In Wien geborener Operndirektor Pereira wird 70

Alexander Pereira feiert am Mittwoch, 11. Oktober, seinen 70. Geburtstag. Als Intendant der Mailänder Scala hat er den Opern-Olymp erklommen. Er ist einer der streitbarsten Charaktere im Opernbetrieb.

Alexander Pereira ist einer der streitbarsten und ungewöhnlichsten Charaktere des Opernbetriebes – ein Wirbelwind, der zwar spät in den Klassikzirkus einstieg, sich aber alsbald zu einem seiner wesentlichen Dompteure aufschwang. Und mittlerweile scheint Pereira mit der Mailänder Scala seinen Olymp erklommen zu haben. Am Mittwoch (11. Oktober) feiert das Energiebündel seinen 70. Geburtstag. Das glamouröse Leben eines Operndirektors war dem am 11. Oktober 1947 in Wien geborenen Pereira dabei nicht in die Wiege gelegt. Schließlich sah die Diplomatenfamilie Pereira, deren Vorfahren im 18. Jahrhundert aus Portugal eingewandert waren, gerne etwas Handfesteres als Berufswahl. Und so ließ sich der junge Alexander auf Wunsch der Eltern neben seinem Gesangsstudium auch in Marketing und Verkauf ausbilden – Rüstzeug, das dem bald 70-Jährigen wohl noch heute gute Dienste leistet.

Pereira begann Laufbahn im Marketing

Es folgte eine Stellung bei der österreichischen Fremdenverkehrswerbung in London und Frankfurt, bevor Pereira danach fast zwölf Jahre für den Olivetti-Konzern tätig war. In Frankfurt verkaufte er Schreib- und Rechenmaschinen, in Berlin war er Geschäftsstellenleiter. Zugleich ließ hier der Schwenk in den Klassikbetrieb nicht mehr lange auf sich warten. So wurde Pereira von 1979 bis 1983 Vorstandsmitglied der Frankfurter Bachkonzerte, die von der Deutschen Bank gegründet worden waren.

Der Wechsel in die Heimatstadt erfolgte dann 1984 als Generalsekretär der Konzerthausgesellschaft. Mit Sinn für Kunst und Kommerz gleichermaßen, gelang es Pereira, die Konzertszene zu modernisieren und junges Publikum zu gewinnen. Alle zwei Jahre veranstaltete er das Internationale Musikfest der Wiener Festwochen. Im neuen Jahrzehnt zog es den Umtriebigen dann aber weiter, und so trat Pereira 1991 seinen neuen Posten als Direktor des Zürcher Opernhauses an – eine Stellung, die er trotz verlockender Angebote bis Ende der Spielzeit 2012 innehatte.

Opernimpresario wurde 2012 zum Intendanten der Salzburger Festspiele

Allerdings war der Opernimpresario bereits 2009 zum Intendanten der Salzburger Festspiele ab 2012 designiert worden. Die mit Spannung erwartete Festspiel-Epoche von Alexander Pereira wurde allerdings eine deutlich kürzere als von vielen erwartet. Zwar hatte er im Einstandsjahr unbestrittene Erfolge wie die Berufung von Cecilia Bartoli als Leiterin der Pfingstfestspiele oder die Etablierung der “Ouverture spirituelle” als Veranstaltungsreihe geistlicher Musik zu verbuchen.

Bereits in seiner Auftaktsaison musste sich der Intendant jedoch ungeachtet aller Erfolge den Vorwurf von mancher Seite gefallen lassen, zu sehr auf Glanz und Glamour zu setzen. Dass Pereira als brillanter Geschäftsmann mit hervorragenden Kontakten zu den Eliten aus Wirtschaft und Kunst auch die Sponsorengelder in Salzburg in neue Höhen trieb, wurde teils kritisiert. Pereiras verfolgter Expansionskurs in punkto Budget stieß im Kuratorium auf Widerstand. Nach längeren Kalamitäten einigte man sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung mit Ende der Festspiele 2014.

Pereira hatte holprigen Start an der Scala

Da war bereits klar, dass Pereira als Intendant an die Mailänder Scala gehen will. Mit Beginn der Saison 2014/15 trat er sein neues Amt auch an – bereits begleitet von einem Disput um die Übernahme von einigen Produktionen der Salzburger Festspiele an das Traditionshaus. Im Konflikt mit dem Aufsichtsrat stimmte Pereira zur Kalmierung zunächst der Verkürzung seines Vertrages auf Ende 2015 zu. Bereits Anfang 2015 bestellte ihn jedoch das Gremium wieder bis 2019.

Nach diesem holprigen Start hat sich Pereira in Mailand aber vollends etabliert. So setzte er sich heuer mit seiner Forderung nach einem umfangreicheren Saisonprogramm durch. So wird das Haus, dessen Gesamtbudget bei 120 Mio. Euro liegt, künftig 15 statt zwölf Opern pro Saison inszenieren. Dabei kann der begnadete Geldauftreiber auch in Italien seine Qualitäten ausspielen. “Die Hälfte meiner Arbeitszeit nutze ich, um Geld zu sammeln”, beschied Pereira im RAI-Radio.

Pereira führt Beziehung mit vier Jahrzehnte Jüngeren

Die Energie gibt dem bald 70-Jährigen wohl auch die Beziehung zur vier Jahrzehnte jüngeren brasilianischen Modedesignerin Daniela de Souza, mit der er bereits elf Jahre zusammen ist. “Sie ist meine härteste Kritikerin. Wenn sie loslegt, verziehe ich mich in ein Winkerl und weine”, meinte der selbst nicht zimperliche Pereira dazu im Interview mit dem “Kurier”. Diese Kritikerin wiederum streute Pereira im selben Gespräch Rosen: “Mit Alexander in ein Geschäft zu gehen ist besser als mit zehn Frauen. Mit ihm kann man super shoppen.” Und auch dafür ist Mailand das richtige Pflaster.

APA/Red.

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