USA: Soldatin England schuldig gesprochen

Im Militärprozess um die Häftlingsmisshandlungen im irakischen Gefängnis von Abu Ghraivb ist die US-Soldatin Lynndie England am Montag in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen worden.

Die 22-Jährige musste sich wegen der Misshandlung von Gefangenen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zum zweiten Mal vor einem Kriegsgericht verantworten. Sie war auf einigen der Bilder zu sehen, die um die Welt gingen, wie sie lächelnd neben misshandelten irakischen Gefangenen posiert.

Militärsprecher James Wittmeyer in Fort Hood (Texas), wo das Verfahren in der vergangenen Woche begonnen hatte, bestätigte, dass eine fünfköpfige Geschworenenjury die junge Frau nach nur kurzer Beratung in sechs von sieben Anklagepunkten für schuldig befunden habe. Ihr drohen nun bis zu zehn Jahre Haft. Das Strafmaß, über das dieselbe Jury entscheidet, könnte bereits an diesem Dienstag verkündet werden. England wurde in einem Punkt der Verschwörung, in vier Punkten der Misshandlung von Gefangenen sowie in einem Punkt einer obszönen Handlung schuldig befunden. Ein zweiter Vorwurf der Verschwörung wurde fallen gelassen.

Die US-Soldatin gilt als zentrale Figur in dem Skandal: Sie ist auf vielen der im vergangenen Jahr veröffentlichten Misshandlungsbilder zu sehen, die weltweit Abscheu auslösten. In einem Fall etwa führt sie einen kriechenden Häftling an einer Hundeleine.

Englands Prozess ist der letzte von einer ganzen Serie gegen neun Heeresreservisten, die im Zusammenhang mit den Misshandlung von Abu Ghraib angeklagt wurden. Zwei wurden verurteilt, sechs einigten sich mit der Militärstaatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen England musste noch einmal komplett neu aufgerollt werden, weil Richter Oberst James Pohl einen Widerspruch zwischen der Aussage des in dem Folterskandal als Hauptangeklagten zu zehn Jahren Haft verurteilten James Graner und Englands Schuldeingeständnis feststellte. Graner, der nach Englands Angaben Vater ihres Babys ist, hatte erklärt, die Fotos mit der Soldatin seien zu Ausbildungszwecken gemacht worden. England hatte dagegen erklärt, sie seien ausschließlich zur Belustigung der Gefängnisaufseher gemacht worden. Vor Beginn des Prozesses ließ Pohl dann aber eine frühere Aussage der Angeklagten zu, in der diese sich selbst belastet.

In dem fünftägigen Prozess hatte die Verteidigung England als eine leicht beeinflussbare Frau mit psychischen Problemen seit ihrer Kindheit porträtiert. Sie sei insbesondere unter dem Einfluss ihres Kameraden und damaligen Geliebten Charles Graner gestanden. Graner war bereits im Mai wegen seiner Rolle im Abu-Ghraib-Skandal zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte Lynndie England aus freien Stücken und schlicht aus Spaß an der Quälerei.

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