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Italien: Bestürzung über Geiselmord

Die Ermordung der zweiten italienischen Geisel in Irak innerhalb weniger Monate hat in Rom Bestürzung und Empörung ausgelöst. Ministerpräsident Berlusconi bezeichnete die Tötung des Journalisten Baldoni als „barbarischen Akt“.

Zugleich betonte Berlusconi, dass Italien nicht daran denke, seine Truppen aus Irak abzuziehen. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi erklärte, die Ermordung sei ein Trauerfall für ganz Italien.

Baldonis Entführer, die sich Islamische Armee in Irak nannten, hatten am Dienstag Italien ein 48-stündiges Ultimatum gestellt, alle rund 3000 italienischen Soldaten aus Irak abzuziehen – andernfalls würden sie die Geisel töten.

Die Nachricht von der Ermordung Baldonis war in der Nacht zum Freitag vom arabischen Fernsehsender El Dschasira verbreitet worden. Ein Video, auf dem der Mord zu sehen sei, könne wegen der brutalen Szenen nicht gesendet werden, teilte der in Katar beheimatete Sender mit.

Der italienische Aussenminister Franco Frattini erklärte allerdings, es handle sich lediglich um ein einziges digitales Foto.

Schockierende Bilder
Ein offizieller italienischer Vertreter sei bei der Ansicht von Bildern geschockt gewesen, berichteten italienische Medien. Baldoni habe sich mit Leibeskräften gegen seine Mörder gewehrt, hiess es. Er sei zunächst mit einem Schuss niedergestreckt worden, danach sei ihm die Kehle durchgeschnitten worden, schrieb die Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Baldoni war am Donnerstag vergangener Woche in Nadschaf spurlos verschwunden, nachdem er mit einem italienischen Konvoi dort eingetroffen war. Während der Konvoi die Stadt wieder verliess, blieb der Mitarbeiter der italienischen Wochenzeitung „Diario“ in der umkämpften Stadt.

Schon am Freitag wurde die Leiche seines palästinensischen Fahrers entdeckt. Am Dienstag sendete Al Dschasira schliesslich ein Video der Entführer, das Baldoni als Geisel zeigte.

Baldoni hatte neben seiner freiberuflichen journalistischen Tätigkeit auch für das Rote Kreuz gearbeitet. In Irak waren vorher bereits einmal vier Italiener gekidnappt worden. Einer von ihnen wurde ermordet. Der 56-jährige Baldoni ist verheiratet und zweifacher Vater.

Der Chefredaktor von „Il Diario“, Enrico Deaglio, kritisierte das Aussenministerium und das italienische Rote Kreuz in Bagdad. „Sie haben Enzo sich selbst überlassen“, meinte Deaglio, dem zufolge die Verantwortlichen des Roten Kreuzes nach der Entführung nicht sofort Alarm geschlagen hatten. Die Vorwürfe wies der Leiter des italienischen Roten Kreuzes in Irak entschieden zurück.

Opposition fordert Rückzug
Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz forderte unterdessen erneut den sofortigen Rückzug der italienischen Soldaten aus Irak.

„Es ist unmoralisch, das Leben Hunderter junger Italiener aufs Spiel zu setzen, um die gescheiterte Kriegsstrategie von US- Präsident George W. Bush zu unterstützen“, sagte der Abgeordneten der Italienischen Kommunisten, Marco Rizzo. Er rief die Italiener zu einer Massenmobilisierung auf, um von der Regierung Berlusconi eine Wende ihrer Irak-Politik zu verlangen.

Geheimdienst warnt
Der Chef des zivilen Geheimdienstes SISDE, General Mario Mori, warnte erneut vor Terrorattacken durch Fundamentalisten, die in Italien leben. Auch Personen, die über zehn Jahre lang im Land leben, könnten auf Befehl Attentate durchführen, mahnte Mori. Notiz: Die Meldung bsd119 wurde ergänzt (laut italienischem Aussenminister Frattini handelt es sich nur um ein einziges digitales Foto, nicht um ein Video). Verändert wurden die Abschnitte 4 und 5 nach dem Lead.

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