Rotkreuz-Emblem wurde schon öfters missbraucht

Das Emblem des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wird immer wieder missbraucht - in bewaffneten Konflikten, aber auch in innenpolitischen Auseinandersetzungen und geriet sogar in einen James Bond-Film.
Kolumbien mißbraucht Rot-Kreuz-Symbol 

Zuletzt hatte die kolumbianische Regierung eingestanden, das Rotkreuz-Emblem bei der spektakulären Aktion zur Befreiung von Ingrid Betancourt und 14 weiterer Geiseln aus der Hand von FARC-Rebellen verwendet zu haben.

Das Rotkreuz- (respektive Halbmond- oder Kristall-) Symbol darf gemäß der Genfer Konventionen nur verwendet werden, um Opfer in bewaffneten Konflikten zu schützen. Sein Missbrauch (oder der eines anderen international anerkannten Schutzzeichens) ist ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.

Werden solche Symbole zum Transport oder zur Tarnung von Soldaten oder militärischer Ausrüstung verwendet, ist dies ein Verstoß gegen die Zusatzbestimmungen von 1977 des Genfer Abkommens und gilt als Heimtücke. Es könne sogar laut IKRK als Kriegsverbrechen behandelt werden.

Vor allem in Bürgerkriegen werden aber immer wieder Fahrzeuge oder Helikopter mit Rotkreuz-Emblem für Truppen- oder Waffentransporte missbraucht – so in den mittelamerikanischen Konflikten der 80er Jahre. Auf Bildern des US-amerikanischen Magazins “Newsweek” waren 1987 drei Offiziere der rechten Contra-Rebellen zu sehen, die aus einem Helikopter mit Rotem Kreuz stiegen. Dieser transportierte militärische Güter und elektronische Ausrüstungen zu den Contras in Nicaragua.

Auch im Balkan-Bürgerkrieg 1991/92 wurde das IKRK-Wahrzeichen mehrfach missbräuchlich verwendet. Die Konfliktparteien versahen Fahrzeuge und Helikopter damit. Der Angriff auf einen IKRK-Konvoi im Mai 1992 bei Sarajevo, bei dem ein Delegierter ums Leben kam, ist womöglich darauf zurück zu Führen, dass die Konfliktparteien nicht mehr zwischen “echten” und “falschen” Rotkreuzfahrzeugen unterschieden haben. 1998 sollen serbische Truppen von Helikoptern mit Rotkreuz-Zeichen auf Flüchtlinge geschossen haben.

Missbräuche gab es in den 90er Jahren auch in den Bürgerkriegen und Unruhen im Kaukasus und in den zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken. Milizen und Zivilisten missbrauchten hier das Emblem, um im Schutz des Roten Kreuzes in Ruhe ihrer Tätigkeit nachgehen zu können.

Auch im Bürgerkrieg im westafrikanischen Sierra Leone sollen Rebellen in einem Helikopter mit illegalem Rot-Kreuz-Emblem Waffen transportiert haben. Das IKRK kann in solchen Fällen lediglich protestieren und die Konfliktparteien auf die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts aufmerksam machen. An die Genfer Konvention erinnerte das IKRK auch 1987, als im 15. Bond-Film “The Living Daylights” (Der Hauch des Todes) das Rotkreuz-Symbol missbraucht wurde. Darin wurden Rotkreuz-Pakete gezeigt, in denen Opium geschmuggelt wurde. Und ein “Agenten- Überläufer” wurde von einem Rotkreuz-Helikopter an Bord genommen.

2002 protestierten das IKRK und das Schweizerische Rote Kreuz gegen die Verwendung des Rotkreuz-Emblems für politische Propaganda: Im Abstimmungskampf um den UNO-Beitritt der Schweiz hatte das gegnerische Komitee Plakate mit dem Slogan “Ja zum Roten Kreuz – Nein zur UNO und zum Krieg”, die einen Jeep des IKRK in Afghanistan zeigten, aufgehängt.

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