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„Meine Pension verbringe ich in Vorarlberg!“

WANN & WO traf den SCR Altach-Trainer Damir Canadi im Café Steinhauser in Dornbirn zum Talk.
WANN & WO traf den SCR Altach-Trainer Damir Canadi im Café Steinhauser in Dornbirn zum Talk. ©Dietmar Stiplovsek
SCR Altach-Coach Damir Canadi spricht im WANN & WO Sonntags- Talk über seinen Werdegang, gib private Einblicke und erklärt seine Fußball-Vision für Vorarlberg.

WANN & WO: Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Damir Canadi: Die Anspannung und Vorbereitung war wie bei jedem anderen Spiel. Ich mache da keinen Unterschied zwischen der Situation heuer oder voriges Jahr.Es ist immer harte Arbeit als Trainer, aber wenn man im unteren Tabellendrittel ist, schläft man nicht schlechter.

WANN & WO: Wie entspannen Sie sich abseits vom Fußball?

Damir Canadi: In erster Linie mit der Familie. Mein Sohn spielt bei Borussia Mönchengladbach, darum reise ich nicht nur mit dem SCRA von Spiel zu Spiel. Meine achtjährige Tochter macht auch gerne Sport. Sie turnt und hat da auch ihre Events. Als Eltern versuchen wir bei solchen Dingen gemeinsam für sie da zu sein.

WANN & WO: Ist das nicht besonders an Wochenenden schwierig?

Damir Canadi: Absolut. Dafür habe ich wieder andere Tage, an denen ich mehr unternehmen kann, als jemand, der „normal“ berufstätig ist. Bei einem Auswärtsspiel im Osten beginnt der Arbeitstag am Freitagmorgen mit dem Training in Altach und endet am Montagabend, wenn ich von der Reise zurückkomme. Das ist sehr intensiv.

WANN & WO: Was kommt jetzt nach der Saison?

Damir Canadi: Nach jeder Saison – egal wie sie läuft – freue ich mich extrem darauf, mit meiner Frau ein paar Tage wegzukommen. Mein Sohn bekommt von Gladbach dann auch frei und gemeinsam mit ihm machen wir dann zehn Tage Urlaub in den Emiraten. Da werden wir dann… ein wenig fauler sein (schmunzelt) und die Zeit mal ohne Fußball genießen.

WANN & WO: Was war ihr größter privater Erfolg?

Damir Canadi: Meine Eltern sind aus Ex-Jugoslawien und darum hatte ich vielleicht nicht immer das einfachste Leben. Sie haben sich in den 70er-Jahren schwer durchgekämpft. Ich bin in Wien zur Welt gekommen und habe es geschafft, am Ende auf eigenen Füßen zu stehen. Die Möglichkeiten waren wohl nicht immer optimal. Der vielen Liebe, die ich von meinen Eltern und meinem Bruder bekommen habe, verdanke ich, dass ich heute so im Leben stehe: Erfolgreich, gesund und alles was dazugehört, was man sich wünscht. Das macht einen auch sehr demütig und ich würde sagen, das ist mein größter Erfolg.

WANN & WO: Sind Sie privat wie man sie in der Coaching-Zone kennt?

Damir Canadi: Die Familie und das Zuhause sind meine Wohlfühloase. Da kann ich zur Ruhe kommen. In jungen Jahren war das noch anders.

WANN & WO: Meinen Sie mit „jungen Jahren“ ihre aktive Karriere?

Damir Canadi: Ich habe mich nicht nur als Sportler über den Erfolg, sondern vor allem als Mensch weiter entwickelt. Offenheit und Ehrlichkeit sind Dinge, die mich charakterisieren. In jungen Jahren habe ich damit vielleicht nicht immer die richtige Entscheidung getroffen. Im Nachhinein lernt man daraus und das ist das Entscheidende. Auf dem Platz lebe ich diese Emotionen dann aus, damit ich zuhause wieder ruhig bleiben kann.

WANN & WO: Wie lebt es sich mit dieser Offenheit?

Damir Canadi: Auf dem Weg nach oben als Trainer sind mir Offenheit und Ehrlichkeit auch manchmal im Weg gestanden. Andererseits möchte ich das nie verlieren, denn das hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Wichtig waren die Ausdauer und die Geduld, die man in braucht. Ich war ja nicht der Trainer, der eine aktive Karriere mit 50 oder mehr Länderspielen vorzuweisen hatte. Ich bin von ganz unten jeden Schritt gegangen, wurde in jeder Liga Meister, was mich sehr stolz macht. Es hat mir keiner was geschenkt. Das macht mich noch stolzer, weil ich mit meiner eigenen Art und Authentizität, dort hingekommen bin, wovon ich geträumt habe. Diese Träume werden aber immer größer und man will immer mehr.

WANN & WO: Eckt man so oft an?

