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Kinder dürfen lustvoll lernen

Hohenems - In den Fenstern des Bürogebäudes Lustenauer Straße 53 blühen Blumen aus Papier. Seit kurzem gehen fünf Kinder hier zur Schule.  Video zur privaten VS "LernART" 

„LernART“ heißt der jüngste Spross in Vorarlbergs Erziehungslandschaft.

Gegründet von Sonja Walser. Beheimatet in Hohenems. Das Neue dran: „LernART“ ist ein Unternehmen, kein Verein.

Lust auf Schule

Im Nebenraum Gespräche führen? Kein Problem. Die “ Klasse“ bleibt ruhig und geschäftig. Jedes Kind weiß, was es zu tun hat. Manchmal tritt Luna heran und zeigt das Rechenbrett. Das Ergebnis lautet 23. “ Gut gemacht“ , sagt Sonja Walser. In der Kunst des Lernens mischt sich Freude mit Neugier. Von beidem spürt man hier reichlich.

“ LernArt“ basiert auf der Unterrichtsform der italienischen Reformpädagogin Maria Montessori. Die hat just vor 100 Jahren im römischen Stadtteil San Lorenzo ihr erstes Kinderhaus eröffnet. Praktisch am Kiez von Rom. Kriminalität, Prostitution, erbärmliche Wohnverhältnisse: Ein “ Sozialer Brennpunkt“ wird zur Geburtsstätte der Montessori-Bewegung, die bis heute Anhänger und Kritiker hat.

“Im Mittelpunkt steht das Kind.“ Das blieb bis heute so. Sonja Walser deutet auf Lernkompassbücher und Unmengen selbst Gebasteltes. Schürzen haben die Kinder genäht. Und Einkaufstaschen. “ Damit werden wir künftig in den Hofladen der Landwirtschaftlichen Schule gehen.“ Dort werden die Kinder einkaufen, was die Natur gerade bietet. “ Bei uns gibt es keine Erdbeeren im Winter.“ Dafür gute Ware zu vernünftigen Preisen.

Dritter Neubeginn

Immer hat Sonja Walser darauf Wert gelegt. Schon die Kinder der Dornbirner Reformschule “ waren meine Marktdetektive“ . Jeden Mittwoch lernten sie beim Einkauf, wozu Lesen und Rechnen nützlich sind. In Hohenems fängt Sonja Walser nun zum dritten Mal von vorne an. Nach Privatkindergarten und Reformschule sind bei “ LernArt“ die Eltern zwar eng eingebunden, aber haben nicht mehr überall das letzte Wort. Sonja Walser hat sich als Unternehmerin angemeldet. Sie führt “ LernArt“ als häusliches Lernen mit Externistenprüfung. Die Eltern sind zwar “ ganz wichtig“ : Eine Mama näht Vorhänge. Eine andere liefert Bastelbedarf. Das Eltern-Info-Team hat Folder gestaltet und wird am 18. April ab 19 Uhr den ersten Infoabend mitgestalten. Aber “ Vereinsmeierei gibt’s nicht mehr“ . Dafür ist ihr das Anliegen Schule auch zu schade.

Nicoletta Marterer nickt. Nach kurzem erfolgreichem Kampf mit der neuen Kaffeemaschine nippt sie am Espresso und späht kurz in die Klasse rüber. Aber Tochter Anna nimmt sie gar nicht wahr. Die rechnet gerade. Und die Mutter schmunzelt. “ Heut in der Früh hat sie mir erzählt: Stell dir vor, die Luna lernt jetzt Meter und Millimeter. Was ist jetzt noch mal wie viel?“ Anna besucht die erste Schulstufe. Und ihre Mutter genießt ihre Fortschritte sichtlich.

Billig ist das nicht

Das hat seinen Preis. 330 Euro monatlich plus 400 Euro Einschreibgebühr kann sich nicht jeder leisten. “ Deshalb suchen wir Unternehmer, die einzelne Schüler sponsern.“ Denn Sonja Walser will bald erweitern. Zwölf Kinder im Herbst 2007 wäre das Ziel.

Und ein schönes Geschenk zum 100. Geburtstag der Montessoripädagogik.

STICHWORT Montessori

Oft missverstanden propagierte die italienische Ärztin Maria Montessori 1907 keine „Kuschelpädagogik“. Kinder mussten von Beginn an Aufgaben erledigen, sich konzentrieren, Disziplin zeigen. Nur sollte sich das Kind eben freiwillig mit den von ihr entworfenen Lernmitteln auseinandersetzen. Die Aufforderung „Hilf mir, es selbst zu tun“ steht für das erzieherische Programm.

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