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Mit einer Tankstelle ist kaum noch Geld zu verdienen

Hakki Ergül musste am Mittwoch seine Tankstelle in Hittisau schließen.
Hakki Ergül musste am Mittwoch seine Tankstelle in Hittisau schließen. ©VOL.AT/ Hartinger
Hittisau (VN/ Hanna Reiner) - Situation für Pächter verschärft sich zunehmend. Geringe Margen als Hauptgrund.

Das Tankstellengeschäft wirft immer weniger ab. Für die heimischen Pächter wird es daher zunehmend schwierig, ihre Tankstelle profitabel zu führen. Gründe dafür sieht Christian Wachter, Geschäftsführer der Fachgruppe der Garagen-, Tankstellen- und Servicestationsunternehmungen in der Wirtschaftskammer, vor allem in den geringen Margen beim Spritverkauf.

Geschäft wenig lukrativ

„Diese sind am untersten Ende aller EU-Staaten angesiedelt. Somit ist das Tankstellengeschäft insgesamt wenig attraktiv. Die hohen Personalkosten, der geringe Ertrag sowie die verschärften Auflagen der Konzerne machen den Pächtern zu schaffen. Die Mineralölkonzerne behandeln die Pächter fast schon als ihre Leibeigenen. Die Vorschriften verschärfen sich, sogar die Zapfsäulenpreise werden teilweise vorgegeben.“ An den steigenden Spritpreisen profitiere ein Tankstellenunternehmer entgegen vielfachen Vermutungen nicht im Geringsten. Denn Basis ihrer Provision sind die verkauften Liter und nicht der Umsatz in Euro. Auch an den Tankstellenshops gebe es mittlerweile immer weniger zu verdienen, so Wachter, da die Preise durch den Einstieg großer Handelsketten teilweise fast gleich hoch sind wie in den Supermärkten. „Am Schluss bleibt nichts über.“

Avanti Hittisau geschlossen

91 Tankstellen gibt es laut der aktuellen Mineralölstatistik in Vorarlberg, nicht eingerechnet sind dabei Heizölhändler mit einer öffentlichen Tankstelle mit eingeschränktem Kundenkreis sowie Autohändler mit eigener Tankstelle. 2010 waren es noch 96. Schließungen gab es in den letzten Jahren vor allem im ländlichen Raum. In Vorarlberg war speziell der Vorderbregenzerwald betroffen. So wurde erst am Mittwoch die Avanti-Tankstelle in Hittis­au zugesperrt. „Sie wird leider nicht die letzte sein, die schließt“, befürchtet Wachter. Künftig werden jene Tankstellen profitieren, die ihren Kunden einen Mehrwert, zum Beispiel in Form von Serviceleistungen, anbieten. Hier gebe es im Land einige Beispiele von Tankstellen, die durch entsprechenden Service viele Stammgäste haben, so Wachter. Konkurrenz komme von Betriebstankstellen und Tankstellen mit eingeschränktem Kundenkreis, die den Sprit an Inhaber von Kundenkarten teilweise um sieben Cent pro Liter billiger verkaufen. „Wenn diese ihre Auflagen bezüglich Preisauszeichnung oder Eichung erfüllen – und da haben viele dieser Betriebe in der vergangenen Zeit nachgerüstet –, ist das legal“, so Wachter. Auch der Sprecher der Vorarlberger Tankstellen, Erich Willam, der selbst seit 15 Jahren die BP-Tankstelle in Lochau-Tannenbach betreibt, betont: „Betriebstankstellen haben die gleichen Auflagen wie öffentliche Tankstellen, das wurde allerdings in der Vergangenheit nicht so verfolgt.“

Automaten nehmen zu

Auffallend sei der Trend zu Automatentankstellen ohne Zusatzleistungen, da hier die Personalkosten wegfallen. „Es gibt immer mehr Automaten und der Service geht verloren. Eigentlich eine fatale Situation. Aber diesen Trend, dass Fachgeschäfte verloren gehen, gibt es ja leider in allen Branchen“, gibt Willam zu bedenken.

Durch einen Tankstellenautomaten ersetzen

(VN-toh) – Für Hakki Ergül (41) war die Schließung seiner Avanti-Tankstelle in Hittisau besonders bitter. „Ich habe von einem Nachbarn erfahren, dass eine Bauverhandlung auf der Tankstelle für neue Automatenzapfsäulen auf der Gemeinde ausgeschrieben war“, sagt Ergül. Gerade erst im Juli letzten Jahres hatte er einen Lehrling eingestellt. Also auch seine Tankstelle mit Shop, SB-Wäsche und Service-Stelle wird durch einen Tankautomaten ersetzt. Auf eine Erklärung seitens des OMV-Konzerns wartet er bis heute vergebens. Als er vor 15 Jahren die Tankstelle übernommen hatte, lag der Umsatz bei 900 Litern verkauften Treibstoffes pro Jahr. Im letzten Jahr verkaufte er 4,5 Mill. Liter. Ergül und seine 20-jährige Tochter, die ebenfalls bei ihm angestellt war, müssen sich nun nach einem neuen Job umsehen. „Wir haben noch keine Ahnung, was wir machen werden“, sagt der 41-Jährige mit gesenktem Blick.

Stichwort

Margen
In kaum einem anderen Land lässt sich mit dem Kraftstoff-Verkauf so wenig verdienen wie in Österreich. Das geht aus einer Studie von Wood Mackenzie hervor. Im Europavergleich liegt Österreich bei Benzin mit Brutto-Margen von 9 Cent/l auf Platz 13 von 16 befragten Ländern, bei Diesel mit 8,56 Cent/l sogar auf Platz 14. Zieht man die Kosten ab, bleibt den Tankstellenunternehmen im Jahresschnitt weniger als 1 Cent/Liter übrig.

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