Grüne Ferien auf dem Fluss

"Le Boat" bietet in acht europäischen Ländern Hausbootferien an. Das Dahingleiten auf dem irischen Shannon reihen viele Boot-Profis an die Spitze.
Bootsfahrt auf dem Shannon

Die Farbe des 370 Kilometer langen Shannons reiht sich irgendwo zwischen dem Dunkelgelb des irischen Whiskeys und dem Schwarzbraun des anderen irischen Lebenselixiers, des seit 1759 gebrauten Guinness, ein. Insofern kann also wohl kaum ein anderes Gewässer typischer für die „grün“ genannte Insel sein als dieser Fluss, der Irland in zwei ungleiche Hälften teilt, fast vom äußersten – fast gebirgigen – Norden in den Südwesten fließt und auf seinem Weg durch Seen, Moore (davon hat er seine Farbe) und Wiesen 250 Kilometer lang schiffbar ist. Hausboot-Fans haben diesen Fluss eigentlich direkt von den Frachtkähnen übernommen, die bis ins 20. Jahrhundert Waren aus den gottverlassenen Weiten der Insel in die Metropole Dublin im Osten Irlands brachten.

Viele Kanäle wuchsen zu

Viele Wasserwege wuchsen zu, nur der Shannon floss weiter, den konnte sich die Natur nicht zurückholen. Dazu ist er auch heute noch zu unbändig, mäandriert ziel- und planlos im Land, fließt in drei riesige Seen, um dann wieder neu zu starten. Irgendwann im vorigen Jahrhundert faszinierte dieser Fluss wohl ein paar Aussteigertypen. Die Ingredienzien schienen ideal: Der äußerste – wilde – Westen Europas; dazu Gälisch, eine Sprache, die sogar erst die Einwohner im Zuge einer Rückbesinnung auf die eigenen nationalen Werte wieder mühsam erlernen mussten. Und als Draufgabe eine angebliche Trinkfestigkeit und Sangeskunst der Bevölkerung, die schon damals legendär war. Die irische Fangemeinschaft wuchs unaufhaltsam. Wem das alles noch immer ein bisserl zu normal und bürgerlich war, der zog in die praktisch unbewohnte Mitte der Insel, kaufte ein verlassenes Haus und mietete ein Boot, auf dem sich die Stille genießen ließ. Viele Kanäle wuchsen zu

Wetter und Währung

Mittlerweile sind Scharen dem Beispiel gefolgt, der Aussteiger-Trip wurde zum Romantik-Geschäftsmodell. Mit zwei kleinen Schönheitsfehlern: Irland entwickelte sich in den vergangenen Jahren aufgrund eines vermeintlichen wirtschaftlichen Höhenfluges zu einem extrem teuren Pflaster. Und die Anreise zum Shannon ist auch nicht unbedingt einfacher, da man nach der Ankunft am Dubliner Flughafen noch mindestens zwei Stunden für den Transfer zur Hausboot- Basis einrechnen muss. Beginnen wir damit, die Vorurteile auszuräumen. Erstens endet das teure Irland fast unmittelbar hinter der Stadtgrenze Dublins.Die Bierpreise halbieren sich plötzlich – und wenn man bei der Auswahl des Restaurants Expertentipps befolgt, isst man auch mitten in der ansonsten kulinarischen Tiefebene hervorragend und relativ preiswert. Zweitens kann es auch woanders regnen. Drittens hört der irische Regen meist nach ein paar Schauern auf, die Wolken verziehen sich blitzartig, die Sonne taucht die langsam neben dem Hausboot vorbeiziehende Kulisse in atemberaubende Schattierungen aller vorstellbarer Grüntöne. Und viertens sind die Nächte zwar oft erfrischend kühl; viele der angebotenen Hausboote verfügen aber über eine Heizung, die den Kahn zur gemütlichen Stube machen.

12 Kilometer pro Stunde

Hausbootfahren ist aber mehr als Schneckenhaus- Idylle, Entschleunigung beim Schmökern der Reiselektüre auf der Essbank oder Sightseeing irgendwelcher lokaler Highlights. Nach einer gründlichen Einschulung tasten wir uns aus der Marina auf den Fluss hinaus, glücklicherweise herrscht noch kein Verkehr – wir sind am Ziel! Dieses Ziel treibt mit rund zwölf Kilometer pro Stunde gemächlich in Richtung Süden; dazwischen mal nach Osten, Westen oder Norden. Die Himmels- und Windrichtungen wechseln mit jeder Flusskurve. Zum Glück haben wir eine genaue Karte des Flussverlaufs ausgefasst: rote Markierungen rechts, schwarze Bojen links. Die restlichen Tage verschwimmen in der Erinnerung. Mittags der selbst zubereitete Lunch aus den Zutaten, die wir morgens per Fahrrad vom örtlichen Supermarkt holen. Abends Gourmetmenü im lokalen Dreisterne-Pub. An den Schleusen-Stress haben wir uns gewöhnt, die Schwäne sorgen gerade noch für ein leichtes Verdrehen des Nackens, manchmal heben wir die Hand zum Gruß, wenn uns ein Schiff begegnet.

