VCÖ: Radlerrekord für 2011 erwartet

Bereits 130.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger fahren täglich oder mehrmals die Woche mit dem Rad, wie eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt. Die steigenden Spritpreise werden heuer neue Radlerrekorde bringen.

Auf Radfahrer kommen heuer einige rechtliche Änderungen zu. Kritik übt der VCÖ an der geplanten Radhelmpflicht für Kinder. Die TU-Wien bezeichnet die Studie mit der die Einführung argumentiert wird als “wissenschaftlich unhaltbar”.

Immer mehr Vorarlbergerinnen und Vorarlberger treten fleißig in die Pedale. Im Vorjahr fuhren in der warmen Jahreszeit bereits 130.000 täglich oder mehrmals die Woche mit dem Rad, wie eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt. “Damit ist jeder dritte Vorarlbeger ein regelmäßiger Radfahrer. Das Radfahren im Alltag wird immer beliebter”, stellt VCÖ-Experte DI Martin Blum fest. Insgesamt waren im Vorjahr rund 255.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zumindest einmal mit dem Fahrrad im Alltag unterwegs.

Die Bundesregierung hat die Verdoppelung des Radverkehrsanteils als Ziel im Regierungsprogramm verankert. Geplant war mit rechtlichen Änderungen das Radfahren im Alltag zu erleichtern, das nun in Form einer StVO-Novelle vorliegende Ergebnis enthält jedoch neben Positivem auch einige Hürden. “Positiv ist die Aufhebung der Radwegbenützungspflicht. Geübte Radfahrer sollen, wenn sie wollen, die normale Fahrbahn benützen können. Da durch die steigenden Spritpreise heuer zahlreiche Autofahrer auf das Fahrrad umsteigen werden, braucht es auf den Radwegen mehr Platz für die Umsteiger”, betont VCÖ-Experte Blum. Auch die Einführung der Fahrradstraße, die bereits vom ehemaligen Umweltminister und jetzigen Vizekanzler Josef Pröll im Masterplan Radverkehr gefordert wurde, wird vom VCÖ begrüßt.

Auf Kopfschütteln bei Fachleuten stößt der Plan, die vorgezogenen Haltelinien bei Kreuzungen in Zukunft ausschließlich für Motorräder zu reservieren. “Viele Städte haben die vorgezogenen Haltelinien für Radfahrer eingeführt, um Radfahren sicherer zu machen. Jetzt müssten die Städte um teures Geld die Bodenmarkierungen ändern”, so VCÖ-Experte Blum. Das energieeffiziente, klimafreundliche Fahrrad soll laut vorliegendem Entwurf Nachrang gegenüber einem Verkehrsmittel bekommen, das laut ist und viele Schadstoffe in die Luft bläst.

Auf große Ablehnung stößt auch die geplante Einführung der Radhelmpflicht für Kinder. Die der Einführung zugrunde liegende Studie wird von der TU-Wien als “wissenschaftlich unhaltbar” bezeichnet. “Die EU-Kommission hat im Vorjahr geprüft, ob sie die Einführung einer Radhelmpflicht vorschlagen soll. Es wurden die vorliegenden Studien evaluiert. Das Ergebnis: Die Radhelmpflicht hat keine positive Wirkung für die Verkehrssicherheit. Erfahrungen aus Ländern mit Radhelmpflicht zeigen, dass es zahlreiche negative Seiteneffekte gibt”, so VCÖ-Experte Blum. In Australien ist der Radverkehrsanteil bei Kindern nach Einführung der Helmpflicht um 44 Prozent gesunken, was angesichts des zunehmenden Bewegungsmangel von Kindern fatal ist. Eltern drohen durch die Helmpflicht rechtliche Probleme. So werden Versicherungen verstärkt die Möglichkeit eines Regresses nutzen.

Die Wirkung der Radhelmpflicht für die Verkehrssicherheit ist aus mehreren Gründen zweifelhaft. Im Jahr 2009 wurden in Österreich 138 Kinder unter zehn Jahren beim Radfahren verletzt. Die vorläufigen Unfallzahlen für das Jahr 2010 zeigen, dass es im Vorjahr einen weiteren Rückgang um rund zehn Prozent gab, so der VCÖ. “Der Großteil der Radstürze bei denen Kinder verletzt werden, passieren auf Spielplätzen, im Hof von Wohnanlagen oder im Garten zu Hause”, macht VCÖ-Experte Blum aufmerksam.

Helmtragemoral ist in Österreich bereits hoch – 87 Prozent der kleinen Kinder tragen beim Radfahren einen Helm. Der VCÖ fordert statt einer Radhelmpflicht Radfahrtrainings, die für Kinder über Kindergärten und Volksschulen angeboten werden. “Ein Helm verhindert keinen Sturz und keinen Unfall. Radfahrtrainings hingegen schon”, so VCÖ-Experte Blum. Um generell die Verkehrssicherheit von Kindern zu erhöhen, fordert der VCÖ eine kindgerechte Verkehrsplanung.

Der VCÖ hat eine Online-Petition “Kindgerechter Verkehr statt Radhelmpflicht” im Internet unter www.vcoe.at/radfahren gestartet. Bereits mehr als 1.100 Personen haben die Petition unterstützt.

 

Wer wie häufig im Jahr 2010 auf Alltagswegen radelte

  • Täglich oder mehrmals die Woche: 130.000 Mehrmals im Monat: 60.000
  • Seltener: 65.000
  • Summe: 255.000, Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2011

 

Neun von zehn Kindern tragen bereits Radhelm (Entwicklung Radhelmquote in Österreich)

  • Jahr 2009: 87 Prozent J
  • ahr 2006: 60 Prozent
  • Jahr 2001: 43 Prozent
  • Jahr 1996: 28 Prozent
  • Jahr 1994: 19 Prozent, Quelle: bmvit, VCÖ 2011

 

Beim Radfahren verletzte Kinder im Alter  unter 10 Jahren (in Klammer Prozent aller in diesem Alter im Straßenverkehr verletzten Kinder)

  • Jahr 2009: 138 (9,4 Prozent)
  • Jahr 2008: 142 ( 9,0 Prozent)
  • Jahr 2007: 155 ( 9,6 Prozent)
  • Jahr 2006: 149 (8,7 Prozent)
  • Jahr 2005: 170 (9,5 Prozent), Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2011
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