"Knall und Explosion faszinieren mich"

Schwarzach - Waffennarr Michael W. (41) aus Lochau will künftig kein Gewehr mehr in die Hand nehmen. Seinen Kindern zuliebe. Am Donnerstag hatte er sich bei einer Schießübung in seiner Wohnung verletzt.

NEUE: Wie geht es Ihnen einen Tag nach dem Vorfall?

Michael: Den Umständen entsprechend. Ich habe noch starke Schmerzen im Bauchbereich. Vergangene Nacht hatte ich Fieber. Ich wundere mich, dass ich bereits am Freitag, einen Tag nach der Operation, aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

NEUE: Wie kam es zu der Schießübung in Ihrer Wohnung am Donnerstag?

Vor kurzem hatte ich eine 9 Millimeter Luga-Patrone gefunden. Ich nahm sie mit nach Hause und zielte mit dem Luftgewehr in meiner Abstellkammer auf den ungefährlichen Kopf der Patrone. Ich bin ein guter Schütze, normalerweise wäre nichts passiert.

Im Nachhinein ist mir natürlich klar, dass die Schießübung Blödsinn war. Ich wurde von splitternden Fragmenten der Patrone getroffen. Aus meinem Bauch sickerte plötzlich Blut. In einem riesigen Schwall. Wie aus einer Gießkanne. Bei dem Unfall habe ich bestimmt einen Liter Blut verloren. Das Ganze war für mich ein großer Schock.

NEUE: Und dann?

Ich rief die Rettung und wurde ins Krankenhaus gebracht. Fünf Polizisten kamen in meine Wohnung. Von den Beamten hielt es leider keiner für nötig, mir eine Tasche mit meinen Sachen zu packen. Weil ich keine private Kleidung dabei hatte, musste ich im Krankenhausgewand nach Hause fahren.

NEUE: Von Ihrer Familie hat Ihnen keiner etwas zum Anziehen ins Spital gebracht?

Ich bin alleinstehend. Meine beiden Kinder sind mein einziger Halt.

NEUE: Im Dezember 2000 gab es ja schon einmal einen verheerenden Sprengstoffunfall in Ihrer Wohnung.

Aber damals war es ganz anders, als es die Medien berichtet haben. Ich habe niemals Schwarzpulver in der Kaffeemühle gemahlen. Das Pulver hatte ich in meiner Wohnung, um Silvesterraketen zu bauen. Aus Versehen hatte ich ein wenig davon auf meiner Spüle verschüttet. Die elektrische Kaffeemühle stand nur daneben. Als ich die Arbeitsplatte reinigen wollte, zog ich den Stecker der Mühle aus der Steckdose und es kam zur Explosion.

NEUE: Was fasziniert Sie so an den Waffen?

Die Explosion, der Knall. Das Gefühl ist schon in mir drin, seitdem ich Kind bin und es lässt mich nicht mehr los. Dabei bin ich ja nicht der Einzige. Es gibt Tausende, die von Waffen fasziniert sind. Vor allem Männer.

NEUE: Können Sie verstehen, dass manche Nachbarn Angst vor Ihnen haben?

Na ja, ein wenig vielleicht. Nach der Geschichte mit dem Schwarzpulver glich das Haus lange Zeit einer Baustelle. Ich kann verstehen, dass die Nachbarn sich darüber aufgeregt haben. Aber ich tue ja keinem etwas. Ich weiß, was Waffen anrichten können und schieße weder auf Menschen, noch auf Tiere. Bei den beiden Unfällen ist außer mir niemandem etwas passiert. Und jetzt regen sich plötzlich alle auf und stellen mich als den gefährlichen Bösen hin. Bei mir persönlich hat sich noch nie ein Nachbar beschwert. Ich gebe zu, ich habe ein loses Mundwerk und bin früher in der Nachbarschaft sehr geärgert worden. Mit Lederklamotten und einem bösen Blick habe ich mir vielleicht eine Art Schutzwall aufgebaut. Klar, dass manche Leute nicht gut auf mich zu sprechen sind.

NEUE: Stimmt es, dass gegen Sie nach dem ersten Unfall ein Waffenverbot verhängt wurde?

Ja, und ich dachte, es sei 2006 abgelaufen. Sonst hätte ich auch keine Waffe in die Hand genommen. Jetzt wurde das Verbot natürlich wieder verlängert.

NEUE: Bereuen Sie das, was geschehen ist?

Ja, sicher. Mein Körper ist seit dem ersten Unfall zu fünfundfünfzig Prozent verbrannt. Trotzdem habe ich mich über die Medienberichte von gestern maßlos geärgert. Ich habe in meiner Wohnung nicht sinnlos herumgeballert, sondern auf ein bewegliches Ziel geschossen. Ich bin nicht gewalttätig und auch kein Langzeitarbeitsloser, sondern wegen schwerer Krankheit seit acht Jahren in Frühpension. Ich habe früher als Koch und als Schweißer gearbeitet.

NEUE: Wie werden Sie in Zukunft mit Waffen umgehen?

Ich werde natürlich die Finger davon lassen. Allein schon meinen beiden Kindern zuliebe. Mit dem Thema habe ich abgeschlossen.

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