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Fischer fordern natürlicheren Rhein

Vaduz - Konzepte für Renaturierung des Rheins gäbe es – Fischer fordern endlich die Umsetzung.

Die Internationale Regierungskonferenz der Anrainerländer hat millionenteure Pläne zur Gestaltung eines wieder natürlichen Alpenrheins in den Schubladen. Bisher wurde kein Stein bewegt, beklagen die Fischereiverbände Vorarlbergs, Liechtensteins, St. Gallens und Graubündens und gründeten die Plattform „Pro Fisch Alpenrhein“. Im Rathaussaal von Vaduz begrüßte der Vorarlberger Verbandspräsident Egon Helbok als Vorsitzender der neuen Plattform auch Mitglieder von Umweltinitiativen, amtliche Fischereiexperten und Wasserbauer. „Den Fischen im Rhein und seinem Einzugsgebiet geht es trotz Gewässerschutzmaßnahmen schlecht“, sagte er. Der Fluss bietet Fischen kaum noch Lebensraum und ist zur Wasserautobahn geworden, das Artenspektrum ist auf Grund der Kanalstruktur des Flusses dramatisch zurückgegangen. „Der Rhein ist ein kranker Patient, aber mit enormem Potenzial“, sagte die St. Galler Kantonsrätin Claudia Friedl von der Initiative „Lebendiger Alpenrhein“. Während die Planungen zur Renaturierung immer wieder versanden, nehmen die beantragten Kraftwerksprojekte sprunghaft zu.

Signifikanter Artenschwund

Einen geschichtlichen Rückblick auf den „größten Wildbach Europas“ skizzierte Gertrud Haidvogel von der Wiener Universität für Bodenkultur. Die Expertin für historische Entwicklungen von Gewässersystemen zeigte auf, wie dem Fluss im 19. Jahrhundert durch Siedlungsdruck und Industrialisierung Raum genommen wurde. „Die Ökonomie siegte über die Ökologie.“ Zwar gelang es, die Hochwassergefahr weitgehend zu bannen, dafür entstanden eine Reihe neuer Probleme wie die Eintiefung der Sohle, das Absinken des Grundwasserspiegels, die Verlandung des Mündungsgebietes am Bodensee und der Verlust von Erholungsräumen. Um 1850, als viele Bäche im Rheintal noch niveaugleich an den Rhein angebunden waren, lebten laut historischen Quellen im Rhein und den Augewässern 30 Fischarten. 2005 waren es gerade noch sechs Arten, die häufiger vorkamen.

Schaden durch Kraftwerke

Einen grellen Lichtstrahl auf den Einfluss der Wasserkraftwerke lenkte im düsteren Vaduzer Rathaussaal Dr. Sebastian Hanfland, Experte des Bayerischen Fischereiverbandes. „Die Kraftwerksbetreiber verharmlosen in ihrer Werbung die Folgen der Anlagen. Wasserkraftwerke sind keineswegs so umweltfreundlich, wie der Öffentlichkeit glauben zu machen versucht wird“, betonte Hanfland. Die Wehre unterbrechen die Zugwege der Fische, auch moderne Aufstiegshilfen sind nur Notlösungen. In den Stauräumen bietet sich den Kieslaichern keine Fortpflanzungsmöglichkeit. Dazu kommen zu knapp dotierte Restwassermengen und die schnell wechselnden Wasserstände durch die Gewinnung von Spitzenstrom. Weitgehend ungelöst ist der Abstieg von Wanderfischen nach dem Laichgeschäft. Große Elterntiere können die Treibholzrechen nicht passieren, der Nachwuchs wird vielfach in den Turbinen zerstückelt. In Vaduz fand auch die Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer statt. Die Vertreter Österreichs, Südtirols, der Schweiz und Bayerns trafen sich zur Unterzeichnung einer Resolution am Illspitz, wo gerade ein Kraftwerksprojekt die letzten Genehmigungshürden nimmt. Die Resolution, die an die Regierungen und Verantwortungsträger der Alpenländer gerichtet ist, wendet sich gegen den übertriebenen Ausbau der Wasserkraft. Im Alpenraum sind derzeit weit über 10.000 meist kleiner Wasserkraftwerke in Betrieb, die aber nur 10 Prozent des Strombedarfes abdecken. Hunderte weiterer Anlagen sind beantragt. Die Resolution fordert den Stopp des Neubaues von Kleinkraftwerken, dafür die Effizienzsteigerung bestehender Anlagen und die Erhaltung der letzten unverbauten Gewässerstrecken.

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