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Tausende Kinder in Österreich erleben Gewalt und Missbrauch

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11.000 Kinder in Österreich wachsen nicht bei ihren Eltern, sondern in Kinderdörfern, bei Pflegeeltern oder in Wohngemeinschaften auf. Insgesamt leben 34.000 Minderjährige in Krisenfamilien. "Die Dunkelziffer bleibt rabenschwarz".

Das sagte Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf bei einem Expertengespräch im Rahmen der Buchpräsentation “Kindsein zwischen Leben und Überleben” am Donnerstag in Wien. 15 Lebensgeschichten von Kindern skizzieren ein düsteres Bild von Kindheit mit Gewalt, Missbrauch, Armut oder Sucht.

Jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebente bis achte Bub in Österreich werden in ihrer Kindheit sexuell missbraucht. Das Durchschnittsalter der missbrauchten Kinder beträgt ungefähr elf Jahre, fast die Hälfte der Täter sind Vaterfiguren oder Verwandte.

Laut der letzten vom Bundesministerium 1991 in Auftrag gegebenen Gewalt-Studie geben ungefähr 30 Prozent der Eltern ihren Kindern häufiger Klapse oder Ohrfeigen. Fünf bis sieben Prozent greifen häufiger zu schweren Gewaltmitteln (Tracht Prügel oder Schlagen mit Gegenständen). Nur zehn Prozent der Eltern verzichten gänzlich auf Gewalt.

In Österreich gibt es keine Studien über das Ausmaß an Gewalt in der Familie, kritisierte die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits. Ohne Zahlen sei auch die Unterstützung schwierig. Pinterits forderte, dass Kinderrechte endlich in der österreichischen Verfassung verankert werden müssen. Außerdem fehlen Therapieplätze für Kinder. Laut Moser wäre es auch höchst an der Zeit, dass sich das Parlament zumindest einmal jährlich mit dem Bericht über Kindheit in Österreich beschäftigt.

Gewalttaten gegen Kinder im Familienkreis gelangen den Autoren zu Folge selten zur Anzeige. In der Anzeigenstatistik (2006) finden sich “nur” rund 300 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren, die Opfer einer leichten Körperverletzung (z. B. Bluterguss, Prellung) durch ein Familienmitglied wurden. Die angezeigten Fälle sind offenbar nur die “Spitze des Eisberges”.

In 66 Analysen und Kommentaren erfährt man im Buch von Experten aus dem psychosozialen Bereich Hintergründe, Zusammenhänge und Möglichkeiten der Verarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse. So sind laut Alexandra Puhm, Expertin für das Thema “Alkohol in der Familie” beim Anton-Proksch-Institut, 100.000 österreichische Kinder mit einer Alkoholerkrankung von Mutter und/oder Vater konfrontiert. Damit gehen oft auch Gewalt und Missbrauch einher, meinte die Expertin. Das Risiko selbst eine Suchterkrankung oder andere psychische Probleme zu entwickeln, sei hoch.

(S E R V I C E – “Kindsein zwischen Leben und Überleben”, Hrsg. SOS-Kinderdorf, Studienverlag 2009. Erhältlich ab 27. Februar 2009 im Buchhandel für 16,90 Euro.)

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