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SPÖ Vorarlberg: Michael Ritsch tritt als Parteichef zurück

Michael Ritsch wurde Ende Juli an den Bandscheiben operiert
Michael Ritsch wurde Ende Juli an den Bandscheiben operiert ©VOL.AT
Bregenz - Der langjährige SPÖ-Landesparteivorsitzende Michael Ritsch hat am Freitag seine Funktion mit sofortiger Wirkung zurückgelegt. Ritsch begründete diese Entscheidung mit seinem gesundheitlichen Zustand.

Seine Nachfolge tritt die bisherige Stellvertreterin Gabi-Sprickler-Falschlunger an. Im Hypo-Untersuchungsausschuss beerbt Geschäftsführer Reinhold Einwallner Ritsch als Vorsitzenden.

Einen entsprechenden Antrag bezüglich Hypo-Ausschuss wird der SPÖ-Landtagsklub am kommenden Mittwoch einbringen. Klubobmann will der seit Ende Juli an den Folgen einer Bandscheibenoperation laborierende Politiker bleiben, teilte die SPÖ in einer Aussendung mit.Ritsch wurde Ende Juli operiert. Bei der Operation mussten zwei Bandscheibenprothesen eingesetzt werden. Der Eingriff sei kompliziert gewesen und erfordere eine “weit längere Genesungsdauer als geplant”. “Ich bin aufgrund dieses schweren Eingriffs stark gehandicapt”, begründete Ritsch seine Entscheidung.

“70 Stunden pro Woche nicht mehr möglich”

Bereits drei Wochen hat Ritsch nach seiner Operation im Krankenhaus verbracht, weitere vier auf Reha. Langes Stehen und Sitzen sei ihm nach wie vor ärztlich untersagt, bis die Bandscheibenprothesen vollständig eingewachsen seien, dauere es voraussichtlich noch bis Februar 2017, betonte der Sozialdemokrat. Darum sei es “in den kommenden Monaten nicht mehr möglich, wie bisher bis zu 70 Stunden pro Woche zu arbeiten und die Vielzahl an Aufgaben zu 100 Prozent zu erledigen”.

Der 48-Jährige sprach seiner Nachfolgerin Sprickler-Falschlunger sein volles Vertrauen aus. Mit ihr übernehme eine “sehr erfahrene Politikerin” den Landesparteivorsitz. Die Dornbirner Ärztin wird sich auch beim Parteitag im März 2017 als Kandidatin der Wahl zur Vorsitzenden stellen. Die 60-Jährige tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters Karl Falschlunger, der dieses Amt von 1993 bis 1995 innehatte.

Ritsch bleibt Klubobmann und Stadtrat

Ritsch selbst will sich künftig auf seine Funktion als SPÖ-Klubobmannes und als Bregenzer Sportstadtrat konzentrieren, bei der Landtagssitzung am kommenden Mittwoch werde er aber noch nicht anwesend sein können.

Ehemalige Zukunftshoffnung ohne Erfolg

Im November 2007 hatte er das Ruder der Partei als größte Zukunftshoffnung der SPÖ seit vielen Jahren übernommen. Ein politischer Höhenflug gelang Ritsch jedoch nicht, stattdessen setzte es bei Wahlen viele Ohrfeigen. In Erinnerung bleiben wird Ritsch für seine Zwergenkampagne.

Mit den als Wahlwerbefiguren verwendeten Gartenzwergen aus dem Landtagswahlkampf 2014 schaffte es Ritsch sogar ins internationale Rampenlicht, berichtete doch die Internet-Ausgabe der “Washington Post” unter dem Titel: “400 gnomes disappeared in Austria, and it’s causing a political scandal”. Erfolg brachte ihm die Kampagne keinen. Obwohl die Wahlkampfstrategie allseits sehr gelobt wurde, stürzte die Vorarlberger SPÖ in die Einstelligkeit ab – am Ende resultierten 8,77 Prozent Stimmenanteil (nach 10,02 Prozent im Jahr 2009).

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Dabei hatte für Ritsch alles so gut begonnen. Als ausgebildeter Gendarm heuerte er schon früh bei der Gewerkschaft an, mit nur 22 Jahren wurde er Stadtvertreter in seiner Heimatstadt Bregenz. Fünf Jahre später stieg der mit Alfred Gusenbauer gut befreundete Ritsch in den Bregenzer Stadtrat auf, 2004 wurde er in den Landtag gewählt. Seine politische Sternstunde aber schlug 2005 bei den Vorarlberger Gemeindevertretungswahlen. Dort unterlag Ritsch bei der Bürgermeisterwahl letztlich nur hauchdünn dem Amtshinhaber Markus Linhart (ÖVP), der heute noch Stadtoberhaupt ist. Dennoch hatten die Ländle-Sozialdemokraten nach vielen Jahren des Darbens endlich wieder einen Top-Kandidaten in ihren Reihen gefunden.