Alte Handelsrouten

Abends wissen wir bereits, dass wir das Boot so vertäuen müssen, dass die Fender (dicke Gummibälle an der Schiffsseite, die dafür sorgen, dass Amateur-Kapitäne beim Anlegen nicht die Bootswand beschädigen) beim leichten Auf und Ab der Wellen nicht quietschen und uns im Schlaf stören. Schließlich wollen wir auch im Traum weiter ungestört auf dem Wasser unterwegs sein – nächstes Jahr vielleicht, auf dem eben wiedereröffneten Royal Canal, der nun wieder von Dublin quer über die Insel zum Shannon führt.

1000 Hausboote in acht europäischen Ländern

Le Boat ist Europas größter Hausbootvermieter: Die Tochter des TUI-Konzern entstand aus dem Zusammenschluss von Crown Blue Line, Connoisseur und Emerald Star. Aktuell bietet das Unternehmen mehr als 1000 Schiffe in acht europäischen Ländern an. Die Größe der Boote reicht von zwei bis zwölf Schlafplätzen, die Preise richten sich nach dieser Größe, sind aber auch in den einzelnen Regionen und saisonal unterschiedlich. Die Angebote beginnen bei rund 700 Euro pro Woche und reichen bis über 4000 Euro, An- und Abreise sind nicht inkludiert (Infos unter www.leboat.at oder Tel. +49 610155 79112. Ein wichtiger Tipp: Mieten Sie Ihr Boot um zwei Personen größer, als dann tatsächlich an Bord sind – wenn Sie es sich finanziell leisten können und wollen. Zu große menschliche Nähe kann bei einem ein- oder zweiwöchigen Hausboottrip auch unter den besten Verwandten oder Bekannten zu lebenslangen Feindschaften führen. Für praktisch alle Gebiete, in denen Le Boat vertreten ist, benötigt man keinen Bootsführerschein oder eine ähnliche Berechtigung. Manchmal wird allerdings vor Ort vom zukünftigen Käpt’n ein normaler Führerschein verlangt, der beweisen soll, dass man die grundlegenden Regeln der Fortbewegung beherrscht.

An der Schleuse cool bleiben

Eine Schleuse befördert den Adrenalinspiegel der Mannschaft in ungeahnte Höhen. Wir beherzigen den Rat der Einschulung: keine Hektik! Stets langsam an irgendwelchen Hindernissen vorbei-, an Anlegestellen heranfahren. Außerdem vorher genau überlegen und mit der Mannschaft absprechen, welche Manöver wann und von wem gemacht werden sollen. Der Schleusenwärter verlangt 1 Euro 50 für die Passage, senkt den Wasserspiegel um einen guten Meter und nach zehn Minuten hat uns der Fluss mit seinem beruhigenden „Nicht“-Tempo wieder.

REISEINFOS

Anreise: Am bequemsten und besten mit Aer Lingus (www.aerlingus.ie) über den internationalen Flughafen von Dublin; Direktflüge gibt es ab Zürich, München, Salzburg und Wien. Preise für Hin- und Rückflug ab zirka 100 Euro. Auf gut ausgebauten Autobahnen (mautpflichtig) und Schnellstraßen erreicht man innerhalb von zwei Stunden die Ausgangsbasen der Bootsvermieter am Shannon.
Weitere Infos: über Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und Routen am besten bei Tourism Ireland, erreichbar telefonisch unter 01 / 501596 000 oder auf www.entdeckeirland.at. Preisbeispiel für eine siebentägige Reise auf dem Shannon für maximal zehn Personen (vier Kabinen) in einem 14,5 Meter langen Schiff: Bis Mitte April und im Oktober 2011 ab 1960 Euro, in der Hochsaison (Juli und August) bis zu 3470 Euro. Im Drei-Bett-Boot (1 Kabine) kostet die Reise zwischen 620 und 1080 Euro.

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