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"Man wird von Anfang an in ein Chaos geworfen"

Herheim muss mit Lampenfieber fertig werden.
Herheim muss mit Lampenfieber fertig werden. ©APA
Frisch bei den International Opera Awards zum Festspiel des Jahres gekürt, läuft auch der Vorverkauf für die heurige Ausgabe der Bregenzer Festspiele nach Wunsch. Zwei Drittel der 176.000 Tickets für die "Turandot" auf der Seebühne sind bereits gebucht, bei den 7.700 im Festspielhaus für "Hoffmanns Erzählungen" sind es deutlich über die Hälfte, teilten die Organisatoren am Mittwoch in Wien mit.
Richtfest für "Turandot"-Bühne
Die Seebühne von oben
Blick hinter die Kulissen

Jetzt muss nur noch der norwegische Starregisseur Stefan Herheim mit dem Lampenfieber vor seiner ersten Inszenierung von Jacques Offenbachs Werk Herr werden. “Vielleicht schmeiße ich mich in den See”, scherzte er angesichts von “Hoffmanns Erzählungen”, das in seiner Komplexität und Fragmentierung ein Trauma der Operngeschichte sei: “Man wird von Anfang an in ein Chaos geworfen.” Und doch sei er bereits seit seiner Kindheit fasziniert davon, ohne eigentlich zu wissen warum.

“Ich habe Angst vor den Dimensionen”

Und nun wird seine Inszenierung im Festspielhaus gleich fünf Mal gezeigt, während dieser Programmpunkt in den Vorjahren meist nur zwei Mal zu sehen war. Ob er selbst jemals in Bregenz auch auf der Seebühne inszenieren könnte, da bleibt Herheim sehr skeptisch: “Ich habe Angst vor den Dimensionen.” Die entsprächen weder seinen Stärken als Regisseur noch seinen Vorlieben, glaubt der 45-Jährige: “Aber vielleicht werde ich auch mal erwachsen.”

Dass man für das Spiel auf dem See eine gewisse Altersreife brauche, glaubt auch Herheims 65-jähriger Kollege Marco Arturo Marelli: “In seinem Alter hätte ich mich auch nicht getraut.” Nun erarbeitet der Schweizer die “Turandot” in den gewaltigen Dimensionen der Seebühne, für die derzeit 26 Termine programmiert sind. Er wolle dabei vor allem die psychologische Ebene des Stückes in den Vordergrund rücken: “Ich muss eine ganz neue Form finden für ein Kammerstück mit zwei großen Auftritten.” Dass er dabei wie gewöhnlich auch als Bühnenbildner fungiert, mache es nicht unbedingt leichter: “Es ist für mich ein dauernder Kampf – manchmal gibt der Bühnenbildner nach, manchmal der Regisseur.”

Neo-Intendantin Sobotka zufrieden

Zufrieden ist jedenfalls Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka nach dem ersten Termin vor zwei Wochen mit ihrem Projekt Opernatelier. Dabei sollen interessierte Zuschauer den gesamten Entstehungsprozess eines Werkes mitverfolgen können. Die Oper von Komponist Zesses Seglias soll dann “im Idealfall” 2017 in Bregenz ihre Uraufführung feiern. “Zeitgenössische Oper braucht eine zusätzliche Zuwendung ans Publikum”, betonte Sobotka.

Eine weitere Neuerung ist die Verschränkung der Programmschienen, wonach nun die einzelnen Künstler gleich mehrfach zu Ehren kommen. So sind von Puccini, Offenbach oder Peter Eötvös, dessen neues Werk “Der goldene Drache” als Koproduktion mit Frankfurt zweimal in Bregenz zu hören sein wird, auch im Orchesterprogramm Werke programmiert. “Wir wollen gerne eine natürlich Verbindung schaffen”, umriss Sobotka das Vorhaben.

Metzler hofft auf Subventionserhöhung

Weiterhin Hoffnung auf eine Subventionserhöhung hat Festspielpräsident Hans-Peter Metzler, der erneut betonte, dass diese seit 19 Jahren nicht valorisiert worden seien. Bei einem Gesamtbudget von 20 Mio. Euro stammen 5,7 Mio. aus Subventionstöpfen. Nun werde man durch die erhöhte Mehrwertsteuer auf Tickets dem Bund ab der kommenden Ausgabe ja gleichsam ein Plus von 530.000 Euro gewähren. “Ich hoffe, dass das noch vor den Festspielen zurückkommt”, so Metzler.

(APA)

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