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In Spitälern geht's ans Eingemachte

Den heimischen Spitälern stehen zum Teil gravierende Änderungen ins Haus. Laut "Gedankenkonzept" sollen Abteilungen zusammengelegt werden.

Die Pulomologie Gaisbühle soll ganz aufgelassen und nach Bludenz verlegt werden. Derzeit sind Vertreter der Firma Köck & Partner, die vom Land mit der Ausarbeitung neuer Modelle beauftragt wurde, mehr oder minder gern gesehene Gäste in den Krankenhäusern. Denn obwohl erst andiskutiert, sorgen die Vorschläge schon jetzt für Aufregung. Was nicht verwundert. Schließlich handelt es sich um mehr als nur eine Umstrukturierung. Es geht schlicht und einfach ans Eingemachte.


Bessere Abstimmung

Gesundheitslandesrat Dr. Hans-Peter Bischof verhehlt nicht, dass Änderungen nötig sind, soll das Gesundheitswesen in der bestehenden Qualität erhalten bleiben. Gleichzeitig bekennt er sich zu den fünf Spitalsstandorten im Land. “Kein Krankenhaus wird geschlossen´”, stellt er dezidiert klar. Und wischt auch Bedenken der Dornbirner SPÖ-Gesundheitssprecherin, Dr. Gabi Sprickler-Falschlunger, vom
Tisch, wonach das Land das letzte “widerspenstige Krankenhaus” unter seine Kontrolle bringen wolle. Allerdings werde man sich von Interessen und Kirchtürmen trennen müssen. Dass im Abstand von zehn Kilometern jedes Spital alle Leistungen rund um die Uhr anbietet, wird sich künftig nicht mehr spielen. Stattdessen geht es in Richtung
Vernetzung und Abstimmung des Leistungsangebotes. “Und da werden Spitäler eben bestimmte Patienten hergeben müssen”, meint Bischof.
Angesprochen, aber nicht entschieden, wie der Landesrat betont, ist
beispielsweise die Einrichtung von zwei Nachtaufnahmezentren am LKH Feldkirch und LKH Bregenz. “Die konzentriert man besten dort, wo die Unfallabteilungen sind”, so die Begründung. Im Gegenzug könnte die Urologie von Bregenz nach Dornbirn wandern. Das Krankenhaus Hohenems könnte mit der Auslagerung der in Dornbirn situierten Orthopädie zu einem Bewegungs- und Dornbirn zum Onkologiezentrum für das untere Rheintal werden. Bludenz soll durch die Eingliederung der Pulomologischen Abteilung Gaisbühel eine Aufwertung erfahren. Der Standort in Gais würde aufgelassen.


Standards verteidigen

Durch Rochaden dieser Art würde nach Ansicht von Bischof nicht nur das
Versorgungssystem gestärkt, sondern auch Kapital frei, das anderweitig investiert werden könnte. Etwa in die fachärztliche Betreuung der Aufnahmezentren. Die längeren Weg, die Patienten unter Umständen in Kauf nehmen müssen, sind laut Bischof zumutbar. “Dafür ist die Behandlungsqualität gesichert”, argumentiert er. Eher bedeckt halten sich noch die Chefärzte. Primar Andreas Reissigl vom LKH Bregenz mutmaßt, dass das vorliegende Konzept in Unkenntnis vieler lokaler Faktoren entstanden ist. Jetzt liege der Ball beim Land. Die Leistung am Patienten dürfe aber auf keinen Fall leiden. Die hohen Standards verteidigen will auch Primar Franz Stoß vom KH Dornbirn. “Es darf niemand zu Schaden kommen”, meint er kryptisch. Für Primar Herbert Gschließer vom LKH Hohenems zählt in erster Linie der politische Willen. Erst wenn der klar sei, könne man die Sache konkret angehen. Trotzdem sind für Gschließer “so grundlegende Änderungen” nicht vorstellbar.


Schlusspapier

Als “hervorragenden Denkansatz” bezeichnet der stellvertretende Chefarzt des LKH Feldkirch, Primar Heinz Drexel, die geplante Bündelung der Kräfte und deren nützlichen Einsatz. Seiner Meinung nach ist das Konzept so ausgelegt, dass es dem Patienten nützt. Die Pulmologie sähe Drexel zwar lieber in Feldkirch. Er kann jedoch auch mit Bludenz als “praktikabler Alternative” leben.

Angesprochen, aber nicht entschieden: jetzt können die Spitäler ihre schriftlichen Stellungnahmen abgeben. Die Zusammenfassung dient als weitere Diskussionsgrundlage. Das Schlusspapier soll bis Anfang Dezember vorliegen. Den Weg dorthin weist der Lenkungsausschuss des Landtages. Bei baldiger Umsetzung könnten bis 2009 an die 200 Spitalsbetten eingespart werden.

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