Damir Canadi: Ich bin jemand, der aus dem Bauch heraus entscheidet. Ich verstelle mich nicht. Wie ich Herrn Weber einmal im Interview gesagt habe: Ich bin keinem etwas schuldig. Ich bin ein normaler Mensch, wie jeder andere auch. Ich gehe arbeiten, ich habe ein Auto, ich habe eine Familie, ich habe ein Haus, ich habe Schulden. Ich bin ein Mensch, aus.

WANN & WO: Wie regelt man ein Familienleben, wenn man nie weiß, wo man nächstes Jahr wohnt?

Damir Canadi: Das ist eine riesen Herausforderung. Ich bin mit meiner Frau seit 1994 zusammen, seit 2000 verheiratet und wir haben zwei Kinder, acht und 18. 2008 habe ich mich entschieden, das zweite Mal ins Profileben einzusteigen. Davor war das Bundesligaleben und jetzt haben wir dieses Trainerleben, das sich wieder zum Profitum entwickelt hat. Das war ja überhaupt nicht geplant! Ich war ja schon voll im Berufsleben und meine Frau ist auch arbeiten gegangen. 2008 kam dann diese Chance mit Lokomotive Moskau. Beim FAC in Wien ging mein Engagement nach dreieinhalb Jahren gerade zu Ende. Zwei Tage später war ich in Moskau.

WANN & WO: Was hat Ihre Frau gesagt?

Damir Canadi: Meine Tochter war gerade vier Monate alt und das war eine Wahnsinnsentscheidung. Meine Frau hat diese aber mit getragen und ich war dann ein Jahr alleine in Moskau, ohne Familie. Das war keine leichte Situation. Von außen sieht man nur den Erfolg, aber man muss extrem viele Opfer dafür bringen. Es ist nicht immer leicht, vor allem für die Kinder, aber auch für uns Erwachsene: Freunde zu verlassen, Kinder aus dem Kindergarten, aus der Schule rauszureißen, sie neu zu integrieren, vielleicht auch noch eine neue Sprache zu lernen. Wir gehen da positiv als Familie hinein, meine Frau unterstützt mich zu 100 Prozent. Sie wollte nie ihr Berufsleben aufgeben. Mittlerweile hat sie es getan, für uns – da ziehe ich den Hut.

WANN & WO: Können Sie bei ihrem Sohn Vater und Trainer trennen?

Damir Canadi: Mittlerweile schon. Zwischen seinem zwölften und 14. Lebensjahr habe ich diesen Trainerposten aufgegeben, weil die Entscheidung fallen musste, ob ich mit ihm eigentlich gut auskommen, oder ständig über irgendwelche Spiele oder Analysen streiten möchte. Bei Gladbach unterstütze ich ihn wirklich als Vater und gebe ihm nur Ratschläge auf privater Ebene, Schule, jetzt der Führerschein, wie er das eine oder andere besser meistern kann. Den Rest macht er mit seinem Berater Mario Weger, der ihn auf sportlicher Ebene toll unterstützt.

WANN & WO: Warum trennen Sie das so strikt?

Damir Canadi: Mein Vater hat sich viel in meine Karriere eingemischt und das war nie toll. Ich will nicht, dass es meinem Sohn so geht. Da nehme ich mich deswegen bewusst raus. Wenn er das haben möchte, können wir ihn nur unterstützen und begleiten, darauf haben wir uns geeinigt und das werden wir tun. Als Eltern, nicht als Trainer.

WANN & WO: Wie lebt es sich als Wiener im Ländle?

Damir Canadi: Dass es uns hier super gefällt, ist ja kein Geheimnis mehr. Alles was neben dem Job passiert, kann man hier unternehmen. Wenn ich es mit Wien vergleiche und an meine recht jung verstorbenen Eltern denke, die in der Pension nicht mehr wussten, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, dann weiß ich, dass ich meine Pension auf jeden Fall in Vorarlberg verbringen werde. Hier habe ich alles vor der Tür, ob ich biken oder Motorrad fahren möchte, alles was das Herz begehrt.

WANN & WO: Wie ist das Vorarlberger Publikum?

Damir Canadi: Fußball zu denken, wie das für uns Wiener mit Rapid und der Austria eines der normalsten Dinge der Welt ist, ist im Ländle erst im Entstehen. Hier ist es eines der normalsten Dinge der Welt, Marc Girardelli im Steinhauser zu treffen. Das habe ich nicht gekannt. Ich hab ihn mal getroffen und mich gar nicht getraut, ihn anzusprechen. In Wien hat man nicht so oft Skifahrer gesehen. So ähnlich ist es hier mit dem Fußball. Hier hat man nie die Erfahrung machen können, über Jahre hinweg Europacup und Bundesliga zu erleben. Das ist unser großes Ziel! Wir wollen das schaffen und die Menschen mitnehmen. Uns mit den Fans entwickeln. Da kann etwas sehr Positives entstehen, ein Altach-Gefühl, ein Vorarlberg-Gefühl im Fußball. So können wir im Breitensport Kindern Visionen geben. Es muss ja nicht jeder Profi werden. Wenn wir hier in Zukunft Europacup-Spiele sehen wollen – alle 14 Tage ist der SCR Altach das größte Event Vorarlbergs – müssten wir etwas kreieren, damit es so bleibt. Dass Menschen zueinander gehen, dass wir dort etwas feiern, miteinander.

