächst anonym begegnen, überkommt mich, den Juror, die Neugier, wer das Stück verfasste, und ich denke mir im Stillen, das hätte ich auch gerne geschrieben”, so Rabinovici abschließend.

Sandra Gugić wurde 1976 in Wien geboren, wo sie heute Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst studiert und als freie Autorin arbeitet. Die literarische Arbeit der jungen Autorin – ihre Muttersprache war zunächst Serbisch – erfährt seit dem Jahr 2008 wiederholte Anerkennung und Publizität: Ihre Arbeiten erschienen unter anderem in der Literaturzeitschrift “kolik”. 2009 war sie Stipendiatin des Literaturkurses anlässlich des Klagenfurter Literaturpreises und erhielt 2010/11 das österreichische, vom bmukk vergebene, Staatsstipendium für Literatur.

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