„Wollen mit Denkmal ein Zeichen setzen“

Von Franz Steiner
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Herbert Pruner, Bürgermeister Markus Linhart, Bischof Benno Elbs.
Herbert Pruner, Bürgermeister Markus Linhart, Bischof Benno Elbs. - © Franz Steiner
In Bregenz entsteht Denkmal für Kriegsdienstverweigerer im Dritten Reich, Standort noch offen.

BREGENZ.  Heute ist die Wehrdienst- und damit die Kriegsdienstverweigerung in Österreich ein gesetzlich geschütztes Recht, in der Zeit des Nationalsozialismus drohte Kriegsdienstverweigerern schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Todesstrafe, die auch in Tausenden von Fällen vollstreckt wurde.

Ca. 30.000 Todesurteile

Geschätzt wird – genaue Zahlen liegen nicht vor – dass die NS-Militärjustiz etwa 30.000 Todesurteile gefällt hatte, wovon etwa 23.000 auch vollstreckt wurden. Geschätzt wird weiters, dass etwa 350.000 bis 400.000 Soldaten während des Zweiten Weltkriegs desertiert sind. Lange Jahre aber galt Fahnenflucht als unehrenhaft, und selbst heute noch mahnt Bürgermeister Markus Linhart bei der Errichtung des in Bregenz geplanten Denkmals für Desserteure Rücksicht auf die Gefühle der Menschen ein, wobei ihn dieses Thema sogar persönlich betrifft: „Mein Vater verweigerte als 16-Jähriger den Eid auf Adolf Hitler und wurde deshalb zum Tode verurteilt – ein Urteil, das zum Glück nicht mehr vollstreckt wurde.

Eid auf Hitler verweigert

Die Bregenzer Max Bonat und Ernst Volkmann hatten weniger Glück. Max Bonat wurde wegen „Fahnenflucht und Kriegsverrat“ am 2. Februar 1945 in Verona hingerichtet. Ernst Volkmann verweigerte aus christlich-religiöser Überzeugung heraus den Fahneneid auf Adolf Hitler. Er wurde deshalb zum Tode verurteilt und am 9. August 1941 in Brandenburg hingerichtet. Max Ibele verließ in Frankreich die Waffen-SS, zu der er zwangsrekrutiert worden war und floh in seine Heimat, wo er im Frühjahr 1945 den Widerstand gegen SS-Einheiten leitete. Dabei wurde er so schwer verwundet, dass er am 9. Mai 1945 seinen Verletzungen erlag.

Gedenkweg in Bregenz

Drei Schicksale, stellvertretend für viele. Ein Gedenkweg in Bregenz erinnert an sie. Ein Gedenkweg, der auf den Bodenseekirchentag von 2002 zurückgeht. Der Leitspruch für diesen Bodenseekirchentag war Vers 5 aus dem 5. Kapitel des Matthäusevangeliums in dem es heißt: „Wohl denen, die keine Gewalt anwenden, denn ihnen wird die Erde gehören“. Auch in der Welt von heute, die von Gewalt nur so strotzt, klingen diese Sätze der Bergpredigt fast schon absurd: Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit führen nach wie vor zu Gewalt und Terror. Man denke nur an die aktuellen Ereignisse in der Ukraine, in Syrien oder dem Sudan.

Im Einsatz für Gerechtigkeit

„Doch zu jeder Zeit gab und gibt es Hinweise, dass Gerechtigkeit möglich ist, gab und gibt es Zeichen, dass es anders sein könnte – nie und nimmer aber ohne jene Frauen und Männer, die um der Menschen willen ihr Leben, ihre Liebe, Hoffen und Glauben eingesetzt haben“, heißt es einleitend zum Gedenkweg in Bregenz, der mit Gedenktafeln und Straßennamen an jene Frauen und Männer erinnert, die in den dunklen Jahren der faschistischen Gewaltherrschaft auf ihre ganz persönliche Art und Weise Zeichen im Sinne und im Geiste der Bergpredigt gesetzt haben.

6000 Menschen eingesperrt

Ernst Volkman, Maria Stromberger, Karoline Redler, Samuel Spindler, Hugo Lunardon, Anton Renz – ihnen wurde mit der Benennung von Wegen und mit Gedenktafeln ein Denkmal gesetzt, der Gedenkweg verbindet diese einzelnen Stationen von der Seekapelle über das Hauptquartier der Gestapo in der Römerstraße bis zum Gefangenhaus in der Oberstadt, wo noch eine Zelle an die dunkle Zeit der Nazi-Diktatur erinnert. Rund 6000 politisch verfolgte Menschen waren damals im heutigen Bundesdenkmalamt eingekerkert worden. Mitglieder der Gedenk-Gruppe stehen für Führungen zur Verfügung, auf Wunsch kann der Gedenkweg auch in eine Stadtführung mit eingebunden werden. Die Broschüren zum Gedenkweg wurden nun neu aufgelegt und werden unentgeltlich – bevorzugt für Lehr- und Unterrichtszwecke – vom Pfarrbüro Mariahilf und im Diözesanhaus in Feldkirch abgegeben. Bischof Benno Elbs, Herbert Pruner und Walter Buder stellten dieser Tage diese Neuauflage vor.

Standort noch offen

Als nächster Schritt ist nun die Errichtung eines Denkmals für Fahnenflüchtige angedacht. Seit einem Jahr arbeitet eine Gruppe an der Realisierung. Heuer, im März/April, ist an die Ausschreibung eines offenen Wettbewerbs gedacht. Vorgesehen ist ein zweistufiger Prozess zur Verwirklichung dieses Denkmals, dessen Standort noch nicht fixiert ist. Budgetiert sind dafür 90.000 Euro – ein Drittel steuert die Stadt Bregenz bei, ein weiteres Drittel das Land Vorarlberg und das restliche Drittel sollte nach Vorstellung der Verantwortlichen von den anderen Städten des Landes kommen. „Mit diesem Denkmal wollen wir ein Zeichen der Gesellschaft setzen“, so der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart. Die Frage, bis wann mit der Realisierung gerechnet werden kann, beantwortet Kulturstadträtin Judith Reichart mit „sobald das Geld dafür da ist“.

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