WANN & WO: Wie geht das?

Damir Canadi: Man muss auch in der Politik mal Entscheidungen treffen und sich überlegen, wo kommen die Menschen hin, um etwas zu erleben? Das ist immer noch der Fußball. Vollkommen egal, ob in Lustenau oder bei uns, auch Lustenau kann Tausende Menschen anziehen. Hier müssten wir etwas tun und sich fragen: Was ist denn wichtiger? Ohne jemanden angreifen zu wollen: Eine Skischanze um mehrere Millionen? Oder deutlich weniger Förderung – über die sich alle beschweren – mit denen man die infrastrukturelle Basis für so etwas schaffen könnte. Da verstehe ich die Wertigkeit nicht. Da muss man Prioritäten setzen und sehen, wo kann ich Jungs oder Mädels begeistern? Dieses „Ich freue mich nicht für dich“, das es hier in Vorarlberg gibt, ist dabei ein wichtiges Thema. Ein gemeinsames Denken in Vorarlberg würde ich mir für diese Sache wünschen. Fußball erreicht nicht umsonst weltweit so viele Menschen. Es ist die schönste Sache der Welt!

WANN & WO: Sagt man nicht schönste Nebensache?

Damir Canadi: Naja für mich ist es keine Nebensache (lacht). Ich habe einen geilen Job! Nach drei Wochen Urlaub werde ich hypernervös, dann hält mich meine Frau zuhause nicht mehr aus. So ist mein Leben.

WANN & WO: Wie hätten die Karrierepläne ohne Fußball ausgesehen?

Damir Canadi: Meine Eltern sind zwar aus einfachen Verhältnissen gekommen, aber der Schulabschluss war für sie immer sehr wichtig und dass ich danach eine Lehre abschließe. Im Kopf war ich immer Fußballer. Ich habe eine Lehre als Verkäufer für Autolacke und Autobedarf gemacht, hatte einen tollen Chef, der mich jeden Tag zum Training hat gehen lassen und es geliebt hat, einen Fußballer als Lehrling zu haben.

WANN & WO: Wie wird sich das Nationalteam in Frankreich schlagen?

Damir Canadi: Ich hoffe, dass sie erfolgreich sind, weil sie gezeigt haben, dass sie die Qualität haben. Ich glaube wir haben eine gute Mannschaft, aber man sollte die Erwartungshaltung nicht so aufblasen. Für mich ist spannend zu sehen, wie sie mit diesem jetzigen Erfolg umgehen und wie sie das bestätigen können. Das ist eine große Herausforderung. Wir haben bei uns in Altach gesehen, dass das nicht leicht ist. Wenn man im Erfolgstaumel glaubt, zwei oder drei Prozent weniger geben zu können, steht es auf einmal 1:0 für den Gegner, das haben wir heuer oft schmerzhaft erlebt.

WANN & WO: Wie hält man sich auf der Erfolgswelle?

Damir Canadi: Das kann nur als Team funktionieren. Gute Spieler zu haben bedeutet nicht, dass man automatisch erfolgreich ist. Wenn wir beim SCR Altach heuer nicht als Team so zusammengewachsen wären, hätten wir es heuer mit diesen Ausfällen nie geschafft. Wir sind sehr demütig geworden, auch die Spieler. Dass wir nie wieder in diese Situation kommen, müssen wir einfach immer 100 Prozent geben können.

WANN & WO: Wie wichtig ist die mentale Einstellung zum Fußball?

Damir Canadi: Wenn man Fußballprofi ist, muss man schätzen, was man hat. Auch bereit sein, da zehn bis zwölf Stunden täglich zu investieren. Dieses Bewusstsein müssen wir entwickeln. Dann hat man eine andere Einstellung zum Beruf Fußballprofi.

Damir Canadi

Jahrgang, Geburtsort: 1970, Wien
Wohnort/Familie: Dornbirn/verheiratet, zwei Kinder
Beruf/Ausbildung: Profi-Fußballtrainer bei SCR Altach/Einzelhandelskaufmann
Stationen als Spieler/Trainer (Auszug): Austria Wien, Favoritner AC, SCR Altach, Vienna/FC Leopoldsdorf, DSV Fortuna 05 Wien, Lok Moskau, FC Lustenau.

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