Im falschen Bundesland geboren?

Ritsch entpuppte sich über die Jahre hinweg als brillanter Rhetoriker und unerschrockener Kämpfer gegen die vermutete Allmacht der Vorarlberger ÖVP. Der nicht uneitle aber sehr umgängliche Ritsch beharrte auf seinen Themen, Soziales und Wohnbau standen im Mittelpunkt – und eilte von Misserfolg zu Misserfolg. Manche Beobachter stuften seine Politik als “zu links” ein, um damit in Vorarlberg reüssieren zu können. Andere merkten an, Ritsch sei einfach nur im falschen Bundesland geboren worden – und hätten ihm in anderen Bundesländern (mit größerer SPÖ-Tradition) Riesenerfolg zugetraut.

In Vorarlberg jedoch tickten die Uhren anders. Nach der Landtagswahl 2009 wäre Ritsch bereit gewesen, seinen Hut zu nehmen, aber es gab keinen Nachfolger. Trotz aller politischen Schwierigkeiten ließ Ritsch sich gute Laune und Humor aber nicht verderben. Vielmehr schärfte er seine Positionen und befreite sich von innerparteilichen Zwängen. So kümmerte er sich nicht um das Wohlbefinden der großen Koalition auf Bundesebene und sagte stattdessen seine Meinung. Letztlich trug er sehr zum Abgang von SPÖ-Chef Werner Faymann bei, mit dem er gar nicht konnte.

Obwohl Ritsch in der Vorarlberger SPÖ in den vergangenen Monaten mehr Gegenwind als zuvor zu spüren bekam, wollte er den Parteivorsitz zuletzt nicht abgeben. Besonders der kürzlich von ihm initiierte Untersuchungsausschuss zu den Offshore-Geschäften der Hypo Vorarlberg schien sich als schwere Hypothek für Ritsch zu erweisen – blieben schwerwiegende Ergebnisse doch bisher aus. In das zweite Glied der Politik zwang Ritsch letztlich aber seine Gesundheit. Nach einer schwierigen Bandscheibenoperation fehlt Ritsch zumindest über Monate hinweg die Fitness, die ein Parteichef braucht.

Zur Person:
Michael Ritsch
Geboren am 9. Juli 1968 in Bregenz
Gelernter Beruf: Gendarm
Seit 1995 Stadtrat in Bregenz, seit 2004 Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag, ab 2007 Partei- und Klubchef der SPÖ
Ritsch ist wiederverheiratet und Vater von zwei Töchtern

ÖVP: “Entscheidung ist zu respektieren”

Der Rücktritt von Michael Ritsch ist für VP-Klubobmann Roland Frühstück nachvollziehbar und zu respektieren. “Die Gesundheit hat immer Vorrang. Daher ist die getroffene Entscheidung konsequent. Ich wünsche ihm auf diesem Weg gute Besserung!”

Der von Seiten der Sozialdemokraten gewünschte Vorsitzwechsel im U-Ausschuss von Michael Ritsch zu Reinhold Einwallner wird von Seiten der Vorarlberger Volkspartei mitgetragen werden. “Die Sozialdemokratie hat den Ausschuss beantragt. Es liegt an ihr, einen neuen Vorsitzenden vorzuschlagen, damit die Arbeit im Ausschuss weitergeführt werden kann”, so Roland Frühstück abschießend.

Auch NEOS respektieren Schritt von Ritsch

Auch NEOS-Landessprecherin Sabine Scheffknecht zeigt Verständnis für den Rücktritt des SPÖ-Landesvorsitzenden Michael Ritsch: “Wir respektieren seine persönliche Entscheidung und wünschen ihm eine schnelle Genesung. Gabi Sprickler-Falschlunger ist die richtige Wahl für die Position”, betont Scheffknecht und wünscht der neuen Landesvorsitzenden alles Gute.

Grüne: “Verständnis für diesen Schritt”

“Ich wünsche Michael Ritsch vor allem eines: Gute Besserung und vollständige Genesung. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was derartig gravierende gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Politik bedeuten. Deshalb ist der Schritt von Michael Ritsch, der ihm sicher sehr schwer gefallen ist, nachvollziehbar“, so Grünen-Landessprecher Johannes Rauch. „Ich habe viele Jahre in der Opposition mit Michael Ritsch gut zusammengearbeitet. Deshalb an dieser Stelle noch einmal meine besten Wünsche an Michael Ritsch”, so Rauch abschließend.

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