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Zwei Länder, eine Herausforderung

Schwarzach - Wie soll die Altenbetreuung künftig organisiert werden? Norwegen bietet Ansätze.

Eine Vorarlberger Delegation bestehend aus Politikern, Medizinern und Sozialexperten hatte jüngst Pflege- und Altersheime in Norwegen besucht – um einen Einblick in das Sozialsystem im hohen Norden zu erhalten. Doch welches Fazit ziehen Mitglieder der Delegation? Der nachhaltigste Eindruck, der ihm von der Reise geblieben ist, sei folgender, sagte Gemeindeverbands-Präsident Harald Sonderegger: „Dass sich auch eines der reichsten Länder der Welt ganz massiv damit auseindersetzen muss, wie man in Zukunft die Fragen der Altenbetreuung und der steigenden Demenzerkrankungen handhaben kann.“

Dieselbe Herausforderung

Ernst Blum, FP-Abgeordneter, gewann ebenfalls die „Erkenntnis, dass auch die Nordländer intensiv mit der Problemstellung im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft befasst sind“. Denn auch Norwegen — das hatten die Zuständigen vor Ort mehrfach betont – stoße an die Grenzen der finanziellen Belastung. Sonderegger fasst die Reise auch als Bestätigung für den Vorarlberger Weg auf, der von einem hohen Freiwilligen- und Familienengagement gekennzeichnet ist. Der Mediziner Stein Husebø hatte in Bergen festgehalten: „In Norwegen denkt man, dass der Politiker verantwortlich ist für meine Mutter – lasst euch euer Ehrenamt und eure guten Ideen nicht nehmen.“ Norwegen strebt also an, was in Vorarlberg System ist. Dennoch wird Vorarlberg mehr Pflegebetten brauchen, laut Husebø 1600. Sonderegger sagte: „Die Bettenanzahl wird sich dosiert weiterentwickeln müssen, gleichzeitig müssen vorgelagerte Dienste und Familien weiter intensiv gestärkt werden.“

„Voneinander lernen“

Für Stefan Allgäuer, den Geschäftsführer des Instituts für Sozialdienste, ist es „hochinteressant, dass zwar die Systeme in Norwegen und in Vorarlberg sehr hoch entwickelt sind, man aber dennoch voneinander lernen kann.“ Ihn hat in Norwegen vor allem auch die intensive Auseinandersetzung mit „Tod und Sterben“ beeindruckt und die Tatsache, dass in Norwegen Pflegeheime mehr Aufgaben übernehmen: „Sie machen das, was bei uns in Krankenhäusern geleistet wird – und brauchen dadurch weniger Krankenhausbetten.“ Bettina Husebø, die Gattin von Stein Husebø, hatte in Bergen Vergleichszahlen parat. „Die Palliativstation im Krankenhaus“, sagte die deutsche Ärztin, „kostet bei gleichem Angebot dreimal mehr als die im Pflegeheim.“ Ergo ist das auch eine Frage von hohem ökonomischen Belang. Der persönliche Umgang, den in Norwegen Pfleger mit den alten Menschen an den Tag legen, hat positive Auswirkungen. „Studien belegen, dass der persönliche Kontakt Dermenzkranken am besten hilft“, sagt Bettina Husebø. Katharina Wiesflecker, Abgeordnete der Grünen, zog folgenden Schluss: „So wie Norwegen die Familien mehr einbeziehen muss, müssen wir die Familien, insbesondere die pflegenden Frauen, entlasten und Pflege stärker als gesamtgesellschaftliche Verantwortung sehen.“ Und: „Der Pflegeberuf, der einen hohen fachlichen und sozialen Status hat, muss auch bei uns aufgewertet werden.“

Beschäftigungsprojekte

Welches Fazit zieht Landesrätin Greti Schmid? Norwegen versuche, Angehörigenarbeit zu forcieren, sprich pflegende Angehörigen verstärkt einzubinden: „Sie bestätigen also unseren Weg.“ In anderer Hinsicht aber könne man von Norwegen lernen – etwa in der Palliativversorgung, in der Schmerztherapie für Menschen, die sich nicht mehr artikulieren können. Auch die unterschiedlichen Beschäftigungsprojekte, die dementen Senioren in Norwegen geboten werden, seien beeindruckend: „Da sind wir noch ausbaufähig.“

(VN)

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