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Stemer zu Türkisch-Unterricht: "Kein Umfaller"

Landesrat Siegi Stemer (V) stellte sich einem "VN"-Interview zur Diskussion über den freiwilligen Lehrgegenstand "Einführung in die türkische Sprache und Kultur" an der Pädak Feldkirch.

VN: Ein Tag nach Bekanntwerden des für Junglehrer verpflichtenden Türkisch-Pilotversuchs wird die Teilnahme freiwillig. Was ist wirklich passiert, Herr Stemer?

Stemer: Es ist die erste Hälfte eines Pilotprojektes, das da heißt „Einführung in die türkische Sprache und Kultur”, zu Ende. Heute beginnt gerade zufällig die zweite Hälfte, die wir für die Teilnehmer freiwillig gestalten, um dann nach Ablauf des zweiten Moduls vergleichen zu können.

VN: Als Vorsitzender des Kuratoriums der PädAk haben Sie ein Wörtchen mitzureden. Warum haben Sie jetzt die Hebel über Nacht umgelegt?

Stemer: Es geht nicht um eine Hebelumlegung, es gilt Missverständnisse auszuräumen. Wenn die Vorgänge aber von Ihnen so interpretiert werden, dass man der Aufregung Rechnung getragen hat – dann will ich das gar nicht in Abrede stellen. Was mir weh tut, ist, dass dieses vielfach falsche Medienecho schwer korrigierbar ist. Ziel ist und bleibt, dass Migrantenkinder so rasch wie möglich Deutsch können müssen.

VN: Das alles klingt nach einem Rückzieher, einem klassischen Umfaller.

Stemer: Nein, da widerspreche ich. Der Kurs ist aufgrund verschiedener Überlegungen nun freiwillig. Da zählte auch das Argument, dass nach Ablauf des Semesters die zwei Handhabungen verglichen werden können, um zu wissen, wie künftig vorgegangen wird. Wenn für Sie stehen bleibt, dass ein Hebel umgelegt wurde, dann ist das die Erklärung.

VN: Wussten Sie zuvor gar nichts von dem verpflichtenden Türkisch-Pilotprojekt?

Stemer: Da will ich ganz offen sein. Ich kann bei deutlich über 100 Studienangeboten und den weiteren Angeboten in der Lehreraus- und -fortbildung nicht jedes Einzelne detailgenau kennen. Wissentlich habe ich das nicht mitbekommen, ich schließe natürlich nicht aus, dass das in Unterlagen vermerkt war.

VN: Sie haben den Zündstoff sofort entschärft. Kann dieses Thema in Vorarlberg nicht zu Ende diskutiert werden?

Stemer: Das Thema wird selbstverständlich durchdiskutiert. Es geht darum, dass Migrantenkinder so rasch wie möglich deutsch lernen. Dazu ist eine Hintergrunddiskussion über die Kultur der Migrantenkinder ein hilfreiches Handwerkszeug.

VN: Hätten Sie nicht mit diesem Echo rechnen müssen?

Stemer: Das glaube ich nicht. Wäre die Meldung hinausgegangen, dass an der Pädak eine Wochenstunde „Türkische Sprache und Kultur” im dritten Semester angeboten wird, dann hätte sich kein Mensch dafür interessiert.


Türkisch nicht mehr als Pflicht

Weiterhin 16 Stunden Türkisch für angehende Volksschullehrer – aber jetzt freiwillig.

Angehende Volksschullehrer können an der Feldkircher PädAk seit gestern selbst entscheiden, ob sie einen 16-Stunden-Türkisch-Schnellsiedekurs machen wollen – oder nicht. Kurz nach 11 Uhr teilte LR Siegi Stemer per Aussendung mit, dass der Unterricht ab sofort nicht mehr verpflichtend, sondern „als freiwilliges Modul” angeboten werde. Der 1. Pilotversuch sei abgeschlossen. PädAk-Direktor Ivo Brunner bestätigt auf „VN”-Anfrage, die Studenten im ersten Halbsemester hätten die 16 Türkisch-Stunden bereits abgeschlossen, die zweite Lerngruppe starte per 1. Dezember nun auf freiwilliger Basis.

Plötzliche Wende

„Dieser Schritt basiert auf dem Medienecho und den Anregungen aus der Politik”, argumentierte Ivo Brunner. Es handle sind bei der PädAk schließlich um „eine lernende und flexible Einrichtung”, so der Direktor. Also ein Rückzieher? „Es ist kein Rückzieher, weil es fachlich genau beim Selben bleibt, nur eben auf freiwilliger Basis.” Er will das als Schritt nach vorne verstanden wissen.

„Lehrer, die Kinder türkischer Herkunft in ihrer Sprache begrüßen und wichtige Anliegen in Grundzügen verstehen können, sind wichtig für die Öffnung für die neue Sprache und die damit verbundene Lebenswelt”, begrüßt Eva Grabherr von „okay. zusammen leben” den Grundlagenkurs.

Am Donnerstag fand in Feldkirch die erste – freiwillige – Vorlesung in „Einführung in die türkische Sprache und Kultur” statt. „Bei hundertprozentiger Anwesenheit der Studierenden”, so Direktor Brunner.

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