Mordversuch im Pilz-Rausch

Feldkirch - Das erste Schwurgericht im Jahr 2009 steht am 23. Jänner ins Haus. Auf der Anklagebank sitzt jener junge Mann, der im Juni versucht haben soll, einen Landsmann zu ermorden.

Mit vier Messerstichen im Rücken fand sich das Opfer in der eiskalten Ill wieder. Der Abend des 25. Juni beginnt harmlos. In der Halbzeitpause des Europameisterschaftsspieles Deutschland – Türkei trifft das spätere Opfer die Familie des Angeklagten. Man unterhält sich. In der Nähe der Firma Suchard sei der Beschuldigte erstmals ausgerastet und habe seinem Landsmann einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Ein Streit entbrannte. „Der Beschuldigte würgte sein Opfer, bis dessen Stimme versagte“, so die Anklage. Danach gingen die beiden weiter zum Böschungsdamm der Ill. Dort habe der Arbeiter dem Kontrahenten vier wuchtige Stiche in den Rücken versetzt.

Fantasiert

„Ich kam in der Ill zu mir. Auf einen Stock gestützt ging ich zum Lokal ,Atlantis“, gibt der Verletzte an. Eine Rippe wurde durch die Wucht zertrümmert, die Lunge verletzt. „Unbehandelt wäre der Mann gestorben“, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Der Beschuldigte schildert den Fall anders als das Opfer. Sein Bekannter habe ihm einen Pilz gegeben. Nach dessen Verzehr habe er ihn als „Neger“ gesehen, alles sei verfremdet gewesen. „Er hat mir mit einem Stock auf den Kopf geschlagen. Wieso er Stichverletzungen hat, weiß ich nicht“, erzählt der Angeklagte. Nach dem Vorfall fand die Polizei den mutmaßlichen Täter auf einem Vordach. Mit einem Springmesser schnitt er sich selbst und drohte in die Tiefe zu springen. Schlussendlich konnte er festgenommen werden.

Einweisung

In der Vergangenheit wurde der Mann bereits dreimal wegen Körperverletzung verurteilt. In seiner Heimat soll er sogar in ein Tötungsdelikt verwickelt gewesen sein. „Ein Unfall“, so der Türke. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Beschuldigten jedenfalls eine große Gefahr und hat deshalb die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Was in jener Nacht tatsächlich passiert ist und warum die Situation derart eskaliert ist, muss der Prozess klären. Bis dahin gilt der Mann als unschuldig.

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