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Tonnenschwere Glückseligkeit

Satteins - Mateo, Anna und Paulina lieben ihr Zuhause in Satteins. Denn die drei Kinder wachsen in einem ökologisch gebauten Haus auf.
Zuhause bei Familie Fraisl

Zwanzig Tonnen sind jede Menge Holz. So viel wiegt etwa ein ausgewachsener Wal. Oder 20 Elefantenbullen oder 30 Renault Clios. 20 Tonnen sind also wahrlich eine jede Menge Holz. Auch wenn es sich im Fall von Doris und Martin Fraisl nicht um Holz, sondern um Lehm handelt.

Kaum zu glauben also, dass so viel Gewicht am Haus der fünfköpfigen Familie in Satteins klebt. Das junge Ehepaar hat sich bewusst für diesen Naturbaustoff entschieden, war es doch für sie wichtig, ihr Haus nach ökologischen Prinzipien zu errichten. Das markanteste Teil aus Lehm ist eine gut 25 Zentimeter dicke Wand, die sich wie ein roter Faden vom Esszimmer im Erdgeschoss bis zu den Schlafräumen ins Obergeschoss zieht. Sie gibt der 130 Quadratmeter großen Wohnfläche Struktur und wirkt durch wiederholende und verschiedenfarbige Schichtmuster, die durch das Stampfen entstanden sind, äußerst edel.

Das Gemisch aus Sand, Schluff und Ton ist jedoch nicht nur äußerlich eine anspruchsvolle Lösung. Im Innenbereich strahlt der natürliche Baustoff durch seine feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften eine wohlig angenehme Atmosphäre aus. Lehmputz hat die Eigenschaft, einen Klimapuffer an der Wand zu bilden, der Feuchte aufnimmt und sie bei Bedarf wieder abgibt. Doris Fraisl gerät in Schwärmen, wenn sie über die Wandverkleidung spricht. „Beim Duschen etwa läuft nicht einmal der Spiegel an, weil die Feuchtigkeit durch den Lehm aufgenommen wird“, betont die 35-jährige Grafikerin. Und selbst der Keller wurde mit Lehm verputzt. Auch ihre drei Kinder Anna (8), Mateo (5) und Paulina (2 1/2) möchten die besondere Atmosphäre nicht mehr missen. „Endlich zu Hause“, sagte etwa die kleine Paulina einmal, als die Familie nach einem zweitägigen Urlaub wieder in ihr Reich zurückkehrte. Das Haus wurde in einen Hang gebaut und weist deshalb verschiedene Ebenen auf.

Die ökologische Bauweise, die sich bei den Dämmmaterialien aus Hanf und Zellulose sowie dem Lärchenriemenboden fortsetzt, passt zur Naturverbundenheit der Familie Fraisl. So liebt Ehemann und Vater Martin das „Gärtla“ über alles. Tochter Anna hat die Leidenschaft des 38-jährigen Angestellten bereits voll übernommen. Die Älteste der drei Kinder ist stolz auf ihr eigenes Gemüsebeet, in dem der Salat, Zwiebel, Radieschen und Brokkoli bereits kräftig sprießen. Die Achtjährige hat auch ihre Lieblingsblume. „Das tränende Herz“, sagt sie. Eine pinkfarbene Schönheit, die wegen ihrer Herzform und einer darunterhängenden weißen Blüte, die wie eine Träne aussieht, zu ihrem Namen kam.

Selbst haben die fünf Fraisls jedoch keinen Grund zur Traurigkeit. Vielmehr lacht das Herz, wenn Monika über den Bau des exponiert gelegenen Hauses erzählt. Die tonnenschwere Glückseligkeit breitet sich sichtbar über das ganze Anwesen aus. Sie ist mindestens 20 Tonnen schwer.

DATEN & FAKTEN

Einfamilienhaus in Satteins,
Doris und Martin Fraisl mit Anna (8), Mateo (5) und Paulina (2 1/2) Jahre

Wohnfläche: 130 m²

Keller: 70 m²

Grundstücksfläche: 700 m²

Architektur: Lang Vonier Architekten, Christian Vonier, Architekt Dipl. Arch. FH; www.lang-vonier.com

Planungszeit: ein Jahr

Bauzeit: ein Jahr

Baubeginn: Juni 2006

Energie: Erdwärmepumpe, Lehm-Kachelofen

Konstruktion: Das Haus der fünfköpfigen Familie steht am oberen Ortsrand von Satteins. Der Baukörper in Mischbauweise entwickelt sich terrassenförmig entlang der vorgegebenen Hanglinie. Das Untergeschoss mit Garage und Nebenräumen wurde in Stahlbeton ausgeführt. Darüber erhebt sich das Erdgeschoss mit dem Wohn-und Esszimmer, der Küche und dem Eingangsbereich auf verschiedenen Niveaus. Große Glasflächen Richtung Süden zollen der Lage des Gebäudes ihren Tribut. Das Obergeschoss beherbergt die Schlaf- und Kinderzimmer. Als Außenhaut wurde hier ein Holzschirm gewählt, der durch seine Formund Farbgebung den weithin sichtbaren Baukörper prägt. Der Ausbau in Lärchenholz, flankiert von Lehmputzwänden und Holzfußböden, bestimmt das Gebäudeinnere.
(VN/ Leben&Wohnen)

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