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Fischerträge im Bodensee deutlich zurückgegangen

Erneut starker Rückgang der Fischerträge
Erneut starker Rückgang der Fischerträge ©VOL.AT/Paulitsch
Viktorsberg – Unter dem Vorsitz Österreichs sind in Viktorsberg für zwei Tage die Mitglieder der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) zusammengekommen, um aktuelle Fragen und die Bilanz 2017 zu thematisieren.

Der Fang der Berufsfischer am Bodensee-Obersee lag 2017 bei rund 298 Tonnen. Es war damit das zweitschlechteste Fangjahr seit 1936. Rückgänge mussten bei nahezu allen Fischarten hingenommen werden. Der Felchenertrag lag mit 194,8 Tonnen weit unter dem zehnjährigen Mittel von 408 Tonnen. Der Barschertrag hat sich vom niedrigen Vorjahresniveau von 28,1 Tonnen nochmals auf 26,5 Tonnen verringert. Rückgänge gab es ebenso bei Weißfischen und Brachsen sowie Aalen und Hechten. Bei den Seeforellen blieb der Wert mit 2,5 Tonnen zum Vorjahr konstant, der Seesaiblingsertrag ist auf 0,8 Tonnen zusammengebrochen.

Am Gesamtfang machten die Felchen einen Anteil von 65 Prozent aus. Weißfische und Brachsen stellen inzwischen einen Anteil von 11,7 Prozent am Gesamtfang. Der Anteil der Aale liegt bei 4,4 Prozent, jener der Hechte bei vier Prozent.

Niedriger Nährstoffgehalt im See

Die rund 11.700 Angelfischer erreichten im Berichtsjahr mit 49,4 Tonnen ein um 4,5 Tonnen höheres Fangergebnis als im Jahr davor. Dieser Ertrag liegt allerdings um 3,2 Tonnen (-6 Prozent) unter dem Zehnjahresmittel. Maßgeblich bestimmt wurde das Ergebnis der Angler durch die weiter ansteigenden Fänge beim Hecht (+3,1 t bzw. +20,4 Prozent), dessen Anteil am Gesamtfang inzwischen über 37 Prozent beträgt. Im Vergleich zum Jahr 2016 wurden 935 Angelkarten weniger ausgegeben.

Die geringen Fangerträge haben aus Sicht der Berufsfischer vielfältige Ursachen. Diese wurden ebenso wie andere Fragen von der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz diskutiert. Schwerpunkte waren unter anderem der niedrige Nährstoffgehalt im See, der hohe Fraßdruck der Kormorane, der Einfluss der Stichlinge sowie die Umsetzung der Patentreduktion und die Anpassung einiger Befischungsregeln.

Kormorane entnehmen fünfmal mehr Fische als Angler

Der Bestand an Kormoranen am Bodensee (Obersee und Untersee) hat 2017 weiter zugenommen. Im April des Berichtsjahres wurden 1.833 Vögel gezählt. Die Fischentnahmen durch den Kormoran aus dem Bodensee und den mündungsnahen Abschnitten der Zuflüsse werden auf 220 – 260 Tonnen geschätzt. Das ist beachtlich, wenn die Fänge der Angler am Obersee (knapp 50 Tonnen) und jene der Berufsfischer (rund 300 Tonnen) gegenübergestellt werden.

Der Brutbestand an Kormoranen am Bodensee ist von 454 (2016) auf über 500 Brutpaare im Jahr 2017 wiederum sehr stark angestiegen. In der Fußacher Bucht konnte durch Vergrämungsmaßnahmen ein Anwachsen der Kolonie verhindert werden, ohne dass dabei negative Effekte auf die Vogelwelt insgesamt hätte festgestellt werden können. Die Zunahme bei den Brutpaaren war am baden-württembergischen Ufer zu beobachten.

Anpassungen bei Fanggeräten und Einsatzzeiten

Um den aktuellen Verhältnissen im See Rechnung zu tragen, wurden einige Bestimmungen zu den Fanggeräten und Einsatzzeiten angepasst. Für Angler wurde die Entnahmepflicht bei Barschen geändert. Die Berufsfischer jener Anrainerländer, die die Patentzahlen bereits auf den 2015 beschlossenen Wert reduziert haben, können seit Anfang 2018 ein weiteres Schwebnetz einsetzen. Bayern wurde ein verlängerter Zeitraum zum Erreichen der Zielzahl zugestanden. Alle bei der Konferenz 2018 beschlossenen Anpassungen treten 2019 in Kraft.

Erforschung des Stichlings wird ausgeweitet

Auf der Konferenz wurde auch das Interreg-Projekt “SeeWandel: Leben im Bodensee – gestern, heute und morgen” vorgestellt, das federführend von der Int. Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) initiiert worden ist. Im Rahmen des Projekts wird der Einfluss von Nährstoffrückgang, Klimawandel, gebietsfremden Arten und anderen Stressfaktoren auf das Ökosystem Bodensee untersucht. “SeeWandel” umfasst 13 Teilprojekte an sieben Instituten. Die Untersuchungen sollen zu einem besseren Prozessverständnis des Freiwassers und der Uferregion, sowie den Interaktionen zwischen diesen beiden beitragen. Ein Teilprojekt ergänzt die laufenden Untersuchungen der Fischereiforschungsstelle Langenargen über die Ökologie und Diversität von Stichlingen im Bodensee. Erhofft werden Ergebnisse, wie die negativen Auswirkungen der massenhaft auftretenden Stichlinge auf die heimischen Fischarten reduziert werden können